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A-Cappella-Metaler Van Canto im Interview: „Unsere Stimmen schreddern wie Gitarren“

Konzert im Helraiser A-Cappella-Metaler Van Canto im Interview: „Unsere Stimmen schreddern wie Gitarren“

Van Canto sind die wohl ungewöhnlichste Metal-Band Deutschlands: Das Sextett verzichtet auf Gitarren – und vertraut einzig auf seine Stimmen. Kein Wunder, dass die A-Cappella-Band extrem polarisiert, worüber wir uns mit Stefan „Rakkatakka“ Schmidt unterhalten haben. Am Freitag starten Van Canto ihre Tour im Leipziger Hellraiser und präsentieren das Album „Voices Of Fire“.

Van Canto starten ihre „Voices Of Fire“-Tour in Leipzig, links Bandgründer Stefan „Rakkatakka“ Schmidt (36).

Quelle: Stefan Heilemann

Leipzig. Van Canto sind die wohl ungewöhnlichste Metal-Band Deutschlands: Das Sextett verzichtet auf Gitarren – und vertraut einzig auf seine Stimmen. Kein Wunder, dass die A-Cappella-Band extrem polarisiert, worüber wir uns mit Bandgründer Stefan „Rakkatakka“ Schmidt unterhalten haben. Am Freitag starten Van Canto ihre Tour im Leipziger Hellraiser und präsentieren das neue Album „Voices Of Fire“, auf dem sie die Bardenlieder aus „Feuerstimmen“ von Fantasy-Bestsellerautor Christoph Hardebusch („Die Trolle“) vertonen.

Metal und A Cappella – das geht eigentlich gar nicht. Weshalb getraut man sich dennoch an ein solches Projekt?

Weil man einfach Spaß haben und etwas Neues ausprobieren will. Eigentlich geht alles auf eine launige Idee zurück: Ich hatte vorher eine normale Metal-Band, wollte aber mal etwas Gesangsorientiertes machen. Da habe ich in meinem Freundeskreis herumgefragt, und viele fanden das Projekt spannend – dass wir letztlich überhaupt kein Instrument mehr nehmen, hat sich erst mit der Zeit entwickelt. Aus der Idee ist dann ein Projekt und schließlich eine richtige Band geworden, das war gar nicht geplant.

Als Leipziger hat man beim Stichwort A Cappella sofort die Prinzen auf dem Plan. Seid ihr die Prinzen of Metal?

Natürlich kennt man die Prinzen, egal welcher Musikrichtung man sich zugehörig fühlt. Für uns sind sie aber nicht das Vorbild gewesen, da wir alle aus dem Rock oder Metal kommen. Inspiration sind da eher Bands gewesen, die mit viel Gesang gearbeitet haben, das fängt bei Queen an und reicht bis Blind Guardian, die wir als Teens gehört haben.

Trotz allen Erfolgs seid ihr nach zehn Jahren immer noch die Einzigen, die A-Cappella-Metal machen.

Ja, ich weiß auch nicht, weshalb. Wir hatten gedacht, dass das Konzept auch Andere anspricht und wir dann vielleicht gemeinsam auf Tour gehen könnten. Bisher gibt es aber bis auf ein paar Cover-Versionen im Netz, die zu Hause aufgenommen wurden, nichts Vergleichbares. Wir sind nach wie vor einzigartig ...

... und auch ganz erfolgreich, mit sehr guten Chartsplatzierungen. Lebt ihr von der Musik?

Wir leben eher für die Musik. Natürlich könnten wir auf WG-Niveau davon leben. Doch wir sind keine 18 mehr. Deshalb: Wir betreiben die Band professionell – es reicht aber nicht, um nicht noch etwas Anderes nebenher machen zu müssen, um Geld für unser tägliches Leben zu verdienen. Erfolg ist für mich dabei eher relativ, und Charts spielen überhaupt keine Rolle. Auf die Charts bin ich erst aufmerksam geworden, als wir selbst darin waren, sie sind nicht unser Taktgeber.

Ihr covert auch große Songs, von Manowar über Alice Cooper bis Metallica. Sollen die Ohrwürmer als Lockstoff gelten?

Ha, genau. Durch unseren speziellen Ansatz haben wir natürlich auch einen speziellen Sound. Um neue Leute zu gewinnen, ist es etwas leichter, wenn sie wenigstens das Lied schon kennen und sich dann nur noch an den Sound gewöhnen müssen. Im Idealfall finden sie den A-Cappella-Ansatz so spannend, dass ihnen dann auch unsere eigenen Titel gefallen. Auf unseren Platten – außer auf dem neuen Konzeptalbum – haben wir immer das Verhältnis: Auf einen Cover-Song kommen zwei eigene Titel. Das bestätigt sich auf den Konzerten: Erst kommen die Neugierigen, und dann bringen viele von ihnen beim nächsten Mal noch Freunde mit.

Spannend ist der Ansatz, wie ihr die für den Metal unverzichtbaren Gitarren imitiert – mit eurem inzwischen legendären „Rakkatakka“. Wie seid ihr darauf gekommen?

Das war Learning by Doing. Wir konnten schließlich keinen Gesangslehrer fragen, wie man Gitarren imitiert. Das gab es ja noch nicht. Wir setzen die Stimmen so ein, dass sie wie Gitarren schreddern. Das Geheimnis liegt sicher darin, dass wir die Mikros an Gitarrenverstärker anschließen. Das macht viel von dem Sound aus, der für uns prägend ist.

Durch euren Ansatz und Sound polarisiert ihr in der Szene heftig. Was sagt ihr jenen, die mit euch nichts anfangen können?

Erstmal: Für uns gehören Gitarren natürlich auch zum Metal – sonst bräuchten wir ja nicht versuchen, sie zu imitieren, sondern würden sie weglassen. Und zum Zweiten wissen wir natürlich auch, dass A Cappella und Metal in sich schon einen Widerspruch darstellt und deshalb polarisiert. Für uns ist das kein Problem: Wenn man so etwas macht, muss man auch damit klarkommen, nicht von allen gemocht zu werden. Andererseits kommen jeden Monat tausende von Platten heraus, wird das Angebot immer größer und nicht mehr zu überschauen. Wir machen eben etwas Anderes, eine Platte mehr – und wem das nicht gefällt, der kann weiterhin jeden Monat aus tausenden Platten wählen.

Ihr verkauft aber nicht nur Platten, sondern habt inzwischen schon drei Mal auf dem Wacken-Festival gespielt und tourt regelmäßig mit großen Bands. Wie funktioniert A Cappella auf den großen Bühnen?

Ich bin 1998 zum ersten Mal auf dem Wacken gewesen. Damals habe ich davon geträumt: Boah, hier möchte ich mal spielen. Und dann ist das Realität geworden! Deshalb verbinde ich damit einen großen Traum, der in Erfüllung gegangen ist – und diesen Traum kann ich ausgerechnet mit einer Band ausleben, die noch nicht mal eine Gitarre hat und trotzdem Metal ist. Die Bühnen wurden immer größer, beim letzten Mal haben wir auf dem Wacken vor mehr als 30 000 Leuten gespielt. Das kann mir, das kann uns, niemand mehr nehmen.

Van Canto, Grailknights, Victorius, Freitag, 19 Uhr, Hellraiser (Werkstättenstraße 4), Vorverkauf 23 Euro

Von Andreas Debski

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