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Mörderstudien, Lektion Eins

Fernsehen Mörderstudien, Lektion Eins

Krimi- und Anwaltsserien funktionieren nach einem einfachen Muster: Ermittler klären einen Mord auf, Anwälte versuchen, den Schuldigen zu überführen. Die Serie „How to Get Away with Murder“ jedoch tickt ganz anders: Hier strampelt sich ein hoch motiviertes Team aus Jurastudenten ab, um ein Verbrechen zu vertuschen.

Die Serie „How to Get Away with Murder“ stellt die Krimidramaturgie auf den Kopf (Symbolbild)

Quelle: LVZ-Archiv

Leipzig. Die Serie „How to Get Away with Murder“ stellt die Krimidramaturgie auf den Kopf. Vox zeigt die ABC-Serie aus den USA hierzulande als Free-TV-Premiere ab heute immer mittwochs in Doppelfolgen zur besten Sendezeit.

Die Staranwältin und Professorin Annalise Keating (Viola Davis) nutzt jede Gesetzeslücke, erpresst Kollegen und bringt auch schon mal den eigenen Liebhaber in die Bedrouille, um vor Gericht zu gewinnen. Die Manipulation von Beweisen und Geschworenen ist ihr Fachgebiet. Um Wahrheit oder gar Moral geht es hier nicht, deshalb nennt Keating ihre Uni-Kurse auch „Wie man mit Mord davonkommt“, die deutsche Übersetzung des Serientitels. Justitia ist in diesen Mörderstudien nur eine goldfarbene Trophäe, die sich der Student verdient, der die besten Hinweise zur Lösung des aktuellen Falles gibt. Wobei die Lösung so aussieht, dass ein Straftäter ungeschoren davonkommt.

Unter den Studenten sind Alfred Enoch, bekannt als eher unscheinbarer Mitschüler aus den „Harry-Potter“-Filmen, und Matt McGorry, der in den ersten Staffeln der Gefängnis- Serie „Orange Is the New Black“ einen Polizisten spielte, der eine Insassin schwängert. Enoch verliebt sich in der aktuellen Serie in seine Punk-Nachbarin, befürchtet aber, dass sie ein dunkles Geheimnis verbirgt. McGorry mimt einen Yuppie, der die Kontakte seines reichen Vaters für seine Karriere nutzt. Das Studententeam komplettieren der attraktive Connor Walsh (Jack Falahee), der Männer verführt, um an Informationen zu kommen, die kühle Laurel Castillo (Karla Souza) und die strebsame Michaela Pratt (Aja Naomi King). Schon in der ersten Folge wird verraten, dass die angehenden Juristen selbst einen Mord zu verbergen haben. In Rückblenden offenbaren sich immer mehr Details, sodass der Zuschauer geneigt ist, die 15 Episoden der ersten Staffel am Stück anzuschauen. Dazu trägt maßgeblich das herausragende Spiel von Viola Davis bei, die für die Rolle für den Golden Globe nominiert wurde. Sie ist toughe Anwältin und gebrochene Frau zugleich: Ihr Mann ging mit einem späteren Mordopfer fremd. Es macht Vergnügen, der Fassade der Starjuristin beim Bröckeln zuzusehen.

„How to Get Away with Murder“ ist eine Mischung aus „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“, „Ally McBeal“ und „Dexter“. Die Serie spielt geschickt mit Genrestandards und konterkariert die altbekannte Krimidramaturgie. Ab der zweiten Staffel jedoch, die im US-Fernsehen bereits zu sehen war, werden die Spannungsbögen zu groß, die Motive zu konfus und die überraschenden Wendungen hanebüchen. Diese Seifenopernelemente überraschen angesichts der Produzentin Shonda Rhimes allerdings wenig: Sie steckt auch hinter der Arztserie „Grey’s Anatomy“.

Nina May

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