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Adam Green und die Wunderlampe: Erst zeigt er seinen Film, dann gibt er ein Konzert im Werk 2

„Alladin“ Adam Green und die Wunderlampe: Erst zeigt er seinen Film, dann gibt er ein Konzert im Werk 2

Der US-Sänger Adam Green zeigt im Werk 2 seinen „Aladdin“-Film und gibt dann ein ausgelassenes Konzert – mit Crowdsurfing, Abklatschen und den großen Hits der vergangenen Jahre.

Kommt näher: Adam Green will seine Fans umarmen.

Quelle: André Kempner

Leipzig. „Setzt euch hin. Der Boden ist sauber. Wirklich.“ Die Stimme, die das sagt, kennt man, das Gesicht auch. Es ist Adam Green, der seinen „Aladdin“-Film im Werk 2 ankündigt. Hat er womöglich selbst gewischt? Zuzutrauen wäre es dem 35-Jährigen, der irgendwie alles kann und sich für nichts zu schade ist. So heißt es am Mittwochabend also erstmal hinsetzen und in Ruhe einen Film gucken, bevor danach das größte anzunehmende Gegenteil, ein Konzert mit Adam Green, über die Bühne geht.

Vier Jahre hat er gearbeitet an dem 80-Minuten-Film, der per Crowdfunding finanziert wurde und komplett auf Youtube zu sehen ist. Green hat den 1001-Nacht-Stoff in eine Art Zukunftszirkus verlegt. Die Wunderlampe ist hier ein 3-D-Drucker, hinter dem die CIA her ist, der aber zunächst in die Hände von Aladdin, gespielt von Adam Green, gerät, später aber – siehe Goethes Zauberlehrling – aus dem Ruder läuft – was der Welt nicht gut bekommt. Der einfache Trick: Mit Hilfe der Wunderlampe kann man nicht nur Gold, Babys oder Kondome ausdrucken, sondern eben auch Wunderlampen.

Hinein in die quietschbunte Pappmaché-Welt

Es geht um einen korrupten Sultan und dessen zickige verwöhnte Tochter, staatliche Repression, Widerstand, Sex, Drogen und Liebe. Green hat für den Film eine quietschbunte Pappmaché-Welt bauen lassen und verschiedene Lieder geschrieben, die auf dem gleichnamigen Album erschienen sind. Typische Green-Songs sind das, lässig-leichte Miniaturen voller Geistesblitze, die an aberwitzigen Assoziationsketten leuchten. Mitspielen darf neben vielen anderen Macaulay Culkin, der mal Kevin allein zu Haus war.

Was lernen wir in dem Film? Etwa, dass Menschen mit Schweinehaut überzogene Insekten sind, dass nach der Moderne alles nur noch Ironie ist, dass Pornografie und Technologie Aspekte des Fegefeuers sind – und dass Adam Green irgendwann doch im Kinderparadies abgeholt werden möchte. In Teil zwei des Abends kann er dann endlich auf die Bühne, von „Alladin“ sind noch ein bisschen Kulisse, ein Rüschenhemd und eine Art Wunderlampenschirm auf dem Kopf übrig geblieben.

Und rein ins Leben

Und rein ins Leben. Kommt näher, winken seine Hände die paar hundert Zuschauer heran. Er wird sie dort noch brauchen: Erst einmal zum innigen Abklatschen, dann zum Crowdsurfen. Vier Mal taucht er an diesem Abend in die Menge, die ihn jedes Mal wohlbehalten zurück nach oben und zu seiner Band transportiert. Dort hüpft er wie ein Flummi, inszeniert sein Best-Of und die sich gut einfügenden Neulinge mit einem ausgelassenen Ausdruckstanz, bei dem schon mal aus Versehen das Mikro auf den Boden kracht.

Es sind eigentlich immer mindestens zwei Songs in einem, die Green präsentiert. Da sind einmal die klaren, volks- und kinderliedartigen Melodien, die Green in seinem irgendwo zwischen Jim Morrison und Lou Reed vibrierenden Bariton vorträgt. Und dann sind da die todtraurigen, zynischen wie klugen Texte, die hinter der gefälligen Musik als lästige Alpträume ihr Unwesen treiben. Es gibt das volle Programm, die „Bluebirds“ und die „Gemstones“, es geht auf die „Tropical Island“; die Überfahrt wird mit einem Kokomo-Intro eingeleitet. „Emily“ kommt zu ihrem Recht, wie die Fans, die ihren Star nicht nur anfassen dürfen, sondern auch Wünsche erfüllt bekommen. Das verstörend-bittersüße „Baby’s Gonna Die Tonight“ wünscht sich eine, „Bungee“ ein anderer. „Das mag ich.“ Bei „Jessica“ darf ein Fan auf die Bühne, mitsingen und ein bisschen crowdsurfen. Zum Schluss gibt es „Dance With Me“ und Autogramme. „Ihr müsst nichts kaufen, ich unterschreibe überall, ob auf euren T-Shirts oder eurem Schwanz.“

Wunderbar und nahbar ist er, dieser verrückte Kerl. So einen kann man sich nicht ausdrucken.

Von Jürgen Kleindienst

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