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Abenteuer im magischen Orient: Karl-May-Verlag versucht es jetzt mit Fantasy

Am 4. Oktober erscheinen neue Karl-May-Bücher Abenteuer im magischen Orient: Karl-May-Verlag versucht es jetzt mit Fantasy

Der Karl-May-Verlag startet am 4. Oktober die neue Serie „Karl Mays Magischer Orient“ mit den Bänden „Im Banne des Mächtigen“ und „Der Fluch des Skipetaren“ von Alexander Röder.

Ross und Reiter stürzen in die Tiefe. Aus Karl Mays Reiseerzählungen Band VI, Seite 501. Bildpostkarte von 1898.
 

Quelle: Karl-May-Verlag

Leipzig.  Karl May ist der meistgelesene deutschsprachige Schriftsteller, wie das Institut für Demoskopie Allensbach in einer repräsentativen Umfrage ermittelte: 95 Prozent der über 16-Jährigen kennen seinen Namen, und 70 Prozent davon haben schon mal Karl-May-Bücher gelesen. Auf den Plätzen folgen Bertolt Brecht, Thomas Mann, Günter Grass und Heinrich Böll. Und dennoch: Der allgemeine Rückgang der Lesegewohnheiten hat sich aber auch auf Karl May ausgewirkt.

Die unzähligen Fans, die mit May groß geworden sind und gern an ihre erste Begegnung mit Winnetou zurückdenken, möchten solche Freuden weitergeben und Karl May am Leben erhalten. Von Thomas Le Blanc, Gründer und Leiter der Phantastischen Bibliothek Wetzlar, kam 2014 die Überlegung, dass das mit neuen Werbestrategien allein nicht zu erreichen ist, „dass dazu auch neue Karl-May-Texte vonnöten seien.“

Den Lesern von heute müssten Geschichten in heutiger Sprache und im modernen Stil angeboten werden und das in einem rundum beliebten Genre. Deshalb würde der sächsische Fantast seine Reiseerzählungen heute, schon um hoher Auflagen willen, als Fantasy anlegen. Denn in der schrumpfenden Lesewelt verblüffen Fantasy-Geschichten seit Jahren durch eine wachsende Bilanz.

Ein Werk wird der Fantasy zugerechnet, wenn die Handlung in einer anderen als der unsrigen Welt abläuft und Magie das Geschehen beeinflusst. Wie beispielsweise in den berühmten Bestsellern um „Harry Potter“. Als bedeutendster Titel der Gattung wird zumeist Tolkiens „Herr der Ringe“ (1954/55, Deutsch 1969/70, Weltauflage über 150 Millionen) genannt. Der May-Forscher Franz Cornaro hatte schon 1981 auf „Karl-May-Ähnliches“ in Tolkiens Dichtung aufmerksam gemacht: In beiden Fällen geht es um fantastische Reiseabenteuer und um Kämpfe mit magischen Waffen: Old Shatterhand hat sein „Zaubergewehr“, der Hobbit Frodo auf Mittelerde sein magisches Schwert. Es verfärbt sich, wenn feindliche Orks in der Nähe sind. Und so weiter ...

Cornaros Bemerkungen lösten vor 35 Jahren keine Wirkung aus. Ganz anders jetzt der konkrete Vorschlag von Thomas Le Blanc: Der Karl-May-Verlag (Bamberg, Radebeul) startet am 4. Oktober die neue Serie „Karl Mays Magischer Orient“ mit den Bänden „Im Banne des Mächtigen“ und „Der Fluch des Skipetaren“ (jeweils 480 Seiten). 2017 folgen zwei weitere Titel. Autor Alexander Röder (Jahrgang 1969) war 2014 für seinen Roman „Der Mönch in Weimar“ mit einem Preis der Phantastischen Akademie geehrt worden.

Alexander Röder

Alexander Röder

Quelle: Karl-May-Verlag

Der Band „Karl Mays Magischer Orient“ ist eine Mischung aus dem realen und dem einst um Kara Ben Nemsi fabulierten Orient und der Märchenwelt aus 1001 Nacht. In diesem Zauberreich begegnen uns bekannte Figuren. Hadschi Halef Omar beispielsweise, der voll im Banne der Magie steht und seinen Sihdi – den „Ungläubigen“ – bekehren will. Der Ich-Erzähler Kara Ben Nemsi aber sucht immer wieder nach realistischen Erklärungen. Daneben greifen selbstbewusste Frauen ins Geschehen ein – schon gleich am Anfang des ersten Bandes die kleine Djamila aus Basra. Kara Ben Nemsi ist froh, sie „zur Gefährtin und nicht zur Feindin zu haben“ – „so seltsam das aus meinem Mund klingen mag.“ Für den spröden Lord Lindsay ist „diese Kleine hier alle Pferde des sprichwörtlichen Königs wert. Und ein goldnes Pferd alle Male.“ Im zweiten Roman agiert dann eine schon modern anmutende skipetarische Freiheitskämpferin.

Über viele Seiten des ersten Bandes läuft die Begegnung von Kara Ben Nemsi mit Professor Wolfgang Thadewald, Bibliothekar der Königlichen Bibliothek Hannover, den es in eine britische Expedition verschlagen hat. „Der Geist muss auch einmal wandern können“, meint der Gelehrte, „ich lese Jules Verne.“ Doch Kara ist der Ansicht, „dass man sich Reisen nicht ausdenken, sondern sie selbst erleben sollte“, um dann getreu darüber zu berichten. Und noch schlimmer, wenn jemand aus den Erzählungen anderer schöpft. Eine schöne Portion unterstellter Selbstironie, denn May hat ja bei seinen Schreibtischreisen so manche Aktie bei Kollegen gezogen.

Röder setzt mit dem Thadewald in britischen Diensten dem echten Wolfgang Thadewald, der 2014 verstorben ist, ein literarisches Denkmal. Er ehrt den bedeutendsten Jules-Verne-Forscher, der seine über 4000 gesammelten Verne-Titel der Leibniz-Bibliothek in Hannover vermachte. Der echte Thadewald war, das mal nebenbei, auch als Literaturagent tätig, unter anderem für Stanislaw Lem und für die Lyrik von Karol Wojtyla (Papst Johannes Paul II.).

„Karl Mays Magischer Orient“ wird den May-Fans weitere Abenteuerwelten öffnen und bei vielen neuen Lesern auch das Interesse am klassischen Karl May wecken. Voll auf ihre Kosten kommen aber auch jene, die sich nur in der Fantasy bewegen wollen.

Der  Fluch des Skipetaren

Der Fluch des Skipetaren

Quelle: Karl-May-Verlag

Von Christian Heermann

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