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Das Los des Alters: Eine Tragikomödie über das Glücksspiel des Lebens

Das Los des Alters: Eine Tragikomödie über das Glücksspiel des Lebens

Mit 70 Jahren, da fängt das Leben an. Das ist die schöne Botschaft der Tragikomödie „Das Gewinnerlos“, die die ARD am Freitagabend zeigt. Und da das Durchschnittsalter der Zuschauer bei den öffentlich-rechtlichen Programmen bei 60 Jahren liegt, werden sich wohl viele von dem Film angesprochen fühlen, ja, ihre dunklen Ängste und Sehnsüchte wiedererkennen – und das auf angenehme, hoffnungsfrohe und nie penetrant belehrende Art.

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(Symbolbild)

Quelle: Jens Kalaene

Leipzig. Aber auch jüngere Zuschauer erfahren in diesem Film nicht nur etwas über die Befindlichkeiten ihrer Eltern oder Großeltern, sondern werden durch ein glänzend aufspielendes Ensemble bestens unterhalten. Im Mittelpunkt dieses Stücks Mutmacher- TVs steht der ehemalige Brückenbauer Georg (Matthias Habich), der allein in seiner alten Villa lebt. Seine geliebte Frau ist zwar schon vor fünf Jahren gestorben, aber für ihn immer noch äußerst präsent. Er spricht und tanzt sogar mit ihr. Und er schläft in seinem Bett mit ihrem Morgenmantel, der nach ihr riecht, weil er ihn nach ihrem Tod nie gewaschen hat.

Das mag vielleicht ein bisschen absonderlich klingen, ist aber vermutlich ganz normal für einen einsamen alten Menschen. Doch leider droht Georg offenbar langsam zu verwahrlosen, und seine Tochter möchte ihn daher am liebsten in einem Altenheim unterbringen. Aber dagegen wehrt er sich mit Händen und Füßen. Und mit seinem alten Gewehr, mit dem er schon einmal auf Makler zielt, die sich für sein Haus interessieren, das er vor Jahren an seine beiden Kinder überschrieben hat. Was er inzwischen zutiefst bedauert. In dieser bedrückenden Situation kommt Georg ein Glücksfall zu Hilfe. Zusammen mit seinem Schwager Heinrich (Peter Franke), der bereits im Altenheim lebt, hat er sechs Richtige im Lotto. Und mit dem erhofften Millionengewinn könnte er sich eine Haushälterin leisten, seine Villa renovieren lassen, und auch seine Tochter hätte dann wohl nichts mehr dagegen, dass er einfach so weiterlebt wie bisher. Doch dazu kommt es nicht.

Der für die Gewinnauszahlung notwendige Beleg ist und bleibt verschwunden. Der Traum vom späten Reichtum zerplatzt. Dumm nur, dass die beiden Alten zuvor ihren Freunden und Bekannten schon von ihrem vermeintlichen Lottogewinn erzählt haben. Da beschließen die zwei schließlich zu schwindeln, also so zu tun, als ob sie tatsächlich Geld gewonnen haben. Und werden dabei tatkräftig unterstützt von ihren Altenheim- Bekannten, allen voran einem schwulen ehemaligen Tanzlehrer (Dieter Mattusch) und der früheren Schauspielerin Sylva (Angela Winkler). Das sich dann entwickelnde amüsante Lügenspiel bringt auf wundersame Weise die Alten zusammen und führt bei ihnen zu einem späten Neubeginn. So bekennt sich Schwager Heinrich endlich zu seiner sein Leben lang verleugneten Homosexualität und gesteht seine Liebe zu dem Tanzlehrer.

Georg verguckt sich langsam, aber am Schluss gewaltig in Sylva. Beide finden einen Weg aus ihrer Einsamkeit. Das klingt vielleicht ein wenig arg konstruiert, wird aber so selbstverständlich von Regisseur Patrick Winczewski und seiner Drehbuchautorin Edda Leesch erzählt, dass die Geschichte stets glaubhaft wirkt. Vor allem macht es Spaß, den tollen Akteuren bei ihrer Arbeit zuzuschauen. Besonders wie Angela Winkler, die viel zu selten im Fernsehen zu sehen ist, und der ewige Eigenbrötler Matthias Habich das schüchterne Liebespaar spielen, wie sie sich anfangs misstrauisch beobachten, mit Gesten und Blicken mehr andeuten als mit Worten, ist ein Genuss. Dabei werden sie sehr gut unterstützt von Peter Franke und Dietrich Mattausch, der den schwulen Tanzlehrer ohne jegliches Klischee verkörpert. Allen vieren gönnt man am Schluss von Herzen das zuckersüße Happy-End.

„Das Gewinnerlos“ | ARD

Tragikomödie mit Angela Winkler

Freitag, 20.15 Uhr

Ernst Corinth

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