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Einfach schön: Deutsches Fotomuseum präsentiert größten Fotowettbewerb der Welt

Markkleeberg Einfach schön: Deutsches Fotomuseum präsentiert größten Fotowettbewerb der Welt

Sie ist nicht nur schrecklich, verdorben und zerstört – diese Welt, in der wir leben, sie ist auch und immer noch schön. Das zeigt der mit 183 861 Einsendungen größte Fotowettbewerb der Welt „Our World is beautiful“, ausgeschrieben von Cewe, Europas größtem Fotoservice-Unternehmen. Gezeigt werden 50 der besten Arbeiten im Deutschen Fotomuseum in Markkleeberg.

Manh Ngoc Nguyen hielt ein wildbuntes Straßenchaos in Saigon mit einem Verkehrspolizisten als Dirigenten fest. Die lange Belichtungszeit sorgt für eine faszinierende Darstellung der Bewegungen.

Quelle: jkl

Leipzig. Janne Kahila ist ein Mensch, der ungern etwas dem Zufall überlässt. Der 27-Jährige aus dem finnischen Espoo arbeitet als Supply Chain Consultant – er überwacht die Lieferkette. „Ich würde mich eher als mathematischen Typen bezeichnen“, sagt er über sich. Dass er am Freitag im Deutschen Fotomuseum in Markkleeberg den Hauptpreis des größten Fotowettbewerbs der Welt entgegennehmen konnte, verdankt er seinem Gefühl für die Schönheit der Landschaft – und einem magischen Moment auf der zu den Färöer gehörenden Kalsoy-Insel im Sommer 2016. „Es war ein grauer, nebliger Tag, doch plötzlich klarte es auf.“ Kahila macht mehrere Aufnahmen mit 30 Sekunden Belichtungszeit, fängt eine surreale, mythische Stimmung ein. Es gelingt ein Gemälde aus Licht, Wolken- und Nebelströmen über einer karg-grünen Felslandschaft – mit einem kleinen Leuchtturm auf einer Anhöhe. Eine nordische Caspar-David-Friedrich-Komposition, die den Menschen auf seinen Platz im Universum zurücksetzt.

Sie ist nicht nur schrecklich, verdorben und zerstört – diese Welt, in der wir leben, sie ist auch und immer noch schön – und manchmal tut es einfach gut, sich dessen zu vergewissern. Mit „Our World is beautiful“ ist der Fotowettbewerb von Cewe, Europas größtem Fotoservice-Unternehmen mit Sitz im niedersächsischen Oldenburg, überschrieben. Um die Preise im Gesamtwert von 110 000 Euro hatten sich 22 223 Fotografen aus 94 Ländern beworben, die Jury musste in mehreren Schritten aus insgesamt 183 861 Einsendungen auswählen. Bis Ende des Jahres sind 50 der besten Arbeiten in Markkleeberg zu sehen.

„Weckruf des Optimismus“

Bereits vor einem Jahr hatte das Fotomuseum die Preisträger gezeigt, am Freitag fand erstmals auch die Preisverleihung im Fotomuseum statt, nach den Hamburger Deichtorhallen im vergangenen Jahr. Das börsennotierte Foto-Unternehmen unterstütze das Fotomuseum seit fast 20 Jahren, so Direktor Andreas J. Mueller, der das Museum zusammen mit seiner Lebensgefährtin Kerstin Langner als Kuratorin für einen Förderverein betreibt. „Ohne Cewe wären wir jetzt nicht hier“, sagt Mueller. Das Motto „Our World is beautiful“ sei für ihn ein „Weckruf des Optimismus“.

Ist es auch einer für das Fotomuseum selbst, das mit seinem an das New Yorker Guggenheim-Museum  erinnernden Gebäude, 1500 Quadratmetern Ausstellungsfläche und ambitionierten Ausstellungen einen überregionalen Anspruch formuliert, aber nach wie vor mit weniger als 60 000 Euro jährlicher Förderung auskommen muss? Vielleicht. Im Kulturraum Leipziger Raum – wichtigster Geldgeber des Fotomuseums – würden derzeit die Förderschwerpunkte neu verhandelt, so am Freitag Ines Lüpfert, stellvertretende Landrätin des Landkreises Leipzig.

Für Christian Friege, Cewe-Vorstandsvorsitzender, jedenfalls ist das Fotomuseum eine „inspirierende, außergewöhnliche Institution“. Insgesamt sechs unter anderem mit Gutscheinen über 3500 Euro für Ausrüstung verbundene Preise überreichte er gestern. In der Kategorie „People“ gewann der Deutsche Florian Bernhardt. Er fotografierte ein kleines Mädchen in den Slums von Kathmandu. Warme tiefe Augen und ein Lächeln, in dem sich für einen Moment alle Hoffnungslosigkeit der Welt aufzulösen scheint.

Spiel mit Symmetrie, Farbe und Spiegeleffekt

Die Tschechin Terezie Fojtová (Kategorie Nature) wollte auf Island eigentlich ganz nah an Schafe rankommen. Ihr so witziges wie klug komponiertes Foto zeigt sie, wie sie eilig davon laufen – auf einer Straße, die im Nirgendwo zu enden scheint. Die Ungarin Ágnes Dudás arbeitet als Schwimmbadtechnikerin in Budapest, ihre Kamera hat sie immer dabei. Kurz bevor der Wasserspiegel von Gästen gestört wurde, gelang ihr ein hochästhetisches Bild, ein Spiel mit Symmetrie, Farbe und Spiegeleffekt. Sie gewann in der Sparte „Architektur“.

Unter Wasser hat sich der Österreicher Christoph Grubich (Kategorie Sport) begeben. Seine sechsjährige Tochter hat er kurz nach dem Eintauchen, in höchster Konzentration, eine Kaskade leuchtender Luftblasen hinter sich herziehend, festgehalten. Den Hauptpreis hätte auch Manh Ngoc Nguyen (Kategorie Verkehr) aus Deutschland verdient. In Saigon fotografierte er ein wildbuntes Straßenchaos mit einem Verkehrspolizisten als Dirigenten mittendrin.

Janne Kahila kann nun die nächste Fotoreise planen. Als Hauptgewinner erhielt er unter anderem einen Reisegutschein über 5000 Euro. Vielleicht nach Patagonien oder Grönland könnte es gehen, meint er. Gut vorbereitet wird er auf alle Fälle sein.

Bis 30. Dezember im Deutschen Fotomuseum in Markkleeberg (Raschwitzer Str. 11); geöffnet täglich außer Montag von 13 bis 18 Uhr.

Von Jürgen Kleindienst

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