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So reagieren türkische Medien auf den Streit mit Holland

Hürriyet, Sözcü, Sabah So reagieren türkische Medien auf den Streit mit Holland

Die Reaktionen der türkischen Medien auf die Krise zwischen der Türkei und den Niederlanden sind wie zu erwarten gespalten. Aber auch die regierungskritischen Zeitungen glauben, dass Erdogans Regierung von dem Streit profitieren wird.

Die türkische Medien reagieren gespalten auf die Auseinandersetzung ihres Landes mit Europa.

Quelle: dpa

Istanbul. Die Reaktionen der türkischen Medien auf die Krise zwischen der Türkei und den Niederlanden sind wie zu erwarten gespalten. Während der Großteil der Presselandschaft einen strikten Loyalitätskurs gegenüber Erdogan und seiner Partei fährt, lässt die kritische Medienlandschaft kein gutes Haar an den Ministern der AKP. Was beide eint, ist der Bogen zur Volksbefragung am 16. April. Während die regierungsnahen Medien das Referendum als einen Tag der Vergeltung sehen, sehen regierungskritische Journalisten im Referendum die Ursache für die derzeitige Krisensituation.

Hürriyet, Online

Die Tageszeitung Hürriyet und ihre Online-Redaktion berichtet über die Demonstrationen in Europa, die sich gegen die Vorgehensweise der Niederlande richten.

Ein politischer Kolumnist schreibt, dass wenn in den Niederlanden keine Wahl, in der Türkei kein Referendum anstehen würden, keine solche Krise entstanden wäre. Um endlich den erwarteten Schub an Ja-Abstimmern zu bekommen, habe es einer Opferposition und eines Skandals gebraucht. Dieses Szenario habe sich durch das „unverschämte und respektlose Verhalten“ der Niederlande nun in einer solchen Wucht realisiert, dass „die Ja-Stimmen nur so herabregnen“ würden. Mark Rutte habe sich „faschistischer Methoden“ bedienen müssen, so der Journalist, um den „Oberfaschisten“ Geert Wilders im Zaun zu halten.

In einem anderen Kommentar zitiert der Redakteur die Frage des türkischen Außenministers Mevlüt Çavuşoğlu an die niederländische Regierung: „War es das wert, nur wegen anstehenden Wahlen ein solche Eskalation zu suchen?“ Dieselbe Frage stellt der Redakteur an die türkische Regierung mit dem Hinweis, dass die Türkei sich in ihrer gesamten Geschichte noch nie in einer ähnlichen diplomatischen Krisensituation befunden habe.

Sözcü, Online

Die Sözcü-Redaktion stellt sich die Frage, warum überhaupt Regierungsmitglieder in den Niederlanden auftreten wollten, hatte Ministerpräsident Bilani Yildirim doch noch am 6. März in einer Fernsehsendung gesagt: „Ähnlich wie in Deutschland haben wir auch in den Niederlanden Probleme, Veranstaltungen zu organisieren. Wir glauben, dass das mit den Wahlen in Holland am 14. März zusammenhängt. Zwischen der derzeitigen Regierungspartei und dem Extremisten Wilders wird es eng, deswegen ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir vor dem 14. eine Veranstaltung dort planen können gering. Ich glaube aber nicht, dass man uns nach den Wahlen Probleme bereitet.“ Für die Zeitung stellt sich die Frage, warum der Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu trotzdem nach Holland wollte und warum die Familien- und Sozialministerin Fatma Betül Sayan Kaya – obwohl sie erfuhr, dass ihrem Kollegen nicht einmal eine Landeerlaubnis erteilt wurde – sich auf den Weg von Deutschland nach Holland machte. Die Antworten auf diese Fragen liefert die Redaktion auch und zitiert den AKP-Abgeordnete Hüseyin Kocabıyık. Dieser sagte ebenfalls in einem Fernsehinterview: „Wir sollten uns nicht zu sehr über Deutschland und Holland aufregen, vielleicht sollten wir ihnen sogar ein kleines bisschen danken. Sie haben dafür gesorgt, dass wir bei den Ja-Stimmen einen Zuwachs von mindestens zwei Prozentpunkten bekommen. Das können Sie mir glauben. Als ehemaliger Politischer Berater und Wahlforscher kann ich versichern, dass unsere Bürger im Ausland jetzt vermehrt mit ’Ja’ abstimmen und auch Unentschlossene und sogar Gegner der Verfassungsänderung innerhalb der Türkei werden sich von den jüngsten Ereignissen beeinflussen lassen.“

Ein anderer Kommentar knüpft sich die Personalie Mevlüt Çavuşoğlu vor: Der Autor bemängelt, dass sich der Außenminister aufführe wie ein Gangster statt wie ein Politiker. Er fragt, was das für ein Außenminister sei, ob er richtig ticke, ob er das Recht hat, den Staat in eine solch peinliche Situation zu bringen. Er zieht den Schluss, dass es keine Regierung bisher so erfolgreich geschafft habe, die Türkei derart zu blamieren, und hofft, dass die AKP-Minister daraus gelernt haben, dass Angelegenheiten des Staats nicht durch Drohungen, Nazi- und Faschismus-Vergleiche und nicht durch leeres „Wir werden es euch zeigen“-Geschrei gemanagt werden.

Ein anderer Kommentar erhebt ebenfalls schwere Vorwürfe gegen die Minister Çavuşoğlu und Kaya: „Nicht nur, dass es euch nicht interessiert in welche peinliche Situation ihr die Türkei gesteckt habt. Überlegt auch mal, in welche Lage ihr die Menschen bringt, die ihrer Arbeit in Europa nachgehen, die seit Jahren dort leben und ihre Kinder in dortige Schulen schicken – versetzt euch mal in die Lage dieser Bürger und schaut euch an, welches Klima ihr für sie erschaffen habt.“

Sabah, regierungstreue Tageszeitung

Die Zeitung kritisiert verächtlich, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel Solidarität mit Holland zeigt. Eine Zwischenzeile im Text lautet: „Wir möchten uns wie Nazis verhalten, aber sie sollen uns nicht Nazi nennen“.

Auch Sabah sieht einen Zusammenhang mit dem Referendum am 16. April: „Unser Volk wird Holland und allen europäischen Nazi-Überbleibseln am 16. April die schönste Antwort geben. Diese faschistische Haltung Europas wird dafür sorgen, dass auch Unentschlossene die Wahrheit sehen.“

Die Zeitung berichtet außerdem über den Türken Hüseyin Kurt, der bei den Demonstrationen am Samstagabend in Rotterdam von Polizeihunden verletzt worden sei. Die Polizei hatte an dem Abend einen Konvoi mit der türkischen Familien- und Sozialministerin Fatma Betül Sayan Kaya gestoppt und ihr den Zugang zum türkischen Konsulat verweigert. Vor dem Konsulat hatten rund tausend Menschen mit türkischen Flaggen demonstriert. In der Nacht trieb die Polizei die Menge mit Wasserwerfern und berittenen Beamten auseinander. Hüseyin Kurt habe Verletzungen am Fuß, am Bein, in der Handfläche, im Gesicht und am Hals erlitten, der Mann werde Anzeige erstatten, schreibt Sabah. „Mehr als die Verletzungen schmerzt mich der extreme und gewalttätige Umgang der Polizisten mit uns, wir waren friedlich und wurden grundlos von der Polizei voller Hass attackiert“, sagte Hüseyin Kurt der Zeitung.

Von Alev Doğan/RND

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