Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 3 ° stark bewölkt

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Erdöl vor Saßnitz: Zuschauer nach ARD-Doku irritiert

Mockumentary Erdöl vor Saßnitz: Zuschauer nach ARD-Doku irritiert

War die DDR in ihren letzten Tagen einem gigantischen Erdölvorkommen auf der Spur? Eine Dokumentation in der ARD am Mittwochabend beschreibt genau diese Szenerie. Etliche Zuschauer reagierten irritiert.

Merle Weber als Reporterin in der ARD-Mockumentary „Öl – Die Wahrheit über den Untergang der DDR“.
 

Quelle: HR/Niki Stein

Leipzig.  Die Story klingt abenteuerlich. Es geht um Erdöl, Geheimdienste und die DDR. Vor Saßnitz auf der Insel Rügen befindet sich ein gigantisches Ölfeld. Bis heute ist der Bodenschatz nicht gehoben. Die DDR hätte bei einer Förderung fortbestehen können. Stattdessen wurden „17 Millionen Bürger um ihren Wohlstand betrogen“. So beschreibt es eine Dokumentation am Mittwochabend in der ARD. „Öl – Die Wahrheit über den Untergang der DDR“.

Im Mittelpunkt steht die Reporterin Merle Weber. Sie trifft den Informanten Haiko R. Weber behauptet: „Seine Geschichte ist wahr“. Die Verwicklungen werden später immer verworrener. R. outet sich als Spion den Bundesnachrichtendienstes, angeworben von einer Interflug-Stewardess. Ein Potsdamer DDR-Wissenschaftler soll über eine schwedische Firma bis heute versuchen, an das Erdöl zu kommen. Garniert wird die Dokumentation mit Zeitzeugen – Fischern aus Saßnitz und einem Veteranenstammtisch der DDR-Fangflotte.

Verantwortlich für den Streifen zeichnet der Autor und Regisseur Niki Stein, der auch schon mehrere Tatorte, „Rommel“ oder die Komödie „Elternabend“ drehte. Was nicht sofort sichtbar wird: Stein hat mit seiner Öl-Story ein Mockumentary vorgelegt. Dabei handelt es sich um Fiktionen im Stile von Dokumentationen. Dieses Genre hat eine lange Vergangenheit. Orsons Wells Radiosendung „Krieg der Welten“ von 1938 wird ebenso dazu gezählt wie „Borat“, ein Film über einen kasachischen Reporter in den USA.

Reaktionen auf Facebook

Reporterin Weber wird von Katharina Hackhausen, bekannt aus der ARD-Serie „Um Himmels Willen“ dargestellt, den Haiko R. gibt der gebürtige Rostocker Jörg Pose, der zuletzt in der Kurzserie „Blochin“ zu sehen war. Stein schafft eine Illusion, bei der der Zuschauer sich fragt: Stimmt das jetzt wirklich? Etwa, wenn ein Mann aus Saßnitz sich an einen Ölbohrturm vor dem Hafen Mukran erinnert und wie selbstverständlich über Probeförderungen in den späten 1980er Jahren berichtet. Oder, wenn der ehemalige ARD-Korrespondent Horst Hano in Ostberlin sich noch einmal zum Fall der Mauer äußert.

Nicht alle Zuschauer fanden das witzig. Auf der Facebookseite von „DasErste“ kommentierte Bernhard Mayr: „Hab mich von der ARD gerade ganz schön verarschen lassen! Hab erst später in den Film gezippt und hielt es bis zu den letzten 3 Minuten für eine sensationelle Dokumentation!“ Ein anderer Nutzer ergänzte: „Volksverarsche, wenn nicht darauf hingewisen wird, dass es ein SPIELfilm ist! Aber schon die vielen wie nachgestellt wirkenden Szenen und vor allem der Hauptdarsteller machten das Ganze Werk unglaubhaft.“

Christian Bender, Sprecher des für die Produktion zuständigen Hessischen Rundfunks, sieht die Kritik gelassen. „Bis heute Morgen hat unsere Zuschauerredaktion gerade vier E-Mails dazu erhalten. Darin ging es auch nur um Detailfragen“, sagte Bender gegenüber LVZ.de. Dass es sich um eine Fiktion handelte, werde auch durch die Darstellerin der Merle Weber deutlich. „Sie ist schließlich bekannt“, so Bender. Im Film muss Reporterin Weber am Ende untertauchen. „Heute wünschte ich, dass ich diese Fahrt nie angetreten hätte“, sagt sie über ihr Treffen mit Haiko R.

Von Matthias Roth

Saßnitz Rügen 54.515913 13.633192
Saßnitz Rügen
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Medien
  • Schauspiel Leipzig
    Mikrologo Schauspiel Leipzig

    Theater in Leipzig: Höhepunkte, Premieren, Spielplan und Angebote der Spielzeit 2016/2017 im Schauspiel Leipzig mehr

  • Dreamhack Leipzig

    Auf der Dremhack 2017 treten die besten Computerspieler gegeneinander an. mehr

  • Asisi - Welt der Panoramen
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Great Barrier Reef" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zum Great Barrier Reef im Panometer Leipzig und den asisi-Panoramen in Dresden. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

Blättern Sie hier durch die aktuelle Veranstaltungsbeilage "Applaus" und finden Sie Konzerte, Shows, Ausstellungen, Sport-Events und mehr in Leipzig und Umgebung. mehr

Erfahren Sie mehr auf www.leipziger-museen.de

Leipzig gilt als der Geburtsort der modernen Psychologie. Wie früher und heute im Geist geforscht wurde ist vom 14. September bis zum 16. Dezember 2016 in der Ausstellung "Psychologie in Leipzig - Geburt einer Wissenschaft" zu sehen. Besucher können sowohl Beobachter als auch Versuchsperson sein. Unsere Schau des Monats November! mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Onlineabo

    "LVZ-Online Extra" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kö... mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • So war das damals...
    So war das damals...

    Dies ist ein Geschichtenbuch der besonderen Art: Leserinnen und Leser der Leipziger Volkszeitung erzählen Erlebnisse aus ihrer Kindheit und Jugend,... mehr