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So kümmern sich Leipziger Willkommenskitas um Flüchtlinge

Integration in Kitas So kümmern sich Leipziger Willkommenskitas um Flüchtlinge

Pädagogen an Willkommenskitas in Leipzig bekommen Weiterbildungen zu Themen wie Rassismus, Asylrecht und Mehrsprachigkeit. Das soll die Integration von Flüchtlingskindern erleichtern. Zwei Leipziger Kitas nehmen bislang am Programm teil. Bald könnten es mehr sein.

Umkleide in einer Kita. (Archivbild)

Quelle: dpa

Leipzig.  In Leipzig gibt es bislang zwei Willkommenskitas: Der Hort der 100. Schule in Lausen-Grünau und die integrative Kita UniKids beim Uniklinikum setzen sich für die Integration von Flüchtlingskindern ein. Die UniKids-Kita habe sich 2014 als Willkommenskita beworben, da etwa 30 Prozent der Kinder Flucht- oder Migrationserfahrungen hatten, erzählt die Leiterin Iris Lakei. Das junge Team habe sich Unterstützung gewünscht und diese in Weiterbildungen und im Austausch mit dem Coach bekommen. „Wir hatten Fortbildungen zu Asylrecht, zur Sprachentwicklung bei Mehrsprachigkeit und kulturellen Hintergründen, gerade der arabischen Welt“, sagt Lakei.

Mit einem Coach prüften die Erzieher in den vergangenen Jahren Spielmaterialien auf Rassismus und wurden zum Umdenken angeregt: Ein Memory mit Indianermotiven sortierten die Pädagogen aus, andere Spielmaterialien thematisierten sie gemeinsam mit den Kindern. „Wir wollen nicht, dass die Kinder überhaupt auf den Gedanken kommen, dass weiße Europäer besser sind als andere Nationen oder Ethnien.“ Die Eltern aller Kinder hätten die Willkommenskita unterstützt. Denn die Arbeit zur kulturellen Vielfalt habe sich immer um alle Kinder gedreht, betont Lakei. Bei künftigen Anschaffungen achten die Pädagogen der UniKids darauf, dass alle Gesellschaftsformen abgebildet werden: Patchworkfamilien, Kinder mit zwei Müttern, Menschen mit Behinderung und Dunkelhäutige.

90 neue Willkommenskitas in Sachsen geplant

 „Wir helfen Kitas, damit geflüchtete Kinder bei ihnen gut ankommen“, sagt Jens Hoffsommer von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS). Seit drei Jahren betreut die Stiftung zehn Willkommenskitas wie die UniKids in ganz Sachsen. Das Programm wird nach Abschluss der Modellphase Ende des Jahres ausgebaut: In den kommenden drei Jahren bekommt der Freistaat schrittweise insgesamt 90 zusätzliche Willkommenskitas. Jährlich sollen 30 Kitas in das Programm aufgenommen werden.

Die Erzieher von Willkommenskitas bekommen Fortbildungen angeboten, beispielsweise zur Arbeit mit traumatisierten Kindern, zum Asylrecht oder zum Umgang mit Vorurteilen. In landesweiten Netzwerktreffen können sich die Einrichtungen untereinander austauschen. Außerdem kommt in regelmäßigen Abständen ein Prozessbegleiter in die Kita. „Jede Einrichtung muss ihren eigenen Weg finden“, sagt Hoffsommer. Gemeinsam mit der pädagogischen Zusatzkraft baute auch die Kita UniKids vor Ort ein Unterstützungsnetzwerk mit Behörden und Dolmetschern für Elterngespräche auf. Die Gelder für die Unterstützung der Willkommenskitas kommen vom Kultusministerium und Auridis, einer Förderinstitution, die von Aldi Süd finanziert wird.

Positive Bilanz für drei Jahre Modellphase Willkommenskitas

Die Bilanz für die Modellphase des Projekts fällt insgesamt positiv aus: „Die pädagogischen Fachkräfte ermöglichen nicht nur den Kindern ein gutes Ankommen, sondern sie haben durch den Aufbau neuer Netzwerke auch die kommunale Integration der Familien in beispielhafter Weise unterstützt. Ich bin sehr froh über dieses Projekt“, sagte Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) beim Abschlusstreffen mit Blick auf die bisherige Arbeit der Kitas. Bei der Veranstaltung am Sonnabend in Dresden gab die DKJS auch die Ausweitung des Programms bekannt.

Hoffsommer betont, dass das Programm unterm Strich allen Kindern einer Kita zugute kommt. Denn von den angebotenen Fortbildungen für die Erzieher profitierten auch die deutschen Kinder und ihre Familien. Eine gute Zusammenarbeit mit Eltern beschränke sich nicht nur auf ausländische Familien. „Viele Pädagogen waren vor drei Jahren noch unsicher, wie sie mit Flüchtlingskindern umgehen sollen“, sagt Hoffsommer. Damals hätten Busse die Kinder bei den Einrichtungen „abgeworfen“. Schritt für Schritt setzten sich die Erzieher mit Eltern und Behörden in Verbindung. Dabei habe auch das Willkommenskitas-Programm geholfen.

Kommunale Kitas kümmern sich selbst um Inklusion

Derzeit können sich Kindertagesstätten beim DKJS bewerben, die sich als Willkommenskita zusätzliche Unterstützung wünschen. Es werden sich wohl noch weitere Leipziger Kitas in freier Trägerschaft bewerben. Kommunale Einrichtungen werden sich für die neue Programmphase nicht um zusätzliche Unterstützung bemühen: „Wir sind bei dem Thema Inklusion selbst aktiv“, sagt Annett König vom Amt für Jugend, Familie und Bildung. Coaches für nachhaltige Integration gebe es von der Stadt zwar nicht, doch auch städtische Erzieher würden in Fortbildungen mit Flucht-Themen vertraut gemacht, sagt König. Ebenso wie der Hort der 100. Schule arbeitet auch die UniKids-Kita weiterhin als Willkommenskita: „Wir sind jetzt in der Lage, das gut alleine weiterzuführen“, sagt Leiterin Lakei. Neue Willkommenskitas könnten die Einrichtung künftig als Vorzeigeprojekt besuchen.

Von Theresa Held

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