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ARD-Tatort aus Weimar: Tschirner und Ulmen kratzen an der Zehn-Millionen-Marke

Schräger Humor ARD-Tatort aus Weimar: Tschirner und Ulmen kratzen an der Zehn-Millionen-Marke

Menschliche Knochen in Hochofenschlacke, ein einbeiniger Verdächtiger und zerstörtes Liebesglück: Wer skurrile Geschichten und schrägen Humor mag, der kam auch bei dem neuen „Tatort“ aus Weimar voll auf seine Kosten.

Nora Tschirner und Christian Ulmen als Ermittlerduo landen mit dem Weimar-“Tatort“ einen Quotenhit.

Quelle: dpa-Zentralbild

Berlin. - Knapp verfehlt: Der „Tatort“-Krimi „Der treue Roy“ mit dem Schauspielerduo Nora Tschirner und Christian Ulmen verpasste mit 9,85 Millionen Zuschauern am Sonntagabend ab 20.15 Uhr im Ersten die magische Zehn-Millionen-Marke nur leicht. Der Marktanteil betrug 26,4 Prozent.

Die Ermittler Lessing (Ulmen) und Dorn (Tschirner) hatten in der Geschichte den vermeintlichen Mord an einem Stahlwerkmitarbeiter aufzuklären. Mit recht deutlichem Abstand dahinter rangierte im ZDF zeitgleich der Rosamunde-Pilcher-Film „Ein Doktor & drei Frauen“, unter anderem mit Komiker Harald Schmidt, der auf 5,12 Millionen Zuschauer (13,8 Prozent) kam.

Schräger Humor mit Siegrid und Roy

Menschliche Knochen in Hochofenschlacke, ein einbeiniger Verdächtiger, zerstörtes Liebesglück und Zinnfiguren: Wer skurrile Geschichten und schrägen Humor mag, der kam auch bei dem neuen „Tatort“ aus Weimar voll auf seine Kosten. Die Ermittlungen des Duos Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen) nahmen wieder so manche Wendung, bevor sich am Ende das Verwirrspiel löst. Die kurzweilige Krimikomödie, die der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) produzierte, hielt bis zum Schluss die Spannung.

Die beiden „Tatort“-Kommissare, die im Film ein Paar mit Nachwuchs geben, werden zu einem Mord im Stahlwerk gerufen. In der Schlackegrube liegen die menschlichen Überreste des Absticharbeiters Roy Weischlitz. Bei ihren Ermittlungen stellen die Kommissare bald fest, dass gegen das Leben von Roy „die spanische Inquisition eine Bachblütentherapie war“.

Da schleudert Siegrid, die Schwester, mit der Roy zusammen unter einem Dach lebte, schon mal die Katze ihres Bruders in der Waschmaschine, verfärbt die Wäsche und versalzt das Essen. Siegrid macht Roy für die kaputte Beziehung zu ihrem Ex-Verlobten „Flamingo“ verantwortlich, der durch Roys Schuld ein Bein und später den kompletten Halt verlor. Neben „Flamingo“ spielen auch dessen Kumpel Frank und die Prostituierte Irina eine zwielichtige Rolle. Dann überschlagen sich die Ereignisse.

Einmal verfahren, dann war die Story perfekt

„Ich mag, wenn der Fall überrascht, wir den Zuschauer und uns selbst ein klein bisschen verwirren“, sagt Schauspieler Christian Ulmen. An seiner Rolle des Kommissars Lessing gefällt dem 40-Jährigen besonders, dass „er so eine bezaubernde Frau hat“. Diese trägt - modisch unbeeindruckt - zumeist einen khakigrünen Parka. „Ich habe Nora Tschirner äußerst selten so erotisch wahrgenommen, wie in diesem „Tatort““, gesteht Ulmen.

Wie bereits bei den ersten beiden Folgen „Die fette Hoppe“ und „Der Irre Iwan“ stammt das Drehbuch zu „Der treue Roy“ von den Autoren Murmel Clausen und Andreas Pflüger. Die Idee für ihren dritten Weimar-„Tatort“ - zu dem Gregor Schnitzler die Regie führte - hatten sie laut Pressemappe, als sie sich in Weimar verfuhren. Plötzlich standen sie zwischen Plattenbauten, wo ein Wohnwagen mit rotem Neonherz im Fenster parkte. „Ganz in der Nähe wurde gegrillt. Da hatten wir eigentlich schon alles beisammen“, sagt Clausen.

Die Autoren scheren sich nicht um Klischees, sie spielen mit ihnen. Die komisch-witzigen Dialoge („Den Schuh mit deinem Bein muss ich mir anziehen bis ins Grab.“) strotzen vor Kalauern („Wer sitzt denn da im Schrank? Frank. Krank!“). Kommissar Lessing - die Klassikstadt lässt grüßen - zitiert Goethe, und auch der kleine thüringische Ort Lederhose wird heiter aufs Korn genommen. Manch eingefleischtem „Tatort“-Fan könnte das alles zuviel abverlangen. Erfrischend jedoch ist, dass der Film nicht wie manch anderer Krimi in psychologischem Tiefgang erstickt.

Tatort in Weimar zu Hause

Ursprünglich war der „Weimar“-Tatort als einmaliges Feiertags-Event gedacht. Nach dem Ende des Erfurter-„Tatorts“ avancierte er zum einzigen Thüringen-„Tatort“, der nun erstmals auch einen normalen Sonntagssendeplatz hat.

Wie lange Tschirner und Ulmen gemeinsam als Kommissare vor der Kamera stehen, lassen sie bislang offen: „Wir schauen von Jahr zu Jahr“, sagt Ulmen. „Bis jetzt ist Nora von „Tatort“ zu „Tatort“ ein Stückchen reifer geworden, wenn sich das hält, machen wir weiter.“

2016 und 2017 werden nach Angaben des MDR je zwei „Tatorte“ in der thüringischen Stadt produziert. „Der Tatort ist jetzt in Weimar zu Hause“, sagte MDR-Fernsehdirektor Wolf-Dieter Jacobi. Der vierte Fall des Ermittlerduos, der voraussichtlich wohl im nächsten Jahr ins Fernsehen kommt, wurde Ende März abgedreht.

Von LVZ

Weimar 50.9794934 11.3235439
Weimar
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