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Frauen gegen Frauen

Hart aber Fair Frauen gegen Frauen

Gendertalk bei Plasberg: Auch bei der Neuauflage reden die Gäste aneinander vorbei. Erst kurz vor Ende der Talkshow wurde offensichtlich, weshalb der WDR das Thema Gleichberechtigung zu Recht noch einmal aufgegriffen hatte.

Gruppentherapie ohne Ergebnis: Moderator Frank Plasberg (3. v. r) und seine Gäste, Sybille Mattfeldt-Kloth vom Landesfrauenrat Niedersachsen, Bloggerin Anne Wizorek, Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter, Schauspielerin Sophia Thomalla, FDP-Vizechef Wolfgang Kubicki und Autorin Birgit Kelle (von links nach rechts).

Quelle: dpa

Leipzig. Erst kurz vor Ende der Talkshow wurde offensichtlich, weshalb der WDR das Thema Gleichberechtigung zu Recht noch einmal aufgegriffen hatte. Das lag an einem kurzen Film, den Moderator Frank Plasberg einspielte. Journalisten des Westdeutschen Rundfunks hatten dafür Paare in einer Fußgängerzone angesprochen und sie danach befragt, wie viel Hausarbeit der Mann übernimmt. Das Ergebnis war ernüchternd. Jedes Mal machte der Mann so gut wie nichts, abgesehen vom Müll hinausbringen. Abwaschen, Bügeln und Staubsaugen erledigte die Frau. „Es hat sich bisher nicht ergeben“, sagte ein Mann zur Begründung. „Mir fehlt das Talent im Haushalt“, sagte ein anderer. „Meine Frau sieht einfach mehr, und deshalb putzt sie“, meinte ein Dritter.

Es gibt also ausreichend Gesprächsbedarf zum Thema Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Erst recht, wenn es um die Besetzung von Führungspositionen in der Wirtschaft und der Politik oder um die Frage der Bezahlung geht. Über all diese Aspekte hätten Plasbergs Gäste also diskutieren können. Stattdessen redeten sie aufeinander ein und aneinander vorbei. Dabei teilten sie sich in zwei Lager, aber nicht etwa in Frauen auf der einen und Männer auf der anderen Seite, sondern in Befürworter und Gegner von Gender Mainstreaming.

Vor einigen Monaten hatte Plasberg schon einmal eine Talkrunde über das Thema diskutieren lassen – mit fast denselben Gästen wie am Montagabend. Er und der WDR waren anschließend dafür kritisiert worden. Die Gäste seien falsch ausgewählt, das Thema nicht ernsthaft genug behandelt worden. Am Montagabend gab Plasberg zu: Er und die Redaktion hätten „noch nie eine Sendung so verhauen“ wie jene vom 2. März.

Dieses Mal machten sie es aber auch nicht besser. Die Autorin Anne Wizorek kritisierte etwa zu Recht, dass in der Sendung über Genderforschung gesprochen werde, aber keine Genderforscherin eingeladen worden sei. Diese hätte erklären können, welche Funktion ihr Fach hat. Stattdessen übernahm diese Aufgabe Anton Hofreiter, und der Fraktionschef der Grünen im Bundestag zählte als Errungenschaften von Gender Mainstreaming unter anderem auf: Schutzhelme, ein künstliches Knie und Parkplätze für Frauen. Man hätte wahrscheinlich noch weitere Beispiele nennen können. Die Genderforschung wäre dann in einem anderen, besseren Licht erschienen. Allerdings hätten sich ihre Gegner wahrscheinlich auch dann nicht überzeugen lassen. Das wurde in der Sendung immerhin deutlich: Über das Thema Gleichberechtigung streiten Frauen nicht nur mit Männern, sondern auch mit Frauen. Die Ansichten von Autorin Anne Wizorek (Initiatorin des Hashtags #aufschrei) und der Publizistin Birgit Kelle (Autorin des Buches „Gendergaga“) sind zumindest unvereinbar. Kelle warf Wizorek militanten Feminismus vor, während diese der anderen alte Rollenbilder unterstellte.

Der WDR könnte dieselbe Talk-Runde also noch oft einladen, und trotzdem würde die Diskussion mit keinem anderen Ergebnis enden. Warum hat der Sender es trotzdem ein zweites Mal gemacht? Weil dem WDR, nachdem er die Aufzeichnung aus der Mediathek entfernt hatte, Zensur vorgeworfen wurde. Daraufhin wurde die Sendung wieder hineingestellt. Souveränes Verhalten sieht anders aus. Trotzdem wehrte sich WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn in der Sendung gegen den Eindruck, der Westdeutsche Rundfunk habe auf öffentlichen Druck reagiert. „Wir sind unabhängig.“ Und genau deshalb habe der WDR die Sendung wieder in die Mediathek genommen. Überzeugend klang das nicht. „Es hatte einen albernen Touch“, sagte Hofreiter. Zumal jeder die Sendung weiter sehen konnte – über Youtube, wie Sybille Mattfeldt-Kloth zu bedenken gab. Sie ist die stellvertretende Vorsitzende des Landesfrauenrats Niedersachsen, ihr Verband hatte die Kritik an der ersten Sendung angestoßen. Der Gleichheitsgrundsatz sei verletzt worden, beklagte Mattfeldt-Kloth. Das wiederum verstand Kelle nicht. Wie könne ein Geschlecht benachteiligt worden sein, wenn die erste Talk-Runde aus drei Frauen und zwei Männern bestanden habe? Die Kritiker der Sendung dürften nur nicht erwarten, dass die Frauen dieselbe Meinung wie sie hätten. Das ist vielleicht das eigentliche Problem.

Von Markus Werning

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