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Achim Mentzel stirbt im Alter von 69 Jahren

Musiker und Entertainer Achim Mentzel stirbt im Alter von 69 Jahren

Der Musiker und Entertainer Achim Mentzel ist am Montag im Alter von 69 Jahren gestorben. Seine Frau Brigitte bestätigte am Montag gleichlautende Medienberichte. Beliebt war er vor allem im Bereich des volkstümlichen Schlagers.

Der ostdeutsche Unterhaltungskünstler Achim Mentzel ist im Alter von 69 Jahren gestorben.

Quelle: dpa

Cottbus. Der Unterhaltungskünstler Achim Mentzel ist überraschend im Alter von 69 Jahren gestorben. Er starb am Montag in Cottbus, wie seine Frau sagte. Zu Hause habe er sich plötzlich unwohl gefühlt. Sie habe den Notarzt gerufen, der ihren Mann noch reanimiert habe. Dann sei er per Rettungswagen ins Krankenhaus nach Cottbus gekommen, wo er gestorben sei.

Der gebürtige Ost-Berliner galt als Stimmungskanone und Vollblut-Entertainer. Auf Rat seiner Eltern lernte er erstmal das Handwerk des Polsterers. Allerdings musizierte er früh. Mit 15 Jahren rockte er mit dem Diana-Schau-Quartett durch Ostberliner Kneipen. Die Songs der Beatles und der Rolling Stones, gepaart mit Mentzels exzessiven Auftritten, waren beim Publikum beliebt. Bei den SED-Genossen nicht - es folgte ein Spielverbot mit 17 Jahren.    
Mit 18 ging er als Versorgungsfahrer zur Armee und spielte mit der Transportbataillon-Kombo in Dorfdiskos.

Mentzel entschied sich für die Stimmungsmusik, „weil ich niemandem meine Texte vorlegen wollte“. Die politisch unverfänglichen Lieder ermöglichten auch Engagements in Westberlin, so 1973 mit dem Alfons-Wonneberg-Orchester, als er plötzlich im Westen blieb. „Vor einem Auftritt dort holte der Schlagzeuger plötzlich seine Klamotten aus der Pauke und seine Papiere aus der Trommel. Ich fragte, was er macht und er sagte, „Na ich bleibe hier““, erzählte Mentzel mal. Er schloss sich spontan an und wohnte kurzzeitig bei Verwandten im Saarland. Nach wenigen Monaten zog es ihn aber wieder heim. Zehn Monate Gefängnis auf Bewährung kostete ihn der Ausflug in den Westen.

Zurück in der DDR, lernte Mentzel in Berlin die Sängerin Nina Hagen kennen, die ihn während seines Westausflugs in der Band vertreten hatte. Gemeinsam mit ihr gründete er 1974 Fritzens Dampferband.    Zwei Jahre später begann Mentzels Solokarriere als Volks- und Stimmungsmusiker („Gott sei dank ist sie schlank“).

Ende 1989 erhielt Mentzel noch in der untergehenden DDR seine erste eigene TV-Sendung: „Achims Hitparade“. Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) setzte die Sendung nach der Wende fort und verhalf dem Entertainer so zur Bekanntheit über den Osten Deutschlands hinaus.  Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) zeigte sich betroffen vom plötzlichen Tod des Sängers und Moderators. „Achim Mentzel war Kult. Als vielseitiger Künstler war er sehr beliebt“, erklärte der SPD-Politiker. Die Potsdamer Staatskanzlei hatte Mentzel auch in den Kreis der „Brandenburger Köpfe“ aufgenommen. Das sind Prominente, deren Lebenswege in Brandenburg begannen oder die märkische Geschichte über lang oder kurz querten.

Mentzel trat in Fernsehshows auf, im Osten wie im Westen. Auch auch für Leipzig hatte er eine Hymne im Gepäck. Zur Eröffnung des umgestalteten Hauptbahnhofs präsentierte er den Song "Leipzig ist 'ne schöne Stadt".

Zuletzt drehte er mit der Potsdamer Band „Thee Flanders“ eine Persiflage auf den Depeche Mode-Song „Enjoy the Silence“ und lief verkleidet wie einst Frontmann Dave Gahan durch das Video.

Die humorvolle Art Mentzels kam bei seinem Publikum gut an. Sein Freund Oliver Kalkofe nannte den Unterhaltungskünstler auch mal „das zottelige Zonenmonster“. In einem Interview im Jahr 2012 sagte Mentzels Freund Oliver Kalkofe - der ihn in seiner Sendung immer wieder auf die Schippe genommen hatte - anerkennend: „So was wie Achim Mentzel wird heute leider nicht mehr hergestellt. Früher ließ man noch Charakterköpfe auf den Sender, egal was für bescheuerte Quadratschädel das waren. Heute gibt es fast nur noch Moderatoren, die gleich und nett aussehen, problemlos funktionieren und sprechen können ohne hinzufallen - dafür aber völlig austauschbar.“

„Mir fehlen gerade die Worte ..., muss gerade die Tränen aus den Augen wischen“, schrieb Kalkofe auf Facebook zur Nachricht vom Tode seines Freundes. Später ergänzte er: „Alter Freund, ich vermisse Dich! Du hast mir den Glauben an die Menschheit (beim Fernsehen) wieder gegeben. Danke für alles.“ Und weiter:

Der Musiker und Moderator Florian Silbereisen schrieb am Montagabend bei Facebook: „In seiner Show hatte ich meinen ersten Auftritt beim MDR, meinem heutigen „Heimatsender“. Ich bin ganz traurig! Servus, Achim!“  An diesem Dienstagabend hatte Mentzel eigentlich in der NDR-Sendung „Gottschalk, Carrell & Co. - Showmaster von Beruf“ auftreten sollen. Der mehrmals verheiratete Künstler hinterlässt neben seiner Ehefrau Brigitte mehrere Kinder.

LVZ

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