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24 Nachwuchsdramatiker stellen ihre Werke am Schauspiel Leipzig vor

4+1-Festival 24 Nachwuchsdramatiker stellen ihre Werke am Schauspiel Leipzig vor

Drei Tage lang stehen Autoren von Schreibschulen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz am Schauspiel Leipzig im Mittelpunkt. Ab Donnerstag werden die Texte im Rahmen des Festivals „4+1“ dem Publikum vorgestellt – ein kompakter Überblick über Themen und künstlerische Handschriften der jungen Dramatiker.

Dramaturgin Esther Holland-Merthen (2. v.l.) mit Studenten der Berliner UdK.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Der Taxifahrer, soll er nun mit einem Akzent sprechen oder nicht? Ja, weil es realistisch ist, denn es handelt sich bei dem Chauffeur um einen zugewanderten Iraner? Oder nein, weil ein Akzent gedankliche Reflexe provoziert, die gar nicht intendiert sind? Die Leipziger Autorin, die sich Hansen nennt, formuliert ihre Meinung nach der Probenlesung und sagt dann zu den Schauspielern: „Im Zweifelsfall würde ich aber sagen: Setzt euch darüber hinweg.“

Den eigenen Text von Schauspielern und Regie kapern zu lassen, das ist Alltag für Theaterautoren. Leicht fällt es den wenigsten. Für Hansen und 23 weitere Studenten akademischer Schreibschulen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ist es Teil des Lernprozesses bei „4+1“. Ein Treffen junger Autoren am Schauspiel Leipzig, das von Donnerstag bis Samstag stattfindet und dem Publikum einen Überblick über Themen und Handschriften junger Autoren bietet. Ein kleines Festival junger Gegenwartsdramatik – und des ersten Praxis-Schocks. Weil die Texte zwar nicht inszeniert, wohl aber von Schauspielern gelesen werden und damit eine Interpretation erfahren.

Und das ist gar nicht so leicht auszuhalten, weiß Esther Holland-Merten, Schauspiel-Dramaturgin und künstlerische Leiterin des Festivals. Denn die Stimme sei eine ganz andere, als die, die sich während des Schreibprozesses im Kopf herausbilde. Auch die Konfrontation des Textes mit dem Publikum ist für viele Autoren noch ungewohnt.

Der Name „4+1“ bezieht sich auf das Prozedere: Vier Autoren einer Schreibschule präsentieren jeweils einen Text. Einen Gewinner oder ein Publikumspreis gibt es ausdrücklich nicht. „Das ist uns wichtig, um eine Atmosphäre des Miteinanders zu schaffen“, sagt Esther Holland-Merten. Konkurrenzdruck komme früh genug. „Die Autoren arbeiten noch im geschützten Rahmen des Studiums.“ Der soll nur behutsam geöffnet werden. Und zum Treffen gehören auch interne Workshop-Angebote, etwa zum Schreiben für Film und Hörspiel oder zu Techniken, wie im Kollektiv gearbeitet werden kann.

Vertreten sind Studenten der Universität der Künste Berlin, des Schweizerischen Literaturinstituts Bern, des Literaturinstituts Hildesheim, des Instituts für Sprachkunst der Universität für angewandte Kunst Wien und des Deutschen Literaturinstituts Leipzig. Ebenso vom uniT Drama Forum der Universität Graz, das eine kleine Ausnahme bildet. Die Grazer Autoren haben meist schon erste Erfahrungen und Erfolge vorzuweisen, ehe sie das Drama Forum nutzen. Zum gleichen Kursjahrgang der vier Vertreter in Leipzig gehört zum Beispiel Ferdinand Schmalz. Der ist in Leipzig gut bekannt, wurden am Schauspiel doch bereits die Uraufführungen seiner beiden Stücke „Am Beispiel der Butter“ und „Der Herzerlfresser“ inszeniert.

Das Schauspiel legt bekanntlich Wert auf die Förderung junger Autoren und von Gegenwartsdramatik. Ein Schwerpunkt, der längst überregional wahrgenommen wird und dessen Inszenierungen dem Haus regelmäßig Festivaleinladungen bescheren. Darin gliedert sich das Treffen „4+1“ ein, dessen Grundlage unter der Intendanz von Enrico Lübbe bereits in Chemnitz gelegt und in Leipzig fortgeführt wurde. Es gehe aber nicht darum, die „eigenen Messemeister von morgen“ zu küren, sagt Holland-Merten. Es ist nicht der Anspruch, jetzt vorgestellte Texte auf den Spielplan zu hieven.

Die einzelnen Studiengänge sind nicht unbedingt auf szenisches Schreiben fokussiert. „Ich schreibe sonst eher Prosa“, sagt der Leipziger Peter Lünenschloß. Eine ärgerliche Erfahrung, als er mit Spezialbegriffen aus der Dacharchitektur konfrontiert wurde, führte zu seinem Text „Bei uns im Dach hat sich die Pfette verdreht“.

Einheitliche Themen oder Stile haben die Dramaturgen bei der Sichtung der Texte nicht ausgemacht. Die Zugehörigkeit zu einer Generation sorgt keineswegs für Einheitlichkeit. „Es gibt klassische Figurenstücke und Textflächen“, zählt Holland-Merten auf, komödiantische Stücke und stark lyrische Werke. 24 Texte, die in Auszügen ab heute in der Schauspiel-Baustelle zu hören sind.

4+1-Lesungen. Do, 18 Uhr: UdK Berlin; Do 20.30 Uhr: Lit.-Institut Biel; Fr, 17 Uhr: Lit.-Institut Hildesheim; Fr, 19 Uhr: Institut f. Sprachkunst Wien; Sa, 15 Uhr: uniT Drama Forum Graz; Sa, 17 Uhr: DLL Leipzig; Schauspiel Baustelle (Bosestr. 1); Karten: 0341 1268168

Von Dimo Riess

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