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60 Prunkstücke aus der Musikbibliothek Peters sind online

Stadtbibliothek Leipzig 60 Prunkstücke aus der Musikbibliothek Peters sind online

Sie ist das Tafelsilber der Musikstadt Leipzig: die Musikbibliothek Peters. Teile davon sind jetzt multimedial auf einem Großbildschirm in der Stadtbibliothek am Wilhelm-Leuschner-Platz zu erleben sowie ab Freitag im Internet abrufbar. Die Digitalisierung ist ein Geschenk der „arvato Systems perdata“ zum 1000. Geburtstag der Stadt.

Ein Glanzstück der Musikbibliothek Peters: Brigitte Geyer zeigt ein Original von Felix Mendelssohn Bartholdy („Die erste Walpurgisnacht“).
 

Quelle: André Kempner

Leipzig.  Cello, Notenblatt, Stadtplan, die Büste von Henri Hinrichsen (1868-1942) und ein Dokumentenstapel können ebenso wie ein Zeitstrahl angeklickt werden – dann beginnt in der Stadtbibliothek eine multimediale Präsentation über das Tafelsilber der Musikstadt Leipzig. Gemeint ist die berühmte Musikbibliothek Peters, deren wertvolle Originale den Grundstock der Leipziger Sammlung bilden. Diese umfasst 24.000 Medien – darunter Handschriften Johann Sebastian Bachs, Erstausgaben berühmter Komponisten, Noten und Bücher. 60 ausgewählte Notenblätter und Dokumente wurden nun für eine multimediale Präsentation in der dritten Etage der Stadtbibliothek digitalisiert, die auch online abrufbar ist.

Die Werke sind aber nicht komplett einsehbar. „Das soll ein Appetizer für alle sein, die die Sammlung entdecken wollen. Gleichzeitig wollen wir der Familie Hinrichsen Tribut zollen“, erklärte Susanne Metz, die Direktorin der Leipziger Städtischen Bibliotheken. Dass reale und digitale Welt zusammenfinden, wurde durch die Firma „arvato Systems perdata“ möglich. Das Unternehmen aus dem Bertelsmann-Konzern macht Leipzig jene digitale Version quasi zum Geschenk zum 1000. Geburtstag. „Im Jubiläumsjahr der Stadt wollen wir einen nachhaltigen Beitrag leisten, ein so wertvolles Kulturgut wie die Musikbibliothek Peters zu bewahren und für alle Generationen erlebbar zu machen – und dies nun auch international im Internet“, sagte Geschäftsführer Matthias Moeller. Deshalb gibt es eine englische Version. Am Donnerstagabend übergab er das Geschenk bei einem Festakt an Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD).

Der Grundstock für die Sammlung wird bereits 1861 gelegt. Alfred Dörffel gründet bei seiner Musikalienhandlung eine „Leihanstalt für musikalische Literatur“. Die Idee: Das gesamte Wissen zur Musik soll an einer Stelle versammelt sein. Max Abraham ist es schließlich, der Anfang 1894 in der Königstraße 26 (heute Goldschmidtstraße) mit der Musikbibliothek Peters die weltweit erste öffentliche Fachbibliothek ihrer Art öffnet. Abraham verfügt testamentarisch, dass die Bibliothek als Stiftung zugunsten der Stadt Leipzig verbleibt. Seine Neffe und Erbe Henri Hinrichsen erkennt das an. Doch eine tragische Geschichte erreicht schließlich im Dritten Reich ihren unrühmlichen Höhepunkt. Hinrichsen ist Jude, erhält daher von den Nationalsozialisten Berufsverbot. Nach der Reichspogromnacht 1938 folgen der Zwangsverkauf und die „Arisierung“ des Verlags. Hinrichsen muss im Konzentrationslager Auschwitz ebenso wie weitere Familienmitglieder sein Leben lassen. Zwei der Söhne können sich retten, gründen neue Verlage. Nach dem Zweiten Weltkrieg wird der Leipziger Verlag zum volkseigenen Betrieb erklärt und damit erneut enteignet.

Die Sammlung ist seit 1954 in der Stadtbibliothek, wird dort bewahrt und gepflegt. Nach der Wende folgt ein Restitutionsstreit um das nationale Kulturgut. Das Bundesverwaltungsgericht verhindert, dass wertvolle Originale in alle Winde verstreut werden. Der Streit endet damit, dass Leipzig die Sammlung 2013 mit Hilfe von Bund, Land und Stiftungen schließlich kauft (die LVZ berichtete). „Sie ist klimatisiert in unseren Magazinräumen untergebracht und kann jederzeit genutzt werden“, so Brigitte Geyer, die Leiterin der Musikbibliothek. Mit der multimedialen und web-basierten Form der 60 besonderen Objekte sollen nun Menschen neugierig gemacht werden, in der Bibliothek vorbeizuschauen. Enkelin Martha Hinrichsen würdigt in einem schriftlich verfassten Grußwort, dass ihr Großvater sehr stolz und dankbar wäre zu wissen, dass die Musikbibliothek „Millionen von Menschen weltweit zugänglich“ sei. „Das ist mehr als sich ihre Begründer und deren Nachkommen jemals haben träumen lassen.“

Von Mathias Orbeck

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