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Im Münchner „Tatort“ geht es heiter weiter

Fernsehen Im Münchner „Tatort“ geht es heiter weiter

Nah dem grottenfinsteren vorherigen Fall geht es im Münchner „Tatort: Die Liebe, ein seltsames Spiel“ (Sonntag, 21. Mai, 20.15 Uhr, ARD) vergleichsweise amüsant weiter. Die Geliebten eines stadtbekannten Casanovas sterben. Und die Ermittler leben in ihrem eigenen Liebesleben Frust und Lust aus. Rainer Kaufmann hat einen Wohlfühlkrimi inszeniert.

Fünf Geliebte: Heike Gonzor (Anastasia Papadopoulou) klärt Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Batic (Miroslav Nemec, l.) über Jakobis fröhlich-exzessives Liebesleben auf.

Quelle: ARD

München. Das war ja eigentlich klar. Nach ihrem letzten Fall, „Der Tod ist unser ganzes Leben“, der gerade erst Ende April gesendet worden ist, hat es die Münchner Kommissare, Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Ivo Batic (Miroslav Nemec), böse erwischt. Wegen schwerer Dienstverstöße ist Batic zum Streifendienst verdonnert worden, findet sich Leitmayr als Hilfsassistent ins Polizeiarchiv versetzt, wo er nun unter neuer Leitung des jungen Hauptkommissars Kalli (Ferdinand Hofer) Akten sortieren muss. Müsste.

Unselige Geschehnisse werden ignoriert

Doch in München ticken die Uhren zumindest in TV-Redaktionen offenbar anders und die Verantwortlichen dieser Krimi-Reihe handeln nach dem Motto: Was kümmert uns das Geschwätz vom letzten Fall. Die unseligen Geschehnisse werden in der neuen Story namens „Die Liebe, ein seltsames Spiel“ ignoriert.

Dieser Anfall von redaktioneller TV-Amnesie verstört schon ein wenig, besonders weil der neueste Fall nach den düsteren Geschehnissen vor knapp einem Monat so heiter und unbeschwert daherkommt. Auch der Auftritt von Juliane Köhler, die sonst bei den Kölner Kollegen die Freundin (und Psychologin) von Max Ballauf spielt und nun plötzlich hier als Münchner Hausärztin und Geliebte des Hauptverdächtigen auftaucht, irritiert – vor allem Zuschauer, die in dem kleinen „Tatort“-Kosmos richtig gut zuhause sind.

Hologramm für die Geliebten

Inszeniert hat den Film der mehrfach preisgekrönte Regie-Routinier Rainer Kaufmann, der aus einer simplen Whodunit-Geschichte einen bis zum Schuss unterhaltsamen Beitrag gestrickt hat. Auch wenn die Auflösung am Ende doch arg an den Haaren herbeigezogen wirkt. Aber einer muss ja schließlich der Mörder sein, und dann nimmt man notfalls auch den Gärtner. Erzählt wird augenzwinkernd nach einem Drehbuch von Katrin Bühlig ein wahrer Liebesreigen, in dessen Mittelpunkt der Architekt Thomas Jacobi (Martin Feifel) steht. Dieser Möchtegern-Casanova ist in Sachen Amore genauso erfolgreich wie in seinem Beruf. Und dabei natürlich auch fürchterlich eitel. Fünf Geliebte hat er gleichzeitig, und bei jeder von ihnen steht daheim eine komisch hässliche Glasplastik, die ihn als Hologramm in voller Schönheit zeigt. Eine tolle Geschenkidee! Nun wird gleich zu Anfang erst eine seiner Frauen ermordet, vermutlich nach einem Streit mit ihm. Und aus nachvollziehbaren Gründen fällt der Verdacht sofort auf Jacobi. Doch er hat ein Alibi, das er einer seiner Gespielinnen verdankt.

Silberlocken kokettieren mit dem Alter

Als dann auch diese Frau ermordet in ihrer Wohnung aufgefunden wird, spricht wieder alles gegen Jacobi. Aber auch diesmal gibt ihm eine Frau ein Alibi, und so könnte es eigentlich mörderisch heiter weitergehen, bis auch die letzte seiner Geliebten telegen ins Gras beißt. Doch der Zuschauer, der Krimis mag, weiß natürlich längst, dass Jacobi nicht der Mörder sein kann – viel zu verdächtig.

Richtig spannend ist das zwar nicht, dafür amüsant. Auch die Polizisten thematisieren dabei ironisch ihr eigenes Liebesleben. Batic hat gar eine Affäre mit einer verheirateten Frau, während sein Kollege unter seinem Single-Dasein leidet. Auch mit ihrem Alter kokettieren diese beiden Silberlocken auf unterhaltsame Weise. Und so wird in diesem verspielt daherkommenden Film schön gelästert, man neckt sich und Jung-Assistent Kalli versucht gar, seine Mutter mit Leitmayr zu verkuppeln. Kurzum: ein Wohlfühl-Krimi der heiteren Art, was ja zwischendurch auch mal ganz nett ist.

Von Ernst Corinth / RND

München 48.1351253 11.5819806
München
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