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Eine kleine Reise durch die Videospielgeschichte

Evoland 2 im Test Eine kleine Reise durch die Videospielgeschichte

Vom Pixel-Schick vergangener Tage zur Hochglanzgrafik moderner Videospiele: „Evoland 2“ ist nicht weniger als eine spielgewordene Reise durch drei Jahrzehnte Games-Historie. Die als Rollenspiel verpackte Geschichtsstunde schwimmt auf der aktuellen Retro-Welle mit – zahlreiche Referenzen inklusive.

Pixel-Renaissance: "Evoland 2" lässt den Spieler die Evolution der Videospiele nacherleben - 80er-Jahre-Grafik inklusive.

Quelle: Shiro Games

Gespielte Games-Evolution: Was ist „Evoland“?

Einst war sie den technischen Beschränkungen ihrer Zeit geschuldet, heute erfreut sich grobkörnige Pixelgrafik bei unabhängigen Spieleentwicklern größter Beliebtheit. Mit kleinem Budget und einer Extraportion Kreativität mischen sie im Business der Multimillionenprojekte wie „Grand Theft Auto 5“ oder „Destiny“ mit.

Das französische Studio Shiro Games ging mit seinem Erstlingswerk „Evoland“ 2013 noch einen Schritt weiter: Anstatt nur auf den günstig zu produzierenden Schick alter Tage zu setzen, schufen sie eine spielgewordene Chronik des Rollenspielgenres. Lohn für gute Taten waren keine Schätze oder die Hand einer holden Prinzessin, sondern die schrittweise Entwicklung des Spiels selbst, sowohl grafisch wie spielerisch. Aus einfarbigen Kellerräumen wurde eine dreidimensionale Welt. Piepsende Synthie-Sounds evolutionierten zu orchestralen Hymnen und die Spielmechanik gewann in diesem dreistündigen Abenteuer zusehends an Tiefe.

Als Rollenspiel verpackte Geschichtsstunde: "Evoland 2" schwimmt auf der aktuellen Retro-Welle mit – und lässt den Spieler drei Jahrzehnte Games-Historie erleben. Screenshots: Shiro Games

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Der Nachfolger „Evoland 2“ löst sich von den Grenzen des Rollenspielgenres und zaubert die größten Hits der 80er, 90er und das Beste von heute in eine fantastische Reise durch die Geschichte der Videospiele.

Pixel-Charme und Retro-Feeling: Wie präsentiert sich „Evoland 2“?

Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft: Diese drei Zeitebenen bilden das Grundgerüst für die Reise durch die Zeit in „Evoland 2“. Diese wird abermals von der erzählerischen Stärke eines Rollenspiels zusammengehalten. Während das Heldengrüppchen um den Jungen Kuro durch die Zeit reist, erleben die Spielenden je ein Jahrzehnt Videospielgeschichte.

So präsentiert sich die Gegenwart der Spielwelt im schicken 16-Bit-Look der 90er-Jahre-Klassiker wie „Secret of Mana“ oder Zeldas „A Link to the Past“. Die Vergangenheit hingegen setzt auf die Hochzeit des Gameboys und NES, als die Gebrüder Mario durch Röhren tauchten und mit Schildkrötenpanzern um sich warfen. Zukünftig wird es immer dann, wenn die Grafik in die dritte Dimension der frühen 2000er Jahre springt.

Das ist besonders charmant, weil sich die Protagonisten selbst jederzeit der grafischen Präsentation ihrer Welt bewusst sind und dies auch in amüsanten Gesprächen zu kommentieren wissen. Darüber hinaus rezitiert „Evoland 2“ in rund 30 Stunden nicht nur das optische Gerüst der Epochen, sondern bindet die Klassiker auch spielerisch mit in seiner Handlung ein.

Zukünftig wird es immer dann, wenn die Grafik in die dritte Dimension der frühen 2000er Jahre springt.

Zukünftig wird es immer dann, wenn die Grafik in die dritte Dimension der frühen 2000er Jahre springt.

Quelle: Shiro Games

Das sollten Eltern wissen

Die spielbare Geschichtestunde „Evoland 2“ verzückt mit herzlichen Charakteren, kindgerechtem Humor und subtilen Lachern für Kenner der Videospielgeschichte. Der Kampf ums Fantasy-Königreich geht ganz und gar unblutig vonstatten. Zwar wedeln Helden wie Bösewichte viel mit Schwertern und magischen Kräften, ernsthaft brutal wird es dabei aufgrund der Retro-Grafik nie.

Einziges Manko: Die Reise durch 30 Jahre Videospielgeschichte richtet sich vor allem an Kenner der Klassiker. Nur wer dereinst selbst an verregneten Herbstnachmittagen mit „Bomberman“ Freundschaften auf die Probe stellte oder als „Pac-Man“ auf Geisterjagd ging, wird all die feinen Anspielungen in „Evoland 2“ verstehen und zu würdigen wissen.

Geschichtsstunde für Kenner: Was sind die Stärken von „Evoland 2“?

Wenn der Anführer einer Dämonen-Armee die Streitaxt zur Seite legt und zur virtuellen Klampfe greift, dann wissen Kenner: Hier wird eine Runde „Guitar Hero“ gespielt. Nur wer die farbigen Noten trifft, wird über den Schuft triumphieren. Oder wie wäre es mit einer Schleichpartie durch die Kerker einer alten Festung – ganz im Stile von „Metal Gear Solid“? Eine Runde „Pac-Man“ hat auch noch nie geschadet, um den Schrecken eines Spukhauses zu entfliehen. Und echte Kopfnüsse wollen auf „Professor Layton“-Art gelöst werden, dem Knobelmeister des Nintendo 3DS.

„Evoland 2“ vermag es, diese Meisterwerke als raffinierte Neuinterpretationen in seine Handlung einzubeziehen. Egal ob Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft, jeder Zeitpunkt zitiert die Klassiker seiner Epoche. Das ist vor allem für diejenigen ein wahres Freudenfest, die mit den Spielen der 80er und 90er Jahre aufgewachsen sind. Aber auch Unkundige können sich an den unterhaltsamen Genresprüngen erfreuen, bietet jedes Minispielchen für sich doch eine enorme Spieltiefe.

Das perfekte Spiel für Nostalgiker - unser Fazit:

Vielen war das erste „Evoland“ zu viel Geschichtsstunde und zu wenig echtes Spiel. Klar war es amüsant zu erleben, wie sich die Spielwelt Schritt für Schritt über drei Jahrzehnte zu einem modernen Rollenspiel entwickelte – spielerisch bot sie aber zu wenig Tiefgang.

„Evoland 2“ geht an jeder Stelle einen Schritt weiter. Selbst ein fünfminütiges Kartenspiel im Stile des Blizzard-Blockbusters „Hearthstone“ bietet ein komplexes Regelwerk und damit angenehme Spieltiefe. Klassiker wie „Frogger“, „Street Fighter“ und „Double Dragon“ werden nicht bloß zitiert, sondern sinnvoll in die Handlung eingebunden. Wer seine Jugend vor piependen Automaten und in abgedunkelten Arcade-Hallen verbracht hat, wird sich im Sekundentakt an die guten alten Zeiten erinnert fühlen.

Doch was für Kenner eine Stärke ist, ist zugleich das größte Hindernis für Unkundige. Während der erste Teil noch chronologisch durch ein Genre führte und so die Entwicklung des Rollenspiels von seinen Anfängen bis heute auch für Außenstehende nachvollziehbar machte, lebt „Evoland 2“ von seinen Zitaten. Und diese wollen verstanden werden.

Benjamin Matthiesen

Wertung und Eckdaten

Wertung: 4 von 5 Punkten

Genre: Rollenspiel
Erscheinungsdatum: 25. August 2015
Plattformen: PC
Preis: ab 18 Euro (erhältlich u.a. bei Steam und gog.com)
Jugendfreigabe: noch nicht geprüft
Entwickler: Shiro Games
Publisher: Shiro Games
Website: http://www.evoland2.com

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