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Athleten an Maus und Tastatur: Die Gaming-Szene vor der Leipziger Dreamhack

eSport Athleten an Maus und Tastatur: Die Gaming-Szene vor der Leipziger Dreamhack

Sich öffentlich im Computerspielen zu messen, ist ein Trend der Stunde. Von 22. bis 24. Januar wird Leipzig mit der erstmals in Deutschland ausgetragenen Dreamhack auf dem Messegelände für drei Tage zum Mekka für eSport-Fans. Eine gute Gelegenheit, um sich mal anzusehen, wie es um den elektronischen Sport hier vor Ort bestellt ist.

Live-Übertragung: Begeisterte Fans bei einem Public Viewing von Leipzig eSports im Studentenkeller.

Quelle: Marco Schur

Leipzig. Die Dreamhack, das größte Computerspiele-Festival der Welt, kommt im Januar erstmals nach Deutschland und bringt wieder zusammen, was zusammen gehört. Noch immer schmerzt der Weggang der Games Convention nach 2008 viele Leipziger sehr. Jetzt lautet das Motto: „Gaming is coming home“, und Leipzig wird für drei Tage zum Mekka für eSport-Fans. Eine gute Gelegenheit, um sich mal anzusehen, wie es um den elektronischen Sport hier vor Ort bestellt ist.

Sich professionell im Computerspielen zu messen – das ist in den letzten Jahren zu einer riesigen Maschinerie herangewachsen. Obwohl der Deutsche Olympische Sportbund eSport noch nicht als offiziellen Sport anerkannt hat, unterscheiden sich die Strukturen und Spielregeln des virtuellen Wettkampfs immer weniger von denen anderer Sportarten. Es gibt Trainer, Sportpsychologen, Sponsoren, riesige Turniere und Preisgelder in Millionenhöhe. eSportler sind die neuen Superstars und einige können vom Gaming leben.

Schaut man sich diesbezüglich in Leipzig um, kommt nur ein Name in Frage: Dario Wünsch alias TLO. Der 25-Jährige hat es geschafft. Er ist seit fünf Jahren hauptberuflich Pro-Gamer und damit der einzige in der Messestadt. Eine Alternative gab es für ihn nie. Mit drei Jahren sitzt Dario zum ersten Mal an einem Computer, lernt damit lesen und schreiben. Ein Besuch auf der Games Convention 2002 legt den Grundstein für Darios Laufbahn. „Als ich aufgewachsen bin, hatte Gaming noch ein großes Stigma. Man wurde als Nerd abgestempelt und hat sich eher versteckt“, erzählt der Leipziger. „Aber live zu sehen, wie Gamer vor tausenden Leuten spielen und hoch angesehen sind, hat mir Hoffnung gegeben. Seitdem war es mein Traum, dass Leute mich dafür respektieren, was ich in Computerspielen leisten kann.“ Der Traum ist wahr geworden.

Leipziger Pro-Gamer Dario Wünsch alias TLO.

Quelle: Arvid Wünsch

Auf besagter Games Convention lernt Dario auch den Mann kennen, der heute sein Boss ist. Der ehemalige Pro-Gamer Victor „Nazgul“ Goossens spielte damals auf der Messe gegen Fans wie Dario. Und der scheint schon mit zwölf Jahren einen bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben. Einige Jahre später nimmt er online Kontakt zu seinem einstigen Idol auf. „Victor konnte sich an meine Geschichte erinnern und hat mich zu einem Turnier eingeladen“, so Dario. Er stellte sein Können unter Beweis und steht seitdem bei dem von Goossens gegründeten Team Liquid unter Vertrag.

Teams oder sogenannte Clans sind die Vereine im eSport. Sie finanzieren sich über Sponsoren, zahlen ihren Sportlern ein festes Gehalt und übernehmen die Reisekosten zu den Turnieren auf der ganzen Welt. Dass dabei nicht immer alles glatt läuft, musste der Leipziger David Hunsmann alias Glukoza erfahren. Auch er stand schon bei verschiedenen Teams unter Vertrag und bekam fürs Spielen Gehalt. Einmal hielt seine Organisation aber ihren Teil der Abmachung nicht ein. „eSport ist noch immer eine rechtliche Grauzone, weil die Branche relativ jung ist“, sagt er. In vielen Fällen würden die Kosten rechtlicher Schritte die Höhe des nicht ausgezahlten Gehalts übersteigen.

Für Sponsoren ist der eSport-Markt hingegen sehr lukrativ. Neben Technikherstellern haben das auch Lifestyle-Sponsoren wie Red Bull oder McDonald’s schon erkannt. Nirgendwo sonst lässt sich Werbung derzeit so direkt an die junge Zielgruppe bringen. Wenn es um die Finanzierung der Clans geht, zählt aber wie in den meisten Branchen nicht nur das Können der Spieler. „Social Media ist alles im eSport. Deine Followeranzahl gibt dir quasi dein Gehalt wieder“, sagt David Hunsmann.

Uta Allenstein und Alexander Fischer von Leipzig eSports wollen Gamer zusammenbringen.

Quelle: Friederike Ostwald

Nur wer sich zu vermarkten wisse, sei auch interessant für Geldgeber. Mit eSport erfolgreich zu werden, ist ein Vollzeitjob. David selbst wollte das reale Leben trotz seiner Leidenschaft nie hinten anstellen. Der 24-Jährige studiert Wirtschaftsinformatik in Leipzig und könnte sich gut vorstellen, im Hintergrund der eSport-Szene zu arbeiten. „Als Spieler kommt man fast nur über Kontakte in gute Teams“, weiß er. „Auf Profi-Niveau gönnt sich keiner was. Wer nicht dauerhaft abliefert, wird rausgekickt.“

Der Zusammenhalt in der Szene, unter den zahllosen Fans und Spielern, ist hingegen riesig. „Im Spiel gibt es weniger Diskriminierung als im realen Leben. Es geht nicht um Äußerlichkeiten, sondern darum, wie sich jemand verhält“, findet Uta Allenstein von Leipzig eSports. Die Community ist der erste Anlaufpunkt für alle aus der Region, die sich für Gaming interessieren. Seit 2012 organisiert die Gruppe aus durchschnittlich 30 eSport-Fans viele Events on- und offline. Man trifft sich einmal im Monat zum Stammtisch, zu Public Viewings großer Turniere und einmal im Jahr zum eigenen Community Cup. Auch eSport-Teams sind aus der Gruppe schon hervorgegangen. „Bei uns ist jeder willkommen und übernimmt nur so viele Aufgaben, wie er möchte“, sagt Uta. Zusammen mit anderen Ehrenamtlichen kümmert sie sich um die Organisation der Events und die Kommunikation mit Sponsoren, ihr Mitstreiter Alexander Fischer betreut unter anderem das Forum und den Streaming-Kanal von Leipzig eSports.

Neben Festgehalt und Preisgeldern ist Streaming die dritte große Einnahmequelle für Pro-Gamer. Sie filmen sich und ihre Spielpartie, während tausende Fans gebannt online zusehen und das Können honorieren. „Der Wertschätzungsgedanke spielt im eSport eine große Rolle“, erklärt Alexander von der Community. „Die Zuschauer können den Kanal kostenpflichtig abonnieren oder direkt an den Spieler spenden. Im Gegenzug wird die eigene Nachricht vorgelesen oder man kann sich ein Lied wünschen.“

Auch Profi Dario Wünsch streamt regelmäßig. Den direkten Kontakt mit seinen Fans schätzt er sehr. „Noch ist es ein Level von Berühmtheit, das ich kontrollieren kann und das sehr angenehm ist“, sagt er. Auf der Straße werde er nur selten erkannt, aber der virtuelle Zuspruch sei enorm. In einem stimmen er und seine Mitspieler überein: Das Beste am eSport sind die Kontakte, die man auf der ganzen Welt knüpft. Darios Teamkollegen stammen zum Beispiel aus Norwegen, den USA und Südkorea. Dass sie alle am selben Ort trainieren, passiert nur vor großen Turnieren und während längerer Bootcamps. Dario hat deswegen schon acht Monate in Südkorea – der absolut führenden Nation im eSport – gelebt. Denn das Internet überwindet nicht jede Hürde. Die Verzögerung zwischen den Ländern beträgt etwa 400 Millisekunden – in rasanten Strategiespielen eine Ewigkeit. Nach der Rückkehr aus Asien wurde Leipzig Dario zu klein, er lebt mittlerweile in Berlin.

Durch die Dreamhack könnte Leipzig aber in der Szene wieder an Bedeutung gewinnen. Darauf hofft auch die Community Leipzig eSports. „Wir leben derzeit nur von Mundpropaganda. Durch die Messe können wir Präsenz zeigen und demonstrieren: Leipzig ist noch da!“, sagt Alexander Fischer. Dass die Dreamhack überhaupt hierher kommt, ist vor allem der Leipziger Firma XMG zu verdanken. Die Hersteller spezieller Gaming-Computer pflegen eine langjährige Freundschaft mit den Erfindern der Dreamhack in Schweden und betreuen nun in Leipzig den eSport-Bereich. Mit dieser guten Basis vor Ort wäre es nicht verwunderlich, wenn demnächst noch weitere Pro-Gamer aus Leipzig den eSport erobern.

Dreamhack, 22. bis 24. Januar, Leipziger Messe, Tageskarte 15 Euro, Dauerkarte 40 Euro (ab 16 Jahre), LAN-Teilnehmer 79 bis 149 Euro (ab 18 Jahre); www.dreamhack-leipzig.de

Von Friederike Ostwald

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