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Man soll mal wieder in die MuKo gehen

Musical-Dinner-Show im Leipziger Riverboat Man soll mal wieder in die MuKo gehen

Dinner Shows boomen in Leipzig, drum findet auch das „Musical Dinner“ im Plagwitzer Riverboat mit Halbplayback und Vier-Gang-Menü zu recht fantasievoll kalkulierten Preisen ein Publikum.

Martha Kindermann präsentiert „Cats“

Quelle: Andre Kempner

Leipzig. Nüchtern betrachtet scheint die Selbsteinschätzung doch recht hoch gegriffen: Eine „Musical-Show mit Top-Künstlern“ verspricht vollmundig das Musical-Dinner, mit dem Uwe Oberthürs „Musical mobil“ seit der gut gebuchten Premiere am Donnerstagabend im Plagwitzer Riverboat auf der aktuellen Dinner-Show-Welle mitschwimmt. Denn Top-Künstler, das sind selbst im niedrigschwelligen Musical-Geschäft weder Oberthür selbst, der 1963 in Weimar geborene Moderator, Inhaber und Spiritus rector vom 2006 gegründeten „Musical mobil“ noch seine beiden Mitstreiterinnen Martha Kindermann (Jahrgang 1987) und Maria Hammermann (1989). Letztere geht noch am ehesten als Star durch – schließlich erriet sie im letzten Jahr 125 000 Euro bei Günter Jauch.

Immerhin ist Oberthür eine sauber ausgebildete und oft auch schön klingende Tenor-Stimme zu attestieren, an der indes oben rum die Zeit deutliche Nagespuren hinterlassen hat. Auch Hammermanns Musical-Sopran erkauft sich mit ihrem Hang zum finalen Einheitsvokal ein gerüttelt Maß Wohlklang, und Kindermann wirft ihre Spielwut in den Ring. Und so kann man sich manche der vielen Solos und Duette etwa aus Cabaret und My Fair Lady, aus Die Schöne und das Biest und dem Phantom der Oper, aus Mamma Mia und Der Mann von La Mancha, aus Les Miserables und Elisabeth, gesanglich durchaus anhören – zumal die im Dauereinsatz am Anschlag operierende Hallspirale gnädig über diese oder jene Fragwürdigkeit hinweghilft. Was aber letztlich auch nicht hilft, weil das Halbplayback, von der Technik nicht immer passgenau aus der Soundkarte gewrungen, doch eher nach ambitioniertem Karaoke klingt als nach „Top-Künstlern“. Und wenn das Mikro mal ausfällt ist, der Restbefund sehr, sehr ernüchternd. Viele im Saal werden angesichts dieser musikalischen Qualität Oberthürs offenherzigen Rat, man solle häufiger mal in die MuKo gehen, gern beherzigen.

Nüchtern betrachtet ist es auch mit der Show so weit nicht her. Denn Oberthür, Kinder- und Hammermann chargieren und kalauern sich zwar die Seele aus dem Leib. Aber davon, dass hier die „aufwändigen Kostüme den Genuss für Auge und Ohr“ komplettierten, wie Oberthür im Netz vollmundig verspricht, kann im Ernst auch keine Rede sein. Denn viel zu komplettieren gibt es da bei Lichte besehen nicht auf der rührenden Schultheater-Bühne mit dem roten Vorhang dahinter.

Bliebe das von der Küchen-Crew des Commundo-Tagungshotels („kennt ihr Fach“) beigesteuerte Menü, das bei nüchterner Betrachtung auch nicht dazu angetan ist, die Kalkulation des Abends plausibler zu machen: 69 Euro schlagen da montags, dienstags und mittwochs zu Buche, 79 sind es donnerstags, freitags und samstags. Am Sonntagnachmittag ist man für 49 Euro dabei. Da gibt’s dann kein Vier-Vang-Menü, sondern Kaffee, Kuchen und Sandwiches – vielleicht eine Überlegung wert.

Das Menü nämlich startet mit einer überknofelten Hirtenkäseroulade nebst passablem Früchte-Lindensalat und Salatspitzen, bei denen das Dressing fehlt. Es folgt eine offenkundig liebevoll vom Geschmack Waldpilzessenz mit Steinpilzmaultasche und Tomatenconcassé. Als „Dritter Akt“ vulgo Hauptgang eine Glasierte Roulade vom Kalbsrücken unter der Sprossenhaube auf Graupen-Gemüse-Risotto mit Indischem Gelbwurz, Rotweinjus und dunkler Schokolade. Das Graupen-Risotto geht in Ordnung, die Sprossen stören nicht weiter – und die Roulade präsentiert sich als mechanisch noch sehr wehrhaftes Stück vom toten Kalb in einer Art Fleischkäse-Masse. Und zum Finale überrascht ein sehr erfreuliches Zwetschgen-Zimtragout als Beigabe zur flüssigen (Convenience-?)-Crème-Brûlée.

Dies alles führt in Summe dazu, dass all die, die den Abend nüchtern betrachten, ihrer Begeisterung eher schaumgebremst Ausdruck verleihen. Zur Pause wird hier und da auch Unmut laut. Doch hat auch dieses Musical-Dinner sein Gutes. Die alkoholischen Getränke nämlich sind so fair ausgepreist, dass niemand gezwungen ist, den dreieinhalb sehr lange Stunden dauernden Abend nüchtern zu betrachten.

„Musical Dinner“ im Riverboat (Erich-Zeigner-Allee 45), bis 21. Januar, viele Vorstellungen sind bereits ausverkauft. Karten und Infos: 0341 30295848; www.dinnershow-riverboat.de

Von Peter Korfmacher

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