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In "Until Dawn" trifft Film auf Spiel – Hollywood-Besetzung inklusive

Wie im Horrormovie In "Until Dawn" trifft Film auf Spiel – Hollywood-Besetzung inklusive

Videospiele sehen immer realistischer aus. Warum also nicht gleich die Trennung zwischen Spiel und Film aufheben? „Until Dawn“, das acht Jugendliche eine Horrorgeschichte erleben lässt, versucht genau das. Schauspielerin Hayden Panettiere spielt darin eine der Hauptrollen.

Mach mal Licht: Die verschiedenen Schauplätze in "Until Dawn" sind alle nicht wirklich gemütlich

Quelle: Sony

Die Schwestern stehen auf der schneebedeckten Klippe. Sie taumeln zurück. Die Gefahr kommt näher. Jetzt dürfen sie bloß nicht die Fassung verlieren. Dann aber passiert es doch. Eine von beiden rutscht aus, sucht mit den nackten Fingern im tiefen Schnee nach Halt, droht in die Tiefe zu stürzen.

Solche spannungsgeladenen Szenen funktionieren im Kino. Spiele aber funktionieren anders. Denn Spiele sind interaktiv. Genau das ist das Geheimnis vieler Hits, die von außen eher stupide aussehen: Jeder Schuss in Ego-Shootern wie „Call of Duty“ lässt den Controller erbeben und gibt dem Spieler ein Machtgefühl. „Until Dawn“ für Playstation 4 macht es anders. Spieler sollen sich machtlos fühlen. Entsprechend dünn fallen die Möglichkeiten aus, ihr Schicksal zu beeinflussen.

„Until Dawn“, das acht Jugendliche in einer einsamen Berghütte im Wald eine Horrorgeschichte erleben lässt, versucht, Spielsituation und filmisches Erzählen zu vereinen. Screenshots: Sony

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Spieler schlurfen in der Rolle wechselnder Teenager durch Hausflure, Höhlen und tiefen Schnee. Nur gelegentlich dürfen sie Truhen und Türen öffnen. In dramatischen Momenten schrumpft die Interaktion auf kleine Reaktionstests zusammen: Schnell den richtigen Knopf drücken, um doch noch einen Halt zu finden. Nur in vereinzelten Entweder-oder-Entscheidungen steckt ein Körnchen Handlungsfreiheit.

Zehn Stunden Überlänge: Was kann die Story?

Die dürren Handlungsmöglichkeiten und Reaktionstests passen zum Genre. „Until Dawn“ lässt das Belohnungszentrum des Spielergehirns hungern. Aber es füttert die Fantasie, auch wenn die Geschichte voller Klischees steckt. Acht Teenager, gespielt unter anderem von „Heroes“-Star und Wladimir-Klitschko-Freundin Hayden Panettiere, treffen sich in einem eingeschneiten Ferienhaus im dichten Wald. Schnell ahnen sie, dass sie nicht allein sind.

Auch, wenn die Story ein paar Wendungen bereit hält: „Until Dawn“ ist reiner B-Movie-Stoff. Hier oder da mögen sich Horror-Fans erschrecken, aber Albträume bekommen sie von dem zitatfreudigen Gruselkabinett eher nicht. Das mag auch an der Länge liegen. „Bis zur Morgendämmerung“ lautet der Titel übersetzt, und ein Durchlauf des Spiels nimmt locker zehn Stunden in Anspruch. Das ist zu lang für einen Spannungsbogen. Also orientiert sich „Until Dawn“ an TV-Serien mit Episoden, Szenenwechseln und regelmäßigen Zusammenfassungen. Spieler bekommen immer wieder Gelegenheit zum Durchatmen. Und bei aller Neugier auf die Fortsetzung ist die Geschichte am stärksten, wenn man nicht zu viel auf einmal spielt. Nach ein paar Stunden am Controller nutzen sich die vielen kleinen Schockeffekte und Reaktionstests ab.

Der Schmetterlings-Effekt: Was entscheiden die Spieler?

Die Nähe zu Film und Fernsehen hat System. Das Skript haben erfahrene Drehbuchautoren geschrieben. Echte Schauspieler haben die Vorlage für die digitalen Teenager geliefert. Und die Kamera schaut nur selten wie sonst üblich über die Schulter der Helden. Meist findet sie dramatische, aber unpraktische Perspektiven.

Den großen Unterschied zum Film macht der „Schmetterlings-Effekt“. Man kennt das Bild aus der Chaos-Theorie: Jeder Flügelschlag eines Schmetterlings kann ungeahnte Auswirkungen haben und auf der anderen Seite der Erde ein Unwetter auslösen. Statt zu flattern, müssen Spieler immer wieder Entscheidungen fällen. Oft ist eine der beiden riskant oder frech, die andere sicher oder freundlich. Manche aber sind wie Münzwürfe. Man kann nicht erraten, was eher zum Glück führt. Und das soll man wohl auch nicht. Darum geht es ja bei einer Horror-Geschichte: den Spieler im Unklaren zu lassen. Wer normalerweise spielt, um Trophäen zu jagen und Erfolge zu erleben, der wird hier frustriert werden. Und einige der dümmsten Entscheidungen fällen die Teenies auch noch ganz ohne Zutun. Da hat man sie sicher aus der Gefahr heraus manövriert, nur damit sie in einer Zwischensequenz gleich wieder hineinschlittern.

Bekannte Schauspieler wie Hayden Panettiere spielen die Hauptrollen in „Until Dawn“.

Quelle: Sony

Das sollten Eltern über „Until Dawn“ wissen

Ein Spiel wie ein Horrorfilm, freigegeben ab 18: Das ist schlicht nichts für Kinder. Zwar sind Spieler bei „Until Dawn“ längst nicht so gewalttätig wie in einem handelsüblichen Shooter, aber dafür werden sie fast die ganze Zeit von furchteinflößenden, nebulösen Gegnern gejagt. Und die Gewaltdarstellungen könnten nicht expliziter sein: Die Kamera schaut mitleidlos zu, wenn ein Held auf grausame Art stirbt. Und der Held bleibt tot, die Geschichte läuft ohne ihn weiter. Kinder und auch Jugendliche könnten Alpträume von „Until Dawn“ bekommen. Selbst Erwachsene sollten es nur spielen, wenn sie Horror auch in anderen Medien mögen.

Krimis und Komödien: Ist „Until Dawn“ der Anfang einer Welle?

Vielen Spielern könnte diese Winternacht neu und ungewohnt vorkommen. Aber treue Playstation-Fans werden sich bei „Until Dawn“ immer wieder an ein Spiel erinnern: „Heavy Rain“. Der Thriller erschien 2010 für die Playstation 3 und versuchte auf sehr ähnliche Art, Spiele und filmisches Erzählen zu vereinen. Aber während sich „Heavy Rain“ sich noch furchtbar ernst nahm und eine eher verworrene Kidnapping-Geschichte erzählte, ist „Until Dawn“ klarer und lockerer.

Aber „Heavy Rain“ ist auch fünf Jahre her. Genug Zeit, aus den Fehlern zu lernen. Den Spuren des Pioniers folgt ein ganzer Trupp neuer, erzählerischer Spiele. Vor allem kleinere Studios haben gezeigt, dass man viele verschiedene Genres in solchen Film-Spielen umsetzen kann. Videospiele zu „The Walking Dead“ und „Game of Thrones“ erscheinen als Download-Episoden und feiern damit großen Erfolg. Und die Formel funktioniert auch für Genres, in denen gar kein Blut spritzt. Das Mystery-Spiel „Life Is Strange“ tritt gerade den Beweis an: Ein Teenager-Mädchen entdeckt in der laufenden Serie ihre übernatürlichen Kräfte.

Schulterblick: Nur ganz selten darf man den Helden so übersichtlich über die Schulter schauen wie hier.

Quelle: Sony

Spannung statt Spiel – unser Fazit:

Macht „Until Dawn“ alles richtig? Darüber kann man streiten. Denn es ist kein Spiel für jedermann. In den Augen einiger Puristen wird es nicht einmal ein Spiel sein. Man braucht keine nennenswerten Fähigkeiten, man kann über weite Strecken die Hände ganz vom Gamepad nehmen. Der Fokus liegt eben auf der interaktiven Erzählung. Deswegen gibt es seinen Spielern nur zögerlich Kontrolle und dosiert diese über das Geschehen.

„Until Dawn“ erklärt die Entscheidungen des Spielers zum eigentlichen Spiel. Damit ist es auch für Leute zugänglich, die nicht auf Anhieb wissen, wo sich der R2-Knopf auf dem Playstation-Controller befindet. Es ist nicht der erste Titel, der das macht. Aber es ist der aktuell am besten produzierte. Das Drehbuch ist gemessen an anderen Spielen sehr originell – gegen die Plot-Ideen aktueller TV-Serien fällt der Vergleich deutlich ungünstiger aus. Große Filmkunst bietet dieser Kurztrip nicht. Aber gute Unterhaltung für erwachsene Horror-Fans.

Jan Bojaryn

Wertung und Eckdaten

Wertung: 4,5 von 5 Punkten

Genre: Horrorfilm-Adventure
Erscheinungsdatum: 26. August 2015
Plattform: Playstation 4
Preis: 70 Euro
Jugendfreigabe: ab 18 Jahren
Entwickler: Supermassive Games
Publisher: Sony
Website: www.playstation.com/de-de/games/until-dawn-ps4/

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