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Abstraktes aus Leipzig in der Kunsthalle der Sparkasse

Abstraktes aus Leipzig in der Kunsthalle der Sparkasse

Die Kunsthalle der Sparkasse ist bekannt dafür, sich der lokalen und regionalen Kunstszene zu verschreiben. In besonderem Maße gilt das für die sogenannte Leipziger Schule und deren Neubau, auch wenn die Existenz einer solchen gerade von den daran Beteiligten heftig angezweifelt wird.

Doch abstrakte, konkrete, konstruktivistische Kunst und Leipzig, gar Leipziger Schule mit ihrem Hauptfach Fabulieren - das scheinen verschiedene Schuhe zu sein, auch wenn an der HGB, in der  Galerie für Zeitgenössische Kunst und in manchen Galerien gar nicht so selten vergeistigte Positionen zu finden sind, die sich jener allgemeinen öffentlichen Wahrnehmung entziehen, nach der hier vor Ort überwiegend Geschichten und Träume erzählt werden. Namen wie Hartwig Ebersbach, Gerhard-Kurt Müller, David Schnell oder Doris Ziegler in einem Kontext der Verweigerung des Gegenständlichen zu finden, überrascht allerdings mehr noch als die Themenwahl.

 Schon die Auswahl dieser Personen verdeutlicht, dass Christine Rink als Kuratorin aller wiederholten Verbreitung lexikalischer Definitionen in Katalog und Vernissagenrede zum Trotz eine recht legere Ausweitung der Begrifflichkeiten handhabt. So finden sich eben auch Landschaften, Häuser, Gesichter - nur naturalistisch dürfen sie nicht sein. Das Abstrahieren wird nicht als Endpunkt, sondern als Weg mit vielen Etappen verstanden.

 Doch nicht nur bezüglich der Sujets wird ein weiter Kreis gezogen, auch räumlich und zeitlich. Da sind Dresdner wie Hermann Glöckner und Max Lachnit vertreten, der Vogtländer Otto Müller-Eibenstock und noch weiter entfernt Angesiedelte wie Josef Albers. In der Zeit greift die Kuratorin bis in die Epoche nach dem Ersten Weltkrieg zurück: Eine Jugendsünde Max Schwimmers, das Aquarell "Kampf den Fabriken" von 1919, ist die älteste Arbeit.

 Unter den Werken, die man im eigentlichen Sinne dem Thema zuordnen kann, wird deutlich, dass Abstraktion sehr vielfältig sein kann und überhaupt nicht langweilig. Monika Geilsdorf hat eine "wilde Frau" aus heftigen Kreideschwüngen angedeutet, Henriette Granert verknotet Rohrleitungen, Kaeseberg lässt farbige Geometrien im LED-Licht erstrahlen, Sebastian Nebe gibt sich düster. Organisches und Strenges halten sich in der Waage. Andreas Grahl demonstriert mit seinem "Eckenschoner" aus Aluminium, dass sogar Humor in dieser gern spröde daherkommenden Sparte machbar ist. Die in der DDR als Nische genutzte "Kunst am Bau" ist natürlich vertreten, so mit Eberhard Hertwigs augentäuschender Op Art für das Robotron-Gebäude. Harry Müller hingegen, dessen Pusteblumen aus Metall gerade wieder vor der Blechbüchse erblüht sind, überrascht mit einer linearen Zeichnung, die sich "Selbstbildnis" nennt.

 Dass auch angewandte Bereiche einbezogen wurden - Schmuck, Teppiche, Vasen - ist konsequent und entspricht der Genesis dieser Kunstrichtungen im frühen 20. Jahrhundert. Ausgesprochen belehrend wird die Angelegenheit mit den Verweisen auf Malewitsch und das Bauhaus als Schrittmacher, dargestellt an Leihgaben mehrerer Museen. Nicht jeder Besucher hat es nötig, sein Schulwissen im Nachsitzen aufzufrischen. Nun muss man angesichts vieler sehenswerter Arbeiten zwar nicht gleich schwänzen, aber punktuell darf ruhig aus einem imaginären Fenster geguckt werden. Jens Kassner

 iOhne Titel - abstrakt konkret konstruktiv ; Kunsthalle der Sparkasse, Otto-Schill-Straße 4a; bis 29. Dezember; Di, Do-So 10-18 Uhr, Mi 12-20 Uhr

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 15.10.2013

Jens Kassner

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