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Gelebte Videospiel-Kultur auf der Neuen Messe

Dreamhack Gelebte Videospiel-Kultur auf der Neuen Messe

Drei Tage lang stand die Leipziger Messe wieder im Zeichen der Spiele. Die zweite Dreamhack bot ein buntes Programm  aus Turnieren, Ausstellungen, Cosplay, diversen Mitmach-Möglichkeiten und Szene-Prominenz: ein Traum für Gamer.  Dabei konnte die Veranstaltung auch die letztjährige übertreffen – kommerziell wie kulturell.

Drei Tage Dreamhack: Gamerin, Counter-Strike-Turnier und Cosplayer-Turnier.

Quelle: Knofe (2)/Modla

Leipzig. Auch drei Tage reichen nicht aus, um die zweite Leipziger Dreamhack in all ihren Facetten zu erfassen: Viel zu viel gab es auf der E-Sports-Veranstaltung zu erleben. Ein persönlicher Messe-Bericht.

Freitag

Es ist Freitag, der 13. und das erste (aber auch einzige) große Unglück dieses Tages zeichnet sich schon früh am Himmel ab: graue Wolken, Wind, Schnee. Der Eröffnungstag der zweiten Dreamhack wird von Wetter der unangenehmen Sorte überschattet. Das hält viele Besucher davon ab, die E-Sports-Veranstaltung zu besuchen – nicht aber die Teilnehmer der LAN-Party, von denen einige schon seit 8 Uhr mit dem Aufbau ihrer Rechner begonnen haben. 1500 Spieler vernetzen sich in der Halle 4 zum gemeinschaftlichen Spielen.

Doch fürs Erste liegt mein Interesse auf der anderen Halle. Dort sieht es nach typischem Messe-Geschehen aus: Zwei Dutzend Aussteller haben hier ihre Stände aufgebaut, einer ist bunter und lauter als der nächste. Das Buhlen um die Aufmerksamkeit der noch wenigen Besucher beginnt, es wird mit Geschenken und Mitmach-Möglichkeiten gelockt. Besonders begehrt ist natürlich Virtual Reality. Diese neue Technologie, durch die man mittels einer übergroßen Brille gänzlich in die virtuelle Welt eintauchen kann.

Am Freitag startete auf der Leipziger Messer die Dreamhack. Für viele Gamer bedeutet das: Bis Sonntag durchzocken!

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Zeit zu verweilen habe ich an diesem Tag aber nicht. Stattdessen schaue ich überall einmal vorbei: Ego-Shooter-Turnier hier, Streamer-Stand da, Produktpräsentation dort. Dazwischen ein paar kurze Gespräche mit Spielern in der LAN-Halle, die meist aber viel zu beschäftigt sind, um sich länger mit mir zu unterhalten. Einer aber nimmt sich dann doch die Zeit: Der 27-jährige Martin, der mit seinem 45 Kilogramm schweren, herdgroßen Rechner viele Blicke auf sich zieht. Feldbett, kistenweise Fünf-Minuten-Terrinen und ein Mini-Kühlschrank voller Energy-Drinks sollen ihn über das Wochenende bringen. Bei einem Spaziergang durch die dunklen Reihen, die lediglich vom Schein der Monitore und LEDs erhellt werden, zeigt sich überall ein ähnliches Bild. Sonderlich gesund ist das bestimmt nicht – aber wer hat jemals behauptet, Vergnügen müsse gesund sein? Manche gehen in die Kneipe, andere eben auf LAN-Partys.

Einzig die mäßige Zahl der Messebesucher macht noch Sorgen. Die Hoffnung auf regen Andrang verlagert sich deshalb auf die Wochenendtage.

Samstag

Schon bei der Parkplatzsuche wird klar, dass diese Hoffnung nicht enttäuscht wird. Es wimmelt und wuselt in den Hallen, auffällig ist die hohe Anzahl an Cosplayern, von denen aber nur ein kleiner Teil am später stattfindenden Wettbewerb teilnimmt. Wohlige Erinnerungen an die gute alte Games Convention werden wach – zumindest in der Ausstellungshalle. Gegenüber sitzen die 1500 LAN-Teilnehmer noch immer im dunklen Kämmerlein. Bis auf die Luft, die ein wenig dicker ist und intensiv nach Essen riecht, hat sich hier nichts verändert.

Im Expo-Bereich herrscht derweil Tumult vor jedem größeren Stand. Und auch das Pokémon-Areal ist gut befüllt: 330 Spieler messen sich wahlweise im Sammelkarten- oder im Videospiel miteinander. Ich komme mit Tenshi ins Gespräch. Der Japaner lebt seit acht Jahren in Norwegen und ist nach Leipzig gekommen, weil sein Sohn begeisterter Kartenspieler ist. Voller Stolz berichtet er, dass es sein Zehnjähriger bis ins Finale geschafft hat. Eine andere Gruppe besteht aus Italienern, Polen und Niederländern. Die Dreamhack hat längst internationales Niveau erreicht.

Rund 30 Teilnehmer stellten sich am zweiten Tag der Dreamhack einer Jury, um beim Cosplay-Wettbewerb eine von sechs Kategorien für sich zu entscheiden.

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Der eindeutige Höhepunkt des zweiten Tages ist jedoch das große Cosplay-Turnier: 30 Teilnehmer wetteifern um den Preis für das beste Kostüm. Was hier an Kreativität, Detailreichtum und handwerklichem Können versammelt ist, sucht seinesgleichen. Mehr als 700 Zuschauer bestaunen das Ganze, am Ende siegt die 24-jährige Düsseldorferin Alina.

Sonntag

Ein letzter Anstandsbesuch. Die große LAN-Party ist am frühen Nachmittag bereits um die Hälfte geschrumpft, auf dem Boden sammelt sich Müll, auch erblicke ich zahlreiche leere Bierflaschen. Einige Spieler ziehen bis zum Schluss durch, die meisten packen aber schon zusammen oder plaudern einfach miteinander. Sven und Robert ziehen Bilanz: „Die Organisation ist definitiv besser als im vergangenen Jahr: Sicherheit, Platz, Technik, Atmosphäre – alles geil! Nächstes Jahr sind wir wieder dabei.“

Wenigstens einmal möchte ich dann aber noch beim großen Ego-Shooter-Turnier vorbeischauen, bei dem es schließlich um 100.000 Dollar Preisgeld geht. Auch an diesem Tag entpuppt es sich als Besuchermagnet: Jeder der 500 Sitzplätze ist gnadenlos belegt, sämtliche Augen sind auf den großen Bildschirm zwischen den Kontrahenten gerichtet. Gespannt lauschen die Zuschauer den professionellen englischen Kommentatoren. Eigentlich will ich nur kurz verweilen, doch dann packt auch mich das Fieber. Das einzige deutsche Team streitet gerade um den Einzug ins große Finale, kämpft sich mit sieben aufeinanderfolgenden Rundensiegen zum Matchball. Die Anspannung steigt, das Publikum wird immer lauter. Dann endlich der entscheidende Sieg – und die Euphorie ist kaum noch zu überbieten. Der Unterschied zum „echten“ Sport – er ist hier nur marginal. Leider scheitern die fünf Jungs im entscheidenden Match.

Gegen Abend zieht die Messe Bilanz: Mit gut 15.000 Besuchern kann die zweite Dreamhack die letztjährige um mehr als 2000 übertreffen. Ein kommerzieller Erfolg, aber auch ein kultureller. Denn die Vielfalt, die Stimmung, die Begeisterung und Leidenschaft, die hier an jeder Ecke zu spüren waren – das alles ist gelebte Gamer-Kultur. Die Dreamhack könnte Leipzig wieder zu einer Hochburg der deutschen Videospiel-Landschaft machen. Auf ein Neues im Jahr 2018.

Christian Neffe

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