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AC/DC rocken in Leipzig vor 45.000 Fans

Konzert AC/DC rocken in Leipzig vor 45.000 Fans

45.000 Fans fieberten dem großen Moment entgegen: AC/DC mit Axl Rose als Sänger haben es am Mittwoch in der Red Bull Arena krachen lassen. Die Besucher hatten sogar Glück mit dem Wetter.

ACDC rockten am Mittwochabend im Leipziger Stadion.

Quelle: Andre Kempner

Leipzig. Der Regen hat rechtzeitig aufgehört. Nur droht jetzt vom Himmel weiteres Ungemach. Ein Meteorit durchbricht die Erdatmosphäre. Die Höllenglocke, die er gegen 20.30 Uhr auf dem Weg merkwürdigerweise streift und zum Läuten bringt, hält ihn nicht auf. Vielmehr gibt sie dem (B)rock(en) wahrscheinlich erst den entscheidenden Schub Richtung Leipzig, wo im nahezu ausverkauften Stadion am Mittwochabend 45. 000 Menschen das Spektakel zunächst auf einer riesigen Leinwand verfolgt haben. Etliche haben sich Teufelshörner ins Haar gesteckt, die so rot blinken wie die riesigen Hörner des Bühnendaches. Ein Knall, Feuer, Rauch. Zigtausende Jubelschreie.

Und vier Gitarrenakkorde, die das vielzitierte Bonmot von Bandchef Angus Young voll und ganz erfüllen. Ein AC/DC-Song, den man nicht nach fünf Sekunden zweifelsfrei als AC/DC-Song identifiziert, ist kein AC/DC-Song. Keine Frage: Das Eröffnungsstück „Rock or Bust“, eines von nur zwei Liedern der gleichnamigen aktuellen Platte, die in den folgenden gut zwei Stunden im Einklang mit zwei Dutzend Klassikern des Drei-Akkord-Genres die ungeheure Kraft des Rock ’n’ Roll entfalten sollen, ist ein AC/DC-Song. Und was für einer.

45.000 Fans fiebern dem großen Moment entgegen: AC/DC rockte am Mittwochabend in Leipzig.

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Young ist 61, aber das hindert ihn selbstverständlich nicht daran, mit kurzen Hosen im Rumpelstilzchenschritt und in zu kleiner, grüner Schuluniform ins Rampenlicht zu rennen, watscheln und hüpfen. „In Rock we trust – it’s rock or bust!“, kreischt ein Mann ins Mikrofon, der hingegen humpelt. Er hört – es hat sich herumgesprochen – auf den Namen Axl Rose. „Auf Rock vertrauen wir – rocken oder kaputtgehen!“ Im Fall von AC/DC bleibt dazwischen in der Tat kein Platz.

Noch vor zwei Monaten hätte niemand Rose mit dieser australisch-schottischen Rockhitfabrik in Verbindung gebracht. Zumal er da gerade das Live-Comeback von Guns N’ Roses gefeiert und sich bei der Gelegenheit den linken Fuß gebrochen hatte. Erst seit ein paar Auftritten singt er nicht mehr im Sitzen. Was aber sowieso Kindergartenkram ist im Vergleich zur ärztlichen Diagnose, mit der sich der eigentliche AC/DC-Sänger Brian Johnson seit März herumschlägt: dass er sein Gehör verliert, wenn er die Welttour fortsetzt.

Axl/DC also. Der Tag habe kalt und regnerisch begonnen, begrüßt die prominente Zwischenlösung, auf deren T-Shirt ein Quietsche-Entchen Teufelshörner trägt, die jubelnden Zuschauer. „Jetzt ist es schön, nur leider müssen wir euch wieder etwas Donner bringen.“ – „Some Rock & Roll Thunder“, um genau zu sein. Wegen des Sängerwechsels gaben 8000 ihre Eintrittskarten zurück – was fast genauso viele andere freute, die noch an der Abendkasse letzte Tickets für das Konzert ergatterten, das zu Weihnachten eigentlich bereits ausverkauft war.

Nachdem Tyler Bryant & the Shakedown im Vorprogramm mit einem energetischen Auftritt samt Trommelsolo demonstriert haben, dass auch Kindern der 90er Jahre das Hardrock-Erbe der 70er nicht kalt lässt, huldigt die 1973 gegründete Hauptgruppe ebenfalls vor allem ihrem ersten Jahrzehnt.

Leipziger Fans feiern Rose und Young

Nun ist es Angus Young, der die Zeigefinger zu Hörnern umfunktioniert, „Hell Ain’t a Bad Place to Be“, die Fans quittieren die Aufforderung mit Pommesgabeln. „Back in Black“, „Dirty Deeds Done Dirt Cheap“, „Thunderstruck“ von 1990 – der vermeintliche Verlegenheitssänger überzeugt bei den (eher hoch zu singenden) Vorwärtsnummern der Bon-Scott-Ära ebenso unverkrampft gut wie bei den (eher extrem hoch zu schreienden) Brian-Johnson-Vorwärtsnummern seit 1980. Wer soll denn so etwas außer Johnson und eben Rose überhaupt hinkriegen? Was vielleicht sogar noch wichtiger ist: Der 54-jährige ist klug und höflich genug, Angus Young nicht die Show stehlen zu wollen.

„Ein weiteres Lied, mit dessen Entstehung ich verdammt nichts zu tun hatte“, nuschelt er irgendwann. Die Tatsache, dass von dem Quintett, das vor sieben Jahren das Leipziger Stadion rockte, außer Angus Young mit seinem Bewegungsdrang und seinen sich ins Gesicht zeichnenden Bluesrock-Soli streng genommen nur Cliff Williams mit seinem stampfenden Rockbass übrig geblieben ist, spielt an diesem Abend keine große Rolle. Immerhin besitzen auch Rhythmusgitarrist Stevie Young und Chris Slade, der mit schnörkellosem, präzisem Schlagzeugspiel den in Neuseeland unter Hausarrest stehenden Phil Rudd würdig vertritt, ihre AC/DC-Meriten schon seit Jahrzehnten.

Was sagen die AC/DC-Fans zum neuen Sänger Axl Rose (Umfrage und Fotos: Regina Katzer)

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Rund 50 Minuten, nachdem der Meteorit aufgeprallt ist, trudelt auch besagte Höllenglocke ein. „Hells Bells!“ Das Fiberglas-Instrument macht einen Höllenlärm und schlägt keineswegs im Takt, großartig. Die Band hat bereits häufig gezeigt, dass ihr existenzielle Katastrophen nichts anhaben können. 1980 erschien kein halbes Jahr nach dem Tod des Sängers Bon Scott mit „Back in Black“ ihr nach wie vor erfolgreichstes Album – das noch 36 Jahre später in Leipzig mit sechs Liedern ein Viertel der Setlist ausmacht. Seit 2014 fehlt mit Angus’ zwei Jahre älterem Bruder Malcolm Young, der an Demenz erkrankt ist, der Rhythmusgitarrist und Mitschöpfer all der genial einfachen AC/DC-Riffs.

Aber sein Neffe Stevie – schon Ende der 80er war er mal eingesprungen – ähnelt dem Onkel in Spiel und Aussehen so sehr, dass im Stadion wahrscheinlich kaum jemand was gemerkt hat. Viel schwerer dürfte es der Band fallen, sich ohne Malcolms Zutun irgendwann neue AC/DC-Gitarrenriffs auszudenken, solche, die ihren Ursprung nach fünf Sekunden verraten. Aber darum geht’s ja hier und jetzt nicht.

Gitarrist mit Streicher-Solo

Hier und jetzt geht es um höllischen Spaß im Hier und Jetzt. Mütze und Jackett hat der durchgeschwitzte Angus Young längst abgeworfen, als er zu „Sin City“ die rot-schwarz-gestreifte Krawatte nutzt, um eine Art Streicher-Solo auf der Gitarre zu fabrizieren. „You Shook Me All Night Long!“ Es wirkt absolut glaubwürdig, dass so ein Axl/DC-Konzert eben nicht nur für die feiernde Menge, sondern auch für Axl/DC zwei Stunden lang den ganzen sonstigen Mist, den man so mit sich schleppt, wurscht erscheinen lässt.
 
Wenn nun mal ein Lied explodiert, wie es nur „T.N.T.“ vermag. Weil da eben einfach nur Rock ist, wenn Tausende „Let There Be Rock“ grölen und Angus Young dann zu einem ellenlangen Solo ansetzt, bei dem er seine ganze Fingerfertigkeit demonstriert, während ihn eine Hebebühne nach oben hievt. Weil die Band ihr Feuer im regulären Konzertteil natürlich buchstäblich nicht verschossen hat, sich noch in der Zugabe inmitten der Pyrotechnik auf den „Highway to Hell“ wagt und zu „For Those About to Rock (We Salute You)“ aus zwölf Kanonen Schüsse in den Nachthimmel ballert.

Ein Fußlahmer ersetzt einen Schwerhörigen – ein besseres Sinnbild dafür, dass der Rock ’n’ Roll in die Jahre kommt, kann sich niemand ausdenken. Gleichzeitig jedoch ist vermutlich zurzeit keine andere Band wie AC/DC imstande, das Versprechen des Rock ’n’ Roll auf ewige Jugend mit voller Wucht einzulösen. Salut!

Mathias Wöbking

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