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"No Man's Sky" schickt Gamer auf eine unendliche Reise durchs All

Ganzes Universum in einem Spiel "No Man's Sky" schickt Gamer auf eine unendliche Reise durchs All

Wäre es möglich, ein gesamtes Universum per Zufall zu bestimmen? Ein kleines Entwicklerteam wagt den wahnsinnigen Versuch. Und liefert mit "No Man's Sky" eines der am heißesten ersehnten Spiele des Jahres ab.

Unterwegs in fremden Welten: "No Man's Sky" nimmt Spieler mit auf eine nahezu unendliche Reise durch die Galaxis.

Quelle: Sony

Wenn der Allmächtige kniffelt, wird es kompliziert. Aus seinem Becher purzeln nicht etwa fünf Würfel, sondern 18 Trillionen Planeten, alle unterschiedlich, viele davon bevölkert mit pflanzlichem und tierischem Leben. Dieses Universum ist die Spielwelt des Weltraum-Abenteuers „No Man's Sky“ .

Spieler starten mit einem kleinen Raumschiff am Rand der Galaxie und müssen das Zentrum erreichen. Um je dort anzukommen, müssen sie immer neue Planeten entdecken. Diese erkunden sie zu Fuß, sie ernten Ressourcen, basteln Ausrüstung, handeln mit Außenposten und kämpfen. Jeder Spieler wird etwas anderes entdecken, jeder einen anderen Weg zurücklegen. Selbst, wenn das Spiel ein Hit wird, werden Menschen immer nur einen Bruchteil dieses Universums auskundschaften können. Es ist einfach zu groß.

Der Maßstab dieses Projektes ist beeindruckend, erst recht, wenn man sich die Macher anschaut. Kein modernes Großstudio mit hunderten Angestellten stemmt „No Man's Sky“, sondern Hello Games, ein englischer Entwickler von der Größe einer Fußballmannschaft. Der machte bislang nur mit „Joe Danger“, einem Motorrad-Stuntman-Spiel, auf sich aufmerksam und verlor am Weihnachten 2013 seine kompletten Büroräume, als das Studio in Guildford bei einer Flut überschwemmt wurde.

Per Algorithmus durch die Galaxis

„No Man's Sky“ ist zu groß, um jeden Planeten einzeln zu gestalten. Der Schlüssel liegt in Algorithmen – also in mathematischen Formeln. Hintergrundmusik, Gebirge, Aliens, komplette Ökosysteme werden immer wieder neu zusammengesetzt wie Legosteine. Die Elemente der Welt werden tatsächlich detailliert gestaltet. Und die Regeln, nach denen sie sich immer wieder neu zusammenfügen. Das klingt nicht nur nach Alchemie, das ist auch hochkomplex. Viele Jahre hat das kleine Team an dem Geniestreich gebrütet.

Das Ergebnis ist umwerfend. Fast immer sieht „No Man's Sky“ aus, wie das Plattencover einer Artrock-Band aus den Siebziger Jahren. Unmöglich große Planeten hängen am Himmel, fremdartige Tiere wackeln, hopsen und rennen über die Oberfläche. Auch die Musik ruft Erinnerungen an diese Zeit wach. Beim Anblick der Sternenkarte klingt es, als atme der Kosmos durch einen Synthesizer. Wenn es brenzlig wird, dann blubbert und hämmert die Musik bedrohlich.

Das Weltraum-Abenteuer „No Man's Sky“ sieht aus, wie Science-Fiction-Poster von vor vierzig Jahren. Starke Farben und altmodische Raumschiffe rufen einen romantischen Traum von der Zukunft wach.

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Aber ist das fertige Spiel nun gute Unterhaltung? Die Frage ist wenige Tage nach Erscheinen schwer zu beantworten. „No Man's Sky“ ist immer wieder anders. Inspiriert ist es von alten Weltraumspielen, etwa der "Elite"-Serie. Aber die Balance aus Entdecken, Überleben, und Reisen hat so noch keiner abgeliefert. Anfangs erinnert es immer wieder an sogenannte Crafting-Spiele wie „Minecraft“. Den frisch gebackenen Astronauten fehlt es an allem. Sie streunen über mehr und weniger lebensfeindliche Planeten, auf der Suche nach Material. Das Raumschiff braucht Sprit, für neue Werkzeuge sind bestimmte Rohstoffe erforderlich.

Vor allem bei längeren Spielsessions und für ungeduldige Spielern ist das ermüdend. Aber wer das lebendige Science-Fiction-Poster vor lauter Sammelei nicht mehr sieht, der spielt einfach das falsche Spiel. Es braucht die Freude an der Entdeckung. Einfach auf fremden Welten zu spazieren und merkwürdigen Lebewesen zu begegnen, ist hier der Selbstzweck. Gerade anfangs stört da der Überlebenskampf eher, wenn Sauerstoff knapp wird oder der Planet seine Besucher tiefgefriert. Und einige Elemente der Welt wiederholen sich zwar nicht ganz genau, aber sie ähneln sich doch sehr; Pflanzen etwa, oder Bauwerke.

Schön ist „No Man's Sky“. Banal und abwechslungsarm sind dagegen die anfänglichen Aufgaben in dieser riesigen Galaxie. Vielleicht kommt da noch mehr auf dem langen Weg in die Mitte. Aber jetzt schon führen die übersteigerten Erwartungen bei vielen Spielern zu einem Kater. „No Man's Sky“ ist nicht das Spiel aller Spiele, also muss es eine Enttäuschung sein, so die simple Logik. Ein ausgewogenes Urteil, befreit vom Hype,  wird man erst nach Monaten fällen können. In den unendlichen Weiten des Weltalls dauert eben manches etwas länger.

Jan Bojaryn

Wertung und Infos

4 von 5 Punkten

Genre: Weltraum-Simulation
Erscheinungsdatum: 10. August 2016
Plattformen: PC, Playstation 4
Preis: 60 bis 70 Euro
Jugendfreigabe: ab 6 Jahren
Entwickler: Hello Games
Publisher: Hello Games / Sony
Website: http://www.no-mans-sky.com

Das sollten Eltern wissen

Die große Reise durch den Weltraum ist ein Traum für viele Kinder. Und Eltern können diesen Traum bedenkenlos wahr machen. Der Titel ist ab sechs Jahren freigegeben. Spieler können gegen außerirdische Kreaturen auch kämpfen, sie können von Aliens gejagt werden und sich Duelle im Weltraum liefern. Aber die Gewalt ist nie besonders explizit. Im Kern des Spiels steht außerdem nicht der Kampf, sondern die Entdeckung. Jüngere Kinder könnten allerdings mit der Komplexität des Spiels ihre Probleme bekommen. Und Eltern mit dem dem hohen Preis.

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