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Abschluss der MDR-"Reiheins"-Konzertsaison mit Kristjan Järvi im Gewandhaus

Abschluss der MDR-"Reiheins"-Konzertsaison mit Kristjan Järvi im Gewandhaus

Järvi begeistert - so könnte alles in allem die Überschrift zu dieser Saison des MDR lauten. So langsam geht sie zu Ende: Am kommenden Sonntag gibt es noch einen "Zauber der Musik", die "Reiheins" endete schon am Samstag mit einem spektakulären Konzert im Gewandhaus - einem typischen Järvi-Abend.

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MDR-Chefdirigent Kristjan Järvi. (Archivfoto)

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Denn was der neue Chefdirigent anpackt, ist meist schmissig, gelegentlich auch subtil.

Järvi weiß, wie er das Publikum kriegt. Etwa indem er eine Zugabe gibt, was nach einer ungeschriebenen und etwas altmodischen Orchesterregel eigentlich nur auf Tourneen üblich ist. Solcherlei Musikbürokratie ist nicht sein Ding. Lieber plant er Zeit für diese nette Geste ein, die Arbeitszeit der Musiker will schließlich eingehalten sein. Das Publikum dankt's - und amüsiert sich vernehmlich, als der Dirigent sich von der Bühne schleicht und das Rundfunkorchester alleine zu Ende spielen lässt. Mit solchen Gesten vermag er den steifen Klassikritus aufzubrechen. Damit ist ihm der Jubel sicher, von nicht wenigen gar im Stehen.

Er war es bereits nach Mussorgskis Bildern einer Ausstellung, in der Orchestrierung Maurice Ravels. Effektsicher wie immer packt Järvi den ganz großen Quast aus und malt Mussorgskis Spaziergang durch eine Gemäldegalerie in Ravels bunten Farben aus. Die Kontraste arbeitet das MDR Sinfonieorchester deutlich heraus, in leuchtenden wie in düsteren Tönen. Einmal mehr wird deutlich: Was Ravel mit Mussorgskis genialischem Klavierzyklus angestellt hat, ist weit mehr als eine Instrumentierung. Dass an diesem Abend so manche Kontur besonders in den Bläsern verschmiert, ist leicht zu verschmerzen. Die Spannung, die den musikalischen Museumsbesuch durchzieht, und der prächtige Glanz etwa des Tores von Kiew entschädigen dafür allemal.

Doch auch in der ersten Hälfte geht es bereits richtig zur Sache. In der 1943 uraufgeführten Suite "Köçekçe" des türkischen Komponisten Ulvi Cemal Erkin wechseln sich schematisch lyrische Episoden in milde orientalisierendem Sound mit krachledernen Passagen ab. Es gibt Stücke, die besser gealtert sind.

Auch für das Doppelkonzert "View from Olympus" von John Psathas, dessen Titel dem Abend als Motto dient, fährt der MDR schweres Gerät auf. Das ist durchaus wörtlich zu verstehen, denn das Instrumentarium, das die berühmte Schlagzeugerin Evelyn Glennie bedient, ist schon der Fülle wegen beeindruckend. Virtuos, gestisch musiziert Glennie an diesem Apparat. Neben ihr und dem großen Orchester muss der Klavierpart zwangsläufig etwas blasser bleiben. Was Joanna MacGregor am Flügel absolviert, ist zwar hochvirtuos, doch teilt sich dies streckenweise nur optisch mit.

Psathas' Konzert ist nicht ohne Bezüge zum restlichen Programm - zum exotischen Sound Erkins oder zum Klangzauber Ravels. Doch die hauptsächlichen Anregungen dieses Dreisätzers stammen aus anderen Bereichen. Die repetitiven Strukturen, die Glennie mit ihren Schlegeln hervorbringt - mehrfach gespiegelt im Orchesterschlagwerk -, entstammen der Minimal Music. Die Beats des Orchesters scheinen von Electro und Ähnlichem inspiriert. Doch auch lyrische Zwischentöne erlaubt sich Psathas, etwa im Mittelsatz mit den sphärischen Klängen von Chimes und Vibraphon.

Das ist in der Summe Symphonik für diejenigen, die mehr in Club und Disco zu Hause sind als im Konzertsaal. Unter ihnen kann sich gerne noch mehr herumsprechen, wohin die MDR-Musik derzeit steuert. Ein paar Plätze sind durchaus noch frei. Eins scheint sicher: Kristjan Järvi wird sie begeistern.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.06.2013

Benedikt Leßmann

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