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ABBA-Musical "Mamma Mia" feiert vor 1800 Zuschauern Premiere in der Leipziger Arena

ABBA-Musical "Mamma Mia" feiert vor 1800 Zuschauern Premiere in der Leipziger Arena

Sie funktionieren immer noch. Diese wunderbaren Abba-Hymnen, sie lösen die alten Reflexe aus. Sentimentalitäten wuchern, Uralt-Episoden voller Unschuld oder Schmerz brechen auf, weil sie ihre Melodien zurück bekommen.

Leipzig. Am Freitagabend zog die erste von fünf Musical-Shows in der Arena Leipzig das Publikum aus der Gegenwart in eine Welt aus Songs, Liebe und planvoller Verwirrung. Nur: Ausverkauft sind die „Mamma Mia“-Spektakel nicht mehr ohne weiteres.

Etwa 1800 Zuschauer sind Zeugen, wie ein besonders exquisites und aufwändiges Modell der Reproduktionsmaschine namens Abba Fahrt aufnimmt; zahlreiche Plätze bleiben leer. Mit bombastischen Sounds aus dem Musikergraben, mit tempovollem Tanz vor malerischer Urlaubskulisse. Konzerte mit Doubles der berühmten Skandinavier landen so verlässlich im Kalender wie Ikea-Kataloge im Briefkasten, mal mehr und mal weniger stilecht, doch dieses Spektakel hier tanzt perfekt und eindrucksvoll choreografiert aus der Reihe.

Autorin Catherine Johnson und Produzentin Judy Cramer puzzeln die unvergesslichen Hits in einen Handlungsrahmen, der weit weniger peinlich ist als so manche Lloyd-Webber-Ware, der Wendungen aufzeigt und in eigener Dramatik wächst. Das alles nicht nur mit Billigung der Abba-Denker Benny Andersson und Björn Ulvaeus, sondern gar im Schulterschluss mit den Komponisten.

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Leipzig. Sie funktionieren immer noch. Diese wunderbaren Abba-Hymnen, sie lösen die alten Reflexe aus. Sentimentalitäten wuchern, Uralt-Episoden voller Unschuld oder Schmerz brechen auf, weil sie ihre Melodien zurück bekommen. Am Freitagabend zog die erste von fünf Musical-Shows in der Arena Leipzig das Publikum aus der Gegenwart in eine Welt aus Songs, Liebe und planvoller Verwirrung.

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Die alleinerziehende Mutter Donna, die mit ihrer 20-jährigen Tochter Sophie auf einer kleinen griechischen Insel lebt und dort eine Taverne betreibt, bekommt Besuch, der sie in Erklärungsnot bringt. Sophie, die zu ihrer Hochzeit auch ihren Vater dabei haben will, hat alle drei Männer eingeladen, die als Erzeuger in Frage kommen. Mit Sam, Harry und Bill hatte ihre Mutter damals Techtelmechtel – Sophie will Klarheit über die Vaterschaft haben. So nimmt ein wechselvolles Rätselraten seinen Lauf, und nebenbei keimt zaghaft die Freundschaft unter drei sehr unterschiedlichen Kerlen.

Jackie Clune ist eine fabelhafte Donna zwischen Rigorosität und Verletzlichkeit, strahlt eine unaufdringlich natürliche Bühnenpräsenz aus und vermittelt die tiefe Melancholie eines Songs wie „Slipping Through My Fingers“, in dem eine Mutter hilflos registriert, wie ihre Tochter ihr durch Abnabelung entgleitet. Taschentuch-Nötigung vor allem für Eltern und eine der stärksten Szenen des Abends – auch weil hier die Traurigkeit störungsfrei Raum bekommt.

Das ist nämlich nicht immer so. Beim eigentlich nicht minder nachdenklichen „Our Last Summer“ necken sich Harry und Donna ein bisschen viel, und das gefühlig-tröstende „Chiquitita“ verkommt komplett zur Ulknummer zwischen den drei Jugendfreundinnen Tanya, Rosie und Donna. Das Gute-Laune-Element hat den deutlich größten Anteil an der Jukebox-Produktion, die schmissig „Honey Honey“, „Super Trouper“ oder „Voulez vous“ auswirft, in den breiten bunten Ensemble-Szenen Schwung und Geschwindigkeit steigert, das Komödiantische betont.

Das Prinzip „Embedded Songs“ funktioniert. Das Entertainment feiert und gefällt sich selbst – und verliert dennoch gegen die Tiefe der Szenen, die solche Trennungssongs wie „The Winner Takes It All“ gebieten, aus denen trotz des Wissens um all das Show-Kalkül die Tragik tatsächlich ansteckt. Die zauberhafte Sophie Sheridan und Gary Watson geben ein herrliches Liebespaar ab, das den Song „Lay All Your Love On Me“ trotz Zwischenkrise beherzigt.

Das Finale – nach zuvor einigen balladesken Sequenzen – zwingt viele aus den Sitzen, noch einmal wird richtig Party gefeiert, blitzen die Kostüme. Bei „Waterloo“ und Co. feiert die Produktion ihren Triumph: Es kann so verdammt schön sein, dem Kitsch zu erliegen.

Weitere „Mamma-Mia“-Aufführungen in der Arena Leipzig finden am Sonnabend um 15 und 20 Uhr sowie Sonntag um 14 und 19 Uhr statt. Karten sind auch an der Abendkasse erhältlich.

Mark Daniel

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