Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Abschied von der Legende Spencer: „Bud ist eine Projektionsfläche“

LVZ-Interview Abschied von der Legende Spencer: „Bud ist eine Projektionsfläche“

Er war Held, Kultfigur, Legende: Zu Lebzeiten hat Carlo Pedersoli alias Bud Spencer mehrmals Leipzig besucht. Zuletzt präsentierte er 2013 den zweiten Teil seiner Autobiografie. LVZ-Reporterin Antje Henselin-Rudolph hat damals mit ihm über Spaghetti, Terrence Hill und Diskriminierung von Frauen gesprochen.

Bud Spencer war 2013 in Leipzig, um den zweiten Teil seiner Autobiografie vorzustellen. Tausende Leipziger strömten zur Signierstunde ins UCI Nova Eventis. (Archivbild)

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Tausende Messestädter strömten zu den Signierstunden, standen stundenlang im Regen, um den Helden ihrer Kindertage zu treffen. Zuletzt hatte Carlo Pedersoli alias Bud Spencer Leipzig im Mai 2013 besucht. Damals war er 83 Jahre alt. Der ehemalige Schwimmstar stellte im UCI Nova Eventis den zweiten Teil seiner Autobiografie „In 80 Jahren um die Welt“ vor. LVZ-Reporterin Antje Henselin-Rudolph hat damals mit ihm über sein Leben gesprochen.

LVZ: Sie sind aus Italien angereist. Wie schwer fällt es Ihnen im Moment zu reisen?
Bud Spencer: Es ist nicht so wild. Ich habe schon schlimmere Reisen hinter mir. Bei meiner ersten Olympiateilnahme 1952 bin ich mit dem Zug mit Dampflokomotive bis nach Helsinki in Finnland gefahren. Bei der zweiten Olympiateilnahme 1956 flog ich mit einem Propellerflugzeug nach Melbourne. Wenn ich jetzt reise, fühle ich mich also wie ein König.

Die Legende Carlo Pedersoli alias Bud Spencer ist im Alter von 86 Jahren verstorben. Zu Lebzeiten besuchte er mehrfach die Messestadt.

Zur Bildergalerie

Ihr Filmpartner Terrence Hill hat Wurzeln im sächsischen Lommatzsch. Haben Sie selbst ebenfalls einen Bezug zu Sachsen?
Zu Sachsen nicht direkt, zu Deutschland bzw. zur deutschen Sprache aber schon. Ich hatte ein deutsches Kindermädchen. Im Alter von zwei Jahren sprach ich tatsächlich Deutsch. Mein Vater hat mich irgendwann nicht mehr verstanden, weil ich mehr Deutsch sprach als Italienisch, er selbst aber nur Italienisch. Die Folge war, dass mein Kindermädchen entlassen wurde und ich einen Großteil der deutschen Sprache vergessen habe. Bereits seit einiger Zeit frische ich diese Grundlagen wieder auf. Ich glaube, dass ich vielleicht in einem Jahr die Ehre haben werde, wieder Deutsch sprechen zu können.

Sie sind nicht das erste Mal in Leipzig zu Gast. Gibt es etwas, was Sie an der Stadt besonders beeindruckt?
Ich erinnere mich vor allem an einen Besuch in einem Kinderkrankenhaus. Das war für mich das Schönste. Diesen leidenden kleinen Menschen die Botschaft des Guten und des Wohlwollens zu bringen.

Es gab in der Vergangenheit immer wieder Gerüchte, dass Bud Spencer und Terrence Hill sich nie wirklich leiden konnten.
(Lacht.) Das müssen Sie jetzt erfunden haben. Wir sind doch das einzige Paar weltweit, das niemals gestritten hat. Alle anderen liegen sich ständig in den Haaren. Die amerikanischen, die französischen, die italienischen Schauspieler-Duos streiten. Dafür gibt es einen einfachen Grund: Bei einem Film, wo zwei Schauspieler ähnliche Hauptrollen spielen, kommt ganz natürlich der Wunsch auf, häufiger aufgenommen zu werden, mehr spielen zu können oder öfter in Nahaufnahme zu erscheinen als der andere. Das ist bei uns nicht so, weil eben nur Terrence Hill ein echter Schauspieler ist, während ich den Schauspieler bloß gebe.

Wann haben Sie das letzte Mal gemeinsam Spaghetti gegessen?
Am Montag. Ich esse bei unseren Begegnungen ja immer Spaghetti. Terrence nur dann, wenn seine Frau nicht sieht, dass er zu mir nach Hause kommt.

Worüber reden Sie bei solchen Gelegenheiten?
Oft sprechen wir von dem Glück, das wir gehabt haben. Denn die Tatsache, dass man weltweit so viel Ruhm eingeheimst hat, ist doch einzig und allein dem Publikum zu verdanken. Es ist das Publikum, das den Willen aufgebracht hat, uns so viel zu schenken.

Apropos Spaghetti: Wie sieht für Sie das perfekte Pasta-Gericht aus?
Zunächst einmal müssen es Spaghetti oder Tagliarini sein. Von ganz entscheidender Bedeutung sind die Tomaten und das Wasser. Anschließend beginnt die „Arbeit“ mit der Gabel. Das ist eigentlich alles. Dann träumt man nur noch.

Werden Sie bei Ihrem Besuch in Sachsen auch die hiesige Küche probieren?
Das kann ich so nicht sagen. Aber immer wenn ich nach Deutschland komme, ist mein erstes Wort Bratkartoffeln. Ich liebe Bratkartoffeln und werde sie immer essen.

Nicht nur Carlo Pedersoli schätzt gutes Essen. Auch Bud Spencer hat immer gern und vor allem viel gegessen. Hat es Sie jemals gestört, dass Sie in Ihren Filmen als mäßig intelligent und eher verfressen daherkommen?
Nein, das war ja gerade das Lustige daran. Im Übrigen: Ich denke, die Mehrheit der Männer ist so. Die Frauen sind anders. Bei einem Vortrag an der Universität Perugia habe ich mal im Zusammenhang mit der leider zunehmenden Diskriminierung von Frauen gesagt: Es gibt nichts, was Frauen nicht machen könnten. Keiner von uns würde existieren, wenn es eben diese Frauen nicht gäbe. Die Frau ist die Königin des Ganzen.

Was war für Sie der beste und erfolgreichste Film, in dem Sie mitgespielt haben?
Fast alle Filme, die ich mitgedreht habe, und das sind ja 128, haben mir etwas Erfreuliches gegeben. Der Film, der mich am meisten beschäftigt hat, war „Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle“, wo Terrence Hill und ich als Piloten auftraten. Das war in Kolumbien. Ich musste immer wieder diesen Abflug spielen. Sobald es ernst wurde, hat mich ein richtiger Pilot ersetzt. Eines Tages habe ich ihn nicht rangelassen und bin eigenhändig geflogen. Ich glaube, der Produzent des Films wollte sich wirklich umbringen. Das positive Ergebnis ist, dass ich heute immerhin satte 2000 Flugstunden zu verzeichnen habe. Und als mir vorgehalten wurde, ich würde ja nie Hubschrauber fliegen, machte ich auch diesen Schein und habe schon 500 Stunden.

Die Kunstfigur Bud Spencer existiert seit etwa 45 Jahren. Gibt es eine Rolle, die Sie abseits der sogenannten „Haudrauf-Filme“ gern gespielt hätten?
Ich will es mal so sagen: Es gibt da diesen großen Unterschied zwischen Terrence Hill und mir. Er ist praktisch zum Schauspieler geboren und hat das Handwerk von der Pike auf gelernt. Er ist im Grunde der leibhaftige Schauspieler. Ich dagegen habe diesbezüglich nie eine ordentliche Ausbildung gemacht. Ich bin durch Zufall zur Schauspielerei gekommen und habe dann immer versucht zu begreifen, wodurch ich Erfolg hatte.

Wieviel von Carlo Pedersoli steckt in Bud Spencer?
Nichts. Absolut nichts.

Mr. Bean-Darsteller Rowan Atkinson sagte vor einigen Wochen, er sei als Comedian von Bud Spencer inspiriert worden. Von wem wurden Sie inspiriert?
Ich hatte einige Lehrmeister, die mir etwas beigebracht haben. Der wichtigste war Eli Wallach. Er hat mir immer wieder gesagt: „Denk bloß daran, dass dein Gesicht später auf der Leinwand acht mal sechs Meter groß ist. Das Publikum wird schon verstehen, was in dir vorgeht. Die Leute können das aus deinem Gesicht lesen. Versuch’ deshalb nicht, es selbst zu produzieren. Es wird dann immer übertrieben sein.“

Haben Sie eine Idee, warum Sie gerade in Deutschland so verehrt werden?
Als Carlo Pedersoli sehe ich diese Verehrung als eine Bestätigung meiner Grundüberzeugungen, die zutiefst philosophischer Natur sind. Die Kunstgestalt, die ich verkörpert habe, also Bud Spencer, steht im Grunde für die Wünsche, die jeder Mensch hegt. Wie zum Beispiel der Wunsch, dass man den Unsympathen dieser Welt „eine“ reinwürgen möchte. Es gibt keinen Menschen, der so einen Wunsch noch nie gehegt hat. Insofern ist Bud eine Projektionsfläche. Die Reaktionen, die er in den Filmen zeigt, sind die, die vielleicht jeder in solchen Situationen gern mal zeigen würde. Sie haben aber nie Schaden angerichtet, weil sie eben komisch sind.

Sie betonen stets, wie wichtig Ihnen Friedfertigkeit und Gewaltlosigkeit sind. Gab es in Ihrem Leben dennoch mal eine richtige Prügelei, und wenn es nur auf dem Schulhof war?
Nein. Auch weil die anderen schon rein körperlich immer irgendwie Angst vor mir hatten. Wenn sie sich mal vorstellen, dass ich schon bei der Geburt sechs Kilogramm wog und mich dann später im Judo, im Ringen und im Boxen betätigt habe. Da wäre es schwierig für potenzielle Gegner geworden. Und ich bin in der Tat überhaupt nicht gewalttätig.

Sie sind jetzt 83 Jahre alt. Was nervt Sie am Älterwerden?
Dazu habe ich ein Lied geschrieben. „Wenn du dich im Spiegel anschaust und ein alter Mann geworden bist, dann scheiß drauf und lach darüber. Dann ist es schon vorbei.“ Nimm’s auf die leichte Schulter – das ist meine Lebensphilosophie.

Ziehen Sie noch ab und an ein paar Bahnen im Schwimmbecken?
Ganz selten, muss ich zugeben. Aber im Wasser geht es mir besser als außerhalb.

Interview: Antje Henselin-Rudolph

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News
  • Schauspiel Leipzig
    Mikrologo Schauspiel Leipzig

    Theater in Leipzig: Höhepunkte, Premieren, Spielplan und Angebote der Spielzeit 2016/2017 im Schauspiel Leipzig mehr

  • Dreamhack Leipzig

    Auf der Dremhack 2017 treten die besten Computerspieler gegeneinander an. mehr

  • Asisi - Welt der Panoramen
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Great Barrier Reef" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zum Great Barrier Reef im Panometer Leipzig und den asisi-Panoramen in Dresden. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

Blättern Sie hier durch die aktuelle Veranstaltungsbeilage "Applaus" und finden Sie Konzerte, Shows, Ausstellungen, Sport-Events und mehr in Leipzig und Umgebung. mehr

Erfahren Sie mehr auf www.leipziger-museen.de

Leipzig gilt als der Geburtsort der modernen Psychologie. Wie früher und heute im Geist geforscht wurde ist vom 14. September bis zum 16. Dezember 2016 in der Ausstellung "Psychologie in Leipzig - Geburt einer Wissenschaft" zu sehen. Besucher können sowohl Beobachter als auch Versuchsperson sein. Unsere Schau des Monats November! mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Onlineabo

    "LVZ-Online Extra" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kö... mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • So war das damals...
    So war das damals...

    Dies ist ein Geschichtenbuch der besonderen Art: Leserinnen und Leser der Leipziger Volkszeitung erzählen Erlebnisse aus ihrer Kindheit und Jugend,... mehr