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Ende einer Dienstzeit - Horst Krauses letzter Polizeiruf aus Brandenburg

Ende einer Dienstzeit - Horst Krauses letzter Polizeiruf aus Brandenburg

Horst Krause spielt zum letzten Mal den Mann für Recht und Ordnung, er geht dieses Projekt wie immer umweglos barock an, so einen staatstragenden Gestus kennt man ja im 21. Jahrhundert gar nicht mehr. Schmallippig, doch gerne mit Empörung hat er das Gesetz seit je verteidigt.

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Das Ermittlerduo des Brandenburger Polizeirufs löst in "Ikarus" am Sonntag um 20.15 Uhr seinen letzten gemeinsamen Fall in der ARD. Danach geht es ohne Horst Krause weiter.

Quelle: dpa

Leipzig. Krause fühlte sich als Schauspieler am Ende allerdings verkannt – die Rolle seines renitenten Wachtmeisters brauche „mehr Fleisch“, hat er geklagt. Und seine Mitarbeit beendet.

Früher war Horst Krause das mentale Zentrum der Brandenburger „Polizeirufe“. Das ist er längst nicht mehr, spätestens, seit er Maria Simon an der Seite hat, die so facettenreich die Rolle ihrer Kommissarin spielt, dass selbst der laute Krause nur noch braven Dienst nach Vorschrift schiebt. Sie schicken Krause nun als Wachtmeister in Rente. Kein Knalleffekt, kein Tod, den man ihm andichtet. Rente! Für sowas ist der grantige, mitunter großartig genervte Krause eigentlich zu kapriziös.

Es beginnt so malerisch, so unschuldig in dieser Folge mit dem Titel „Ikarus“, wie man das sonst nicht kennt aus „Tatort“ oder „Polizeiruf 110“. Das Milieu des Sendeplatzes gibt sich oft erkennbar zynisch oder künstlich angeheitert – doch Alleen im Gegenlicht, dazu französische Chansons, das wickelt uns dermaßen ein und kündet vom Idyll, dass man fast unwillkürlich hinterm nächsten Baum den Mann mit Hackebeil vermutet. Man kennt die Mechanismen dieser Krimis, je trauter der Ton, desto grässlicher der Mord. Oben dreht ein altes, kleines Flugzeug seine Kreise, setzt zum Looping an, macht Faxen, das wirkt ausgelassen wie bei einem Schmetterling. Bis plötzlich irgendwo ein Mann im Baum hängt. Nicht tot, nicht lebendig, irgendwo dazwischen. Er fiel aus der Maschine.

Krause kennt die Mutter dieses Mannes. War es ein Mordversuch? Klar war es das. Und plötzlich gibt es kein Chanson mehr, nirgendwo eine Allee im Gegenlicht. Nur noch kriminaltechnisches Handwerk. Das zieht sich. Ohne den Charme der Maria Simon, die auch mit einem Mord so elegant und kreativ umgeht, als sei sie in Ballettschuhen dem Täter auf der Spur, müsste man sagen: Ganz schön zäh, die Geschichte, in der sich Regisseur Peter Kahane mehr auf die Atmosphäre als auf die Story verlässt (Drehbuch: Uwe Wilhelm).

Es gibt da eine leichtlebige Frau, die nicht recht weiß, zu welchem Mann sie eigentlich gehört: Krauses Bekannte Catherine (Ursina Lardi) hatte einst in Frankreich zwei Männer kennengelernt, Martin (Martin Feifel) und Peter (Bernhard Schir). Und beide behalten, als Liebhaber. Der eine ist ein Streichler, der andere ein Kerl mit harter Faust. Zusammen gründen diese zwei ein Unternehmen für Solartechnik. Mit Martin hat die freigeistige Dame einen Sohn – den Jungen, der halb tot im Baum hängt.

Doch lässt sich eine Frau tatsächlichen teilen zwischen zwei Verehrern? Hier wird der „Polizeiruf“ zeitweilig moralisch, das ist für eine Kriminalgeschichte nicht der beste Boden. Immer wieder kann der Film mit seinen anmutigen, lyrisch montierten Bildern einen Leerlauf im Erzählfluss auffangen. Denn wo gibt es, jenseits von Brandenburg, noch so Mord-und-Totschlag- Stück vom Lande, in dem die Straßen unbefestigt sind und Spuren des Verdächtigen in Gülle enden?

Horst Krause absolviert den letzten Job mit Anstand, ohne Glamour, ohne Lust auf die finalen Reden und den Umtrunk vor dem Ruhestand. Die Kollegen warten auf der Abschiedsfeier. Krause fragt den Hund: „Sollen wir uns das antun? Nee, was?“ Dann flüchten sie auf Krauses Motorrad. Es riecht nach Gülle, das spürt man selbst am Fernseher. Ein würdevoller Abgang durch die Hintertür.

Lars Grote

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