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Actionreicher Thriller des English Theatre Leipzig im Neuen Schauspiel

Premiere Actionreicher Thriller des English Theatre Leipzig im Neuen Schauspiel

Was macht einen Killer zum Killer? Diese Frage stellt das Theaterstück „Roberto Zucco“, das am Donnerstag vom English Theatre Leipzig im Neuen Schauspiel aufgeführt wurde. Es ist das letzte und erfolgreichste Drama des 1989 verstorbenen französischen Autors Bernard-Marie Koltès.

Helfer, Opfer, Jäger – und ein Täter (Robert Günschmann unterm Tisch): Ensemble des English Theatre Leipzig im Neuen Schauspiel.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Dabei handelt es sich um die auf einem authentischen Kriminalfall beruhende Geschichte eines gebildeten jungen Mannes, der seinen Vater umbringt, im Gefängnis einsitzt, flieht, daraufhin seine Mutter tötet, den Sohn einer als Geisel genommenen reichen Frau erschießt und ein Mädchen missbraucht und damit ihr Leben zerstört, so dass es in der Gosse endet. Am Schluss schließt sich der Kreis, Roberto wird erneut gefangen genommen, nachdem er einige Leichen und eine Spur der Verwüstung hinter sich gelassen hat.

Ist es für Koltès typisch, die menschlichen Beweggründe mystisch zu entfremden und zu entrücken, ihre Unergründlichkeit und Nicht-Herleitbarkeit zu betonen, arbeitet die Inszenierung von Tom Bailey deutlich die Prägung der Individuen durch das Milieu heraus: Da wird gebrüllt, geschlagen und getreten, um vorzuführen, wie der Einzelne durch die Härte des zwischenmenschlichen Umgangs schon im engsten Familienkreis vertiert. Erfahren wir wenig von Robertos Herkunft, so kreist die Handlung besonders um die proletarische Familie des in ihn verliebten Mädchens, deren grauer, leerer Alltag von Alkohol, Lieblosigkeit und Pöbeleien bestimmt wird und deren schwächstes Glied, die besagte kleine Schwester, vom Bruder erniedrigt und kontrolliert, später sogar verkauft wird.

Das Mädchen hat wie alle außer Roberto keinen Namen, die Personen sind zu Typen reduziert und bevölkern eine Halbwelt. Zuweilen taucht die Handlung ganz in die Unterwelt ab: Auf dunklen Metrostationen, auf der Bank sitzend neben einem alten Herrn, schwingt sich Roberto dazu auf, sich selbst als ganz normalen, vernünftigen Menschen zu bezeichnen. Dort entwickelt er seine Vision des Idealzustands, transparent zu sein, unsichtbar gleich einem Chamäleon; nur das Blut übersieht man nicht.

Der Wahnsinn schillert hinter Robertos Stirn

In solchen Momenten schillert der Wahnsinn hinter Robertos Stirn, und tatsächlich ist es wohl „sheer evil“, das Böse an sich, das kein Motiv für eine Tat braucht und sich deshalb nicht erklären lässt. Erklärt wird auch nicht, warum nicht all die anderen degenerierten Menschen trotz ihrer Brutalität den letzten Schritt tun und zu Mördern werden, sondern nur Roberto, der nihilistisch Getriebene.

Dass die eingangs gestellte Frage offen bleibt, liegt wohl nicht an der Inszenierung, sondern an Koltès‘ Absicht, ein Individuum vorzuführen, das die Normalität ablehnt und das Absonderliche sucht. Auf der Bühne beläuft sich das auf viel Action, die das Publikum in Atem hält.

Das dreizehnköpfige Ensemble, zusammengestellt aus Schauspielern, deren Muttersprachen Englisch, Deutsch oder Hebräisch sind, spielt sehr engagiert und überzeugend. In der Hauptrolle sieht man Robert Günschmann, bekannt aus dem Central-Kabarett, der nicht schlecht in die Rolle des „ganz normalen Mörders“ passt. Hervorzuheben sind die Leistungen von Julia Kragh als missbrauchtes Mädchen und Michael Rousavy in diversen Polizistenrollen.

English Theatre Leipzig: „Roberto Zucco“ (in englischer Sprache), weitere Aufführungen Freitag, Samstag sowie 10. und 11. Juni, jeweils 20 Uhr, im Neuen Schauspiel (Lützner Straße 29), Karten für 12/8 Euro: 0341 92799770, info@neues-schauspiel.de

Von Juliane Lochner

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