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10 000 feiern das Impericon Leipzig

Metal- und Hardcore-Festival 10 000 feiern das Impericon Leipzig

Zum ersten Mal fand am Samstag das Metal- und Hardcore-Festival Impericon Leipzig in der Messehalle 1 statt – für manche ein Grund zu argwöhnen, ob das Spektakel nicht doch zu groß und bombastisch würde. Bands und Fans gaben mit voller Hingabe die Antwort.

Sensationelle Stimmung – Fans beim Impericon Leipzig.
 

Quelle: (C) Dirk Knofe

Leipzig.  Eine ausgelassene Stimmung, die am Samstagmittag auf der Neuen Messe herrscht. Laute Musik dröhnt aus Halle 1, vor den Türen sammeln sich in kleinen Grüppchen Fans, stimmen sich bei Gesprächen und Bier auf das anstehende Impericon Festival ein. In die allgemeine Vorfreude auf den Konzertmarathon mischt sich jedoch auch Skepsis. Darüber, ob sich das in den vergangenen Jahren noch auf dem Agra-Gelände heimische Event trotz Umzug in die größere Location und verdoppelter Besucherzahl noch so gemütlich präsentieren wird wie in den Vorjahren. Oder ob nicht doch alles in gut gemeinter, aber überbordender Gigantomanie versinkt.

Eine Befürchtung, die zumindest beim ersten Blick in die Halle berechtigt erscheint. Neben zwei Bühnen, einem mehrfach unterteilten Publikumsbereich und zig Merchandise-Ständen dominieren zwei große Sitzplatztribünen das Bild. Lange Schlangen an den Imbissbuden und Bierständen nötigen dem Besucher einiges an Geduld ab.

Auf der musikalischen Seite indes präsentiert sich das Festival gewohnt hochkarätig, sorgt mit dem einen oder anderen wohlplatzierten Farbtupfer für die nötige Auflockerung auf den im Wechsel bespielten Bühnen. Ein erstes Ausrufezeichen setzen am frühen Nachmittag Wolf Down. Das Ruhrpott-Quintett erntet mit seinem rohen, energetisch vorgetragenen Hardcore die ersten größeren Moshpits des Tages und lockt eine beachtliche Zuschauerzahl vor die Bühne, die die dezidiert politischen Songs und Ansagen der Truppe mit lautem Applaus danken.

Breakdown of Sanity vollziehen im Anschluss die stilistische Rolle rückwärts. Die fünf Schweizer präsentieren sich deutlich kontrollierter, kombinieren vertrackte Gitarrenwände mit feinen Melodien – was nicht daran hindert, die Fans zu einer beachtlichen Wall of Death zu animieren. Der Jubel nach den abschließenden „Back To Zero“ und „New World“ fällt entsprechend enthusiastisch aus.

Impericon-Festival erstmals auf der Neuen Messe in Leipzig.

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Noch einen Schritt weiter gehen Being As An Ocean. Verträumt, fast schon meditativ fließt der Sound der Kalifornier von der Bühne. Bei dezenter Lichtshow sorgen Songs wie „OK“, „Dissolve“ oder „Black and Blue“ für Gänsehautstimmung im Publikum. Mit dem geht auch Sänger Joel Quartuccio immer wieder auf Tuchfühlung – die meiste Zeit des Gigs verbringt der Frontmann im Bühnengraben direkt vor den Fans.

Richtig voll wird es beim Auftritt der US-Amerikaner von Stick To Your Guns. Das Quintett – inzwischen Dauergast in Leipzig – weiß um seine Ausnahmestellung und serviert mit „We Still Believe“, „Against Them All“ und „Empty Heads“ einen Auftritt nach Maß. Auch die kurze Unterbrechung, bei der ein verletzter Besucher geborgen werden muss, meistert die Band.

Der folgende Auftritt von Anti-Flag, im Vorfeld noch als stilistischer Ausreißer mit Skepsis bedacht, gerät zum Triumphzug. Zwar herrscht bei den US-Punks streckenweise heilloses Chaos auf der Bühne, wird zum Ende des Sets gar die halbe Band inklusive Schlagzeug ins Publikum verfrachtet. Mitgröl-Hymnen wie „Die For Your Government“ oder „Turncoat“ tut dies jedoch keinen Abbruch, der Jubel ist groß. Ernüchterung dann bei Asking Alexandria. Die britische Metalcore-Truppe präsentiert sich mit beeindruckendem Bühnenaufbau und clever arrangierten Songs, der Funke will jedoch nicht überspringen. Frontmann Danny Worsnop liegt bei Songs wie „Not The American Average“ des öfteren neben der Spur, so dass neben großen Posen wenig Substanz bleibt.

Besser machen es Ignite, die angenehm unprätentiös durch ihr Konzert fegen. Zoli Teglas ist bestens bei Stimme, lässt zwischen Hits wie „Who Sold Out Now?“, „Let It Burn“ oder „Judgement Day“ auch immer wieder klare Statements in Richtung vermeintlicher politischer Heilsbringer fallen. Tosender Applaus nach dem abschließenden „Bleeding“. Eine Lanze für die deutsche Metalcore-Szene brechen Caliban. Das Quintett sorgt für mächtige Partystimmung im weiten Rund und beweist mit Songs wie „We Are The Many“ oder einem unterhaltsam-eigenständigen Cover des Rammstein-Klassikers „Sonne“, warum man sich zurecht zu den hiesigen Genre-Größen zählen darf.

Einen ganzen Haufen Klassiker haben Sick Of It All im Koffer – das 30-jährige Jubiläum der New Yorker Institution will schließlich gebührend gefeiert werden. Agil wie eh und je bespielt die Truppe um Frontmann Lou Koller die Bühne, stachelt das Publikum an und beweist bei „Take The Night Off“ oder „Scratch The Surface“, dass man nur auf dem Papier zum alten Eisen gehört.

Den bravourösen Abschluss des Abends liefern Parkway Drive. Vom ersten Ton der Bandhymne „Wild Eyes“ an hat Fronter Winston McCall die Menge im Griff, stachelt die müden Fans bei „Vice Grip“, „Karma“ oder „Idols And Anchors“ zu neuer Höchstleistung an. Auch bei der Show lässt sich das Quintett nicht lumpen. Wenn nicht irgendwo Pyrotechnik explodiert, wird einfach das Schlagzeug in Rotation versetzt, bis Drummer Ben Gordon kopfüber trommelt. Mit „Bottom Feeder“ wird der Schlusspunkt unter ein denkwürdiges Festival gesetzt. Und das – um auf die Bedenken zurückzukommen – in dieser Form auch auf der Neuen Messe eine Zukunft hat.

Von Bastian Fischer

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