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In „Am Ende des Sommers“ entlarvt ein Sohn die Lebenslüge seiner Mutter

In „Am Ende des Sommers“ entlarvt ein Sohn die Lebenslüge seiner Mutter

Ben (Thomas Schubert) ist mit sich und der Welt im Reinen. Gerade hat er mit exzellenten Noten sein Abitur gemacht. Seine sanfte, stille Mutter, die alleinerziehende Sylvia (Julia Koschitz), ist richtig stolz auf ihren „Großen“.

Hannover. Bei einem Ferienjob lernt er ein hübsches Mädchen (Alina Fritsch) kennen und wird von der Familie der jungen Frau sofort liebevoll aufgenommen. Und nach dem Sommer will er dann studieren, vermutlich irgendetwas mit Musik.

Solch ein unbeschwertes Kleinfamilienidyll, das im ersten Drittel dieser deutsch-österreichischen Koproduktion zudem ungewöhnlich ausführlich und warmherzig geschildert wird, macht natürlich misstrauisch. Vor allem, weil es gleich zu Anfang Anzeichen und kleine Hinweise gibt, dass mit dieser heilen Welt irgendetwas nicht stimmt.

Als Zuschauer wartet man tatsächlich zunehmend gespannt auf den Moment, wo das angebliche Idyll erste Brüche bekommt. Das geschieht dann auch recht bald, und schuld ist ein dummer Zufall: Im Müll findet Ben die eilig von Sylvia weggeworfene Todesanzeige ihres Vaters. Der Junge stellt – vielleicht ein wenig arg harsch – daraufhin seine Mutter zur Rede. Und das Drama „Am Ende des Sommers“ braucht dann noch einige verzwickte Umwege, bis der junge Mann die volle Wahrheit erfährt: Die ihm von Sylvia erzählte Geschichte, dass sie als 16-Jährige bei einem Interrail- Trip nach Florenz eine Affäre mit einem hübschen Unbekannten hatte und dass dieser geheimnisvolle Lover sein Vater sei, ist eine Lüge.

In Wirklichkeit wurde sie damals vergewaltigt, der Täter dann zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Und ihre Entscheidung, das Kind zu behalten, hat zum Bruch mit ihrer Familie, vor allem ihrem Vater geführt, der ihr die Vergewaltigung zudem nicht geglaubt hat. Anschließend hat Sylvia mit ihrem Sohn ein neues Leben in Wien begonnen, hat ihre schmerzhafte Geschichte aus Schutz für sich und ihren Jungen neu erfunden.

Eine verständliche Reaktion, die auch der Zuschauer gut nachvollziehen kann. Im Unterschied zu Ben, der auf die Lüge seiner Mutter empört mit Vorwürfen reagiert. Was man ihm angesichts der engen und harmonischen Beziehung, die er bis dahin zu ihr gehabt hat, allerdings leider nicht so recht abnimmt. Und in einer Parallelhandlung sieht man dann, dass diese Sylvia auch noch ganz andere Probleme hat – mit einem neuen Partner, auf den sie sich nicht richtig einzulassen traut.

Doch vor allem konzentriert sich Regisseur Nikolaus Leytner im weiteren Verlauf auf Ben, der zornig aufbricht, um seinen Vater zu suchen. Ohne dass er weiß, was er eigentlich von ihm will. Und entsprechend groß ist dann auch die Enttäuschung, als er ihn schließlich findet. Das alles klingt spektakulärer, als es dann in Wirklichkeit ist.

Auf große Sentimentalitäten hat der Regisseur zum Glück fast völlig verzichtet, hat dagegen die Story nach einem Drehbuch von Agnes Pluch überraschend leicht und locker erzählt. Obwohl oder vielleicht gerade weil es in ihr um so diffizile Dinge wie Verdrängen, das Recht auf Wahrheit, aber auch das Recht auf Lüge geht. Und vor allem schafft es das gute Ensemble um Julia Koschitz und das junge Talent Thomas Schubert, diese kompliziert menschliche Geschichte bei all ihren seelischen Abgründen dann auch tatsächlich glaubhaft auf den Bildschirm zu bringen.

Ernst Corinth

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