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Fernsehkoch Henssler über schlechte Restaurants, Bockwürste und Disziplin

„Mein Magen ist abgehärtet“ Fernsehkoch Henssler über schlechte Restaurants, Bockwürste und Disziplin

„Mein Magen ist abgehärtet“ sagt Fernsehkoch Steffen Henssler. Im Interview spricht er über schlechte Restaurants, Bockwürste und Disziplin.

Fernsehkoch Steffen Henssler

Quelle: Archiv

Herr Henssler, Sie sind seit etwa einem Jahr bei RTL als Restauranttester unterwegs. Haben denn alle der von Ihnen beratenen Lokale überlebt?

Ja, bis auf das allererste Lokal, das ich getestet habe. Die italienischen Besitzer haben trotz meiner Hilfe leider nicht verstanden, worauf es ankommt. Bei der Fußball-WM hatten sie zum Beispiel keinen Fernseher auf ihrer wunderbaren Terrasse. Aber sie haben ihren Laden, glaube ich, plus/minus null verkauft, sind also letztlich fein raus.

Jetzt startet eine neue Staffel. Was war das schlimmste Essen, das Ihnen aufgetischt wurde?

Es war diesmal zum Glück nichts dabei, das völlig in die Grütze gegangen ist. In einem Laden in Memmingen gab es zwar nur Tiefkühlprodukte. Aber nach mehr als zehn Folgen ist mein Magen jetzt abgehärtet (lacht). Nach einer Staffel als Restauranttester kann mich nichts mehr schocken.

Haben Sie zur Not eine kleine Flasche mit Verdauungsschnaps bei sich?

Ich habe zwar schon mal darüber nachgedacht, aber da ich nicht so der Schnapstrinker bin, würde mir davon wahrscheinlich erst recht schlecht werden. Also besser nicht.

Woran erkenne ich als Laie, ob ich ein Lokal meiden sollte?

Schwer zu sagen. Es gibt Restaurants, die gut aussehen, aber wehe, man guckt in die Küche. Eine Faustregel ist: Wenn das Restaurant mehr Gerichte als Plätze hat, wird es schwierig. Bei einer Riesenspeisekarte, die von Asiatisch über deutsche Küche bis zu Burgern alles abdeckt, wird wohl kaum alles frisch zubereitet.

Gilt das Motto: Je teurer, desto besser?

Es gibt zwar auch sehr geile Italiener, die Sachen selber machen, die man dann zu einem fairen Preis bekommt. Aber in der gehobenen Gastronomie kann man auf jeden Fall sicher sein, dass die Sachen frisch zubereitet werden.

Gehen Sie selber ins Restaurant, wenn Sie mit Ihrer Bühnenshow auf Tournee sind?

Nein, da haben wir unseren eigenen Koch mit, der für die Crew Frühstück, Mittag- und Abendessen macht. Morgens Joghurt und Müsli, mittags Suppe, abends Fisch oder gefüllte Poulardenbrust. Schließlich sind wir 13 Mann, die hart arbeiten, wir brauchen alle was Vernünftiges zu essen, damit wir volle Leistung bringen können.

Viele Fernsehköche sind ja etwas fülliger um die Hüften, Sie dagegen nicht. Wie kommt‘s?

Es ist eine Disziplinfrage. Wenn um zehn Uhr abends der kleine Hunger kommt und ich in meinem eigenen Laden bin, dann liegt da natürlich viel leckeres Zeug rum. Da muss man schon aufpassen. Aber ich versuche, auf meinen Körper zu achten, ich mache Sport und ernähre mich gesund. Viele Leute wundern sich, dass sie immer krank sind – aber wenn man schlechtes Essen zu sich nimmt, stresst das unser Immunsystem. Ich bin selten erkältet, das führe ich auch aufs bewusste Essen zurück.

Essen Sie denn nie mal eine Bratwurst an der Imbissbude?

Doch, jeder hat schließlich mal Lust auf eine Wurst. Ich mag aber lieber Bockwurst oder mal einen Burger. Das muss einfach sein.

Für RTL checken Sie schlechte Restaurants. Gibt es auch schlechte Gäste?

Im Prinzip hat der Gast immer recht. Aber es kommen viele Gäste mit einer bestimmten Haltung zu mir, die denken: „Wir kennen den Henssler aus dem Fernsehen, jetzt wollen wir mal schauen, was er wirklich auf der Pfanne hat.“ Die sind dann sehr kritisch und nörgelig.

Die suchen dann gezielt das Haar in der Suppe?

Ja, statt sich einfach zu sagen: „Jetzt gibt’s lecker Essen, ich bin entspannt.“ Dieses Negative ist so eine deutsche Eigenart: Wenn jemand zehn Gänge gegessen
hat und neun waren toll, dann erzählt er hinterher nur von dem einen Gang, den er nicht so toll fand. Und wenn der Kellner fragt, ob alles in Ordnung war, dann heißt es, das Fleisch war zu salzig und das Gemüse hat nicht geschmeckt – aber der Teller ist leer gegessen. Das finde ich schwierig. Wenn man aber so wie ich zwei Restaurants hat und in den Medien präsent ist, kriegt man irgendwann ein dickes Fell.

Sie sind zurzeit in der Tat in den Medien sehr präsent, unter anderem mit Ihren Fernsehsendungen und einem Werbespot für einen Supermarkt. Was kommt als Nächstes?

Im Herbst eröffne ich in Hamburg eine Kochschule, im September kommt ein neues Kochbuch mit Rezepten aus der Sendung „Grill den Henssler“ raus. Und ich werde ein neues Format drehen, da will ich aber nicht mehr verraten.

Angeblich ist eine eigene Late-Night-Show Ihr großer Traum. Wollen Sie etwa ein zweiter Harald Schmidt werden?

Ich maße mir nicht an, mich mit Harald Schmidt zu vergleichen. Ich finde Late-Night toll, aber ich lasse mir noch etwas Zeit. Die Leute wollen mich jetzt kochen
sehen, und wenn ich ein paar Jahre älter bin, dann gucken wir mal.

Interview: Cornelia Wystrichowski

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