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Zum 950. „Tatort“: Kultkrimi im Überfluss

Jubiläum Zum 950. „Tatort“: Kultkrimi im Überfluss

Zum 950. Mal kommt am nächsten Sonntag ein neuer „Tatort“. Die ARD-Krimireihe ist ein Markenzeichen der TV-Nation. Eine Stadt liegt in der Statistik der Filme weit vorn - mit einem Zehntel aller Fälle in 45 Jahren.

Das zweimal im Jahr in Münster frotzelnde Team Thiel/Boerne (Axel Prahl und Jan Josef Liefers) ist heute das mit Abstand beliebteste.

Quelle: dpa

Berlin. Eine Frau regiert in Deutschland, ein Papst kann zurücktreten, im Fernsehen gibt es Dutzende Programme und mit dem Internet und Mini-Computern in der Hosentasche kann man fast überall unendlich viele Informationen sofort abrufen. Kaum etwas scheint heute noch so zu sein wie vor 45 Jahren. Nichts mehr wie früher? Doch! Ein etwas psychedelisch wirkender Vorspann im Ersten Deutschen Fernsehen. Am Sonntag (7.6., 20.15 Uhr) kommt in der ARD der 950. „Tatort“. Es ist ein österreichischer Krimi mit dem Titel „Gier“.

Der Vorspann der Krimireihe ist für viele Kult: Ein Augenpaar in Nahaufnahme, das rechte Auge im Fadenkreuz, ein Mann hebt abwehrend die Arme. Beine rennen auf nassem Asphalt. Fingerabdruck-Linien kreisen den Fliehenden ein. 30 Sekunden mit spannender Musik. Ein Ohrwurm von Klaus Doldinger, ein Klassiker, kollektives Gedächtnis. Als Kinostar Til Schweiger vor seinem Start als Hamburger „Tatort“-Kommissar diesen Vorspann mal als „dämlich“ und „outdated“ bezeichnete, gab es einen Aufschrei, als ob er ein Sakrileg begangen hätte. Auf Kritik an ihrem Sonntagsgottesdienst-Ersatz reagiert die säkularisierte TV-Nation Deutschland offensichtlich empfindlich. Der „Tatort“ sei „eine Sendung, von der man sagen kann, dass das Volk sie am Lagerfeuer guckt“, sagt in Köln der WDR-Fernsehspielchef und ARD-„Tatort“-Koordinator Gebhard Henke. „Und über die man dann am nächsten Morgen spricht und streitet. Das ist Kitt für die Gesellschaft. Und wenn Sie mich jetzt fragen, warum das so ist, dann muss ich Ihnen sagen: Weiß ich nicht.“

Klar scheint: Der „Tatort“ hat sich seit 1970 immer wieder neu erfunden, Orte und Teams wechseln alle paar Jahre. Er ist oft sozialkritisch und gesellschaftspolitisch, manchmal aber auch nur Psychothriller oder Film-Experiment. Gefühlt kommt jeden Tag irgendwo eine „Tatort“-Wiederholung im Fernsehen. Die Erstausstrahlungen am Sonntag (oder manchem Feiertag wie Neujahr oder Pfingstmontag) ziehen regelmäßig mehr als 10 Millionen Zuschauer zum Ersten. In den vergangenen Jahren stieg die Zuschauerzahl wieder, nachdem es in den 90er Jahren und nach 2000 eine Delle gegeben hatte.

1000. Folge Ende 2016

Im Jahr 2014 waren durchschnittlich 8,8 Millionen bei den mehr als 30 neuen Filmen dabei, 2009 waren es im Schnitt noch eine Million weniger. In ihren ersten Jahren war die „Tatort“-Reihe von Vaterfiguren bestimmt, die Kommissare hatten oft nur stichwortgebende Assistenten. Erst 1978 kam die erste weibliche Ermittlerfigur, die Schauspielerin Nicole Heesters. Mit Horst Schimanski (Götz George) und seinem Kollegen Thanner (Eberhard Feik) in Duisburg zog ab 1981 das Konzept der gleichberechtigten Teams in die Fernsehfilmreihe ein. Immer mehr Frauen gab es dann ab etwa 2001/2002 mit neuen „Tatort“-Stars wie Sabine Postel, Maria Furtwängler oder Eva Mattes. Gleichzeitig verstärkte sich eine Art Provinzialisierung, mit Krimis vom Bodensee oder aus Westfalen.

Dank überregional ermittelnder Landeskriminalamt-Mitarbeiter spielen einige Krimis heute auch auf dem Dorf oder zum Beispiel auf einer Nordsee-Insel. Dienstälteste „Tatort“-Ermittlerin ist zurzeit Lena Odenthal, gespielt von Ulrike Folkerts, die seit mehr als 25 Jahren in Ludwigshafen im Einsatz ist. Das zweimal im Jahr in Münster frotzelnde Team Thiel/Boerne (Axel Prahl und Jan Josef Liefers) ist heute das mit Abstand beliebteste. Es hatte zuletzt sogar mal mehr als 13 Millionen Fernsehzuschauer.

Die Städte mit den meisten „Tatorten“ sind historisch Deutschlands Metropolen. Vorne liegt laut den Experten vom „Tatort-Fundus“ in der Dienstorte-Statistik München (mit 95 Krimis). Es folgen Hamburg (84), Berlin (77), Frankfurt am Main (69) und Köln (68). Auch Österreichs Hauptstadt Wien ist mit 66 Fällen gut dabei. Dahinter liegen Ludwigshafen (62), Stuttgart (51), Leipzig (43) und Saarbrücken (35).

Übrigens: Hardcore-Fans wie die Experten von „tatort-fundus.de“ zählen zum Jubiläum bereits 963 „Tatorte“, weil sie 13 Krimis aus den Jahren 1985 bis 1989 verbuchen, die der ORF außerhalb der Gemeinschaftsarbeit mit der deutschen ARD produzierte und die als Erstausstrahlung nur in Österreich zu sehen waren.

Das nächste große Jubiläum - der 1000. „Tatort“ - steht aber offiziell erst in 50 Folgen an, voraussichtlich Ende 2016. Der „Tatort“-Koordinator Henke sagt dazu bereits jetzt: „Den 1000. werden wir natürlich feiern, da ist bereits ein Team ausgeguckt worden, das das Jubiläum bestreitet, da werden wir uns auch konzeptionell was überlegen, aber Einzelheiten darf ich noch nicht verraten.“

Gregor Tholl (dpa)

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