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Rundenweise in den Wahnsinn mit "The Curious Expedition"

LVZ-Gamecheck Rundenweise in den Wahnsinn mit "The Curious Expedition"

Dieser Dschungeltrip wirkt unscheinbar. Aber schon nach wenigen Expeditionen bringen Forscher die irrsten Anekdoten aus der Wildnis mit. In "The Curious Expedition" gehen Spieler mit Stars der Wissenschaft von Darwin bis Tesla auf Abenteuerreise im 19. Jahrhundert. Wir haben das Spiel getestet.

"The Curious Expedition": Ein Abenteuer mit simpler Grafik und aberwitzigen Wendungen.

Quelle: Maschinen-Mensch

Alles begann so vielversprechend. Gleich an Tag elf ihrer Expedition erreichte Marie Curie ein Eingeborenen-Dorf und wurde von freundlichen Spähern begrüßt. Damals ahnte Curie noch nicht, welche Mühen ihr bei ihrer Dschungelexpedition noch bevorstanden.

„The Curious Expedition“ ist ein rundenbasiertes Abenteuer. Im 19. Jahrhundert gehen Stars der Wissenschaft von Darwin bis Tesla auf große Reise. Das Wettrennen um die geheimnisvolle goldene Pyramide erinnert an ein Brettspiel. Die Optik ist hübsch altmodisch. Spieler blicken von oben auf eine grob gerasterte Landkarte und lenken ihren Forscher durch die Wildnis. Um Geschick geht es dabei nie, sondern um Glück und Strategie.

Klick für Klick ins Abenteuer: "The Curious Expedition" entführt Spieler auf eine pixelige Reise ins 19. Jahrhundert. Screenshots: Maschinen-Mensch

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Aus vielen kleinen Entscheidungen stückelt das Spiel aberwitzige Geschichten zusammen: Haben die Forscher sich dem hungrigen Tiger gestellt? Haben sie mit dem zwielichtigen Schamanen gehandelt? Haben sie die goldene Lama-Figur aus dem überwucherten Tempel gestohlen?

Der Zorn der Götter

Madame Curies Pechsträhne beginnt mit einer Fehlentscheidung an Tag 47. Sie stiehlt ebenjenes Lama. Damit weckt sie einen Fluch. „Alles um uns herum verwandelte sich in Wüste“, notiert die Naturwissenschaftlerin. Verzweiflung greift um sich. An Tag 50 gehen sich zwei Expeditionsmitglieder gegenseitig an die Kehle. Kurz darauf gerät das Lagerfeuer außer Kontrolle, Dschungelreste verwandeln sich in ein flammendes Inferno. „Wir suchten das Glück, doch nur Unglück fand uns“, schreibt die unerschrockene Curie an Tag 56.

Der Abstieg geht flott; durch eine Expedition klicken Spieler sich in einer halben Stunde. Sie wählen Punkte auf der Landkarte, fällen Multiple-Choice-Entscheidungen und organisieren ihr kleines Inventar. Im Hintergrund würfelt das Spiel für jeden Schritt die Konsequenzen aus. Nicht die simple Grafik trägt das Abenteuer, sondern die aberwitzigen Wendungen.

Und hier brilliert „The Curious Expedition“. Marie Curies Abenteuer ist noch harmlos. Jede Forscherkarriere besteht aus fünf Reisen, die immer unmöglicher und schriller werden. Kannibalismus, Dimensionsportale, Reit-Saurier – Groschenromane der letzten 150 Jahre wurden für dieses Spiel geplündert. Schon die Energieleiste des Spiels gibt den Ton vor: Nicht Hunger oder Müdigkeit geben den Zustand der Expedition wieder, sondern geistige Gesundheit. Und es macht großen Spaß, sich von diesem Spiel für ein paar Abende verrückt machen zu lassen.

Von Jan Bojaryn

Wertung und Infos

4 von 5 Punkten

Genre: Digitales Einzelspieler-Brettspiel
Erscheinungsdatum: 2. September 2016
Plattformen: PC
Preis: 15 Euro
Jugendfreigabe: k.A.
Entwickler: Maschinen-Mensch
Publisher: Maschinen-Mensch
Website: http://curious-expedition.com

Das sollten Eltern wissen

Kannibalismus, Wahnsinn, Selbstmord – dieses Spiel greift tief in die Gruselkiste. Für kleine Kinder ist es damit eher nicht geeignet. Aber sobald die Kinder Jules Verne lesen können, halten sie auch diesen Titel aus. Zum Einen bleiben die Schrecken hinter grob gerasterten Standbildern verborgen. Zum anderen ist der Ton nie besonders Ernst. Wenn renommierte Wissenschaftler durch Dimensionsportale schreiten und Dino-Eier ausbrüten, wer mag sich dann noch fürchten? Leider ist das Spiel bislang nur auf Englisch verfügbar. Wenn Eltern die recht kurzen Texte übersetzen, eignet sich der Titel aber auch für eine Familien-Spielrunde.

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