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Adel verpflichtet - Ausstellung über Oberlausitz und Schlesien

Adel verpflichtet - Ausstellung über Oberlausitz und Schlesien

„Adel verpflichtet“, findet Hansheinrich Schnorr von Carolsfeld. Der Unternehmensberater aus Mainz (Rheinland-Pfalz) hat ganz im Osten Sachsens Land zurückgekauft, das seine Familie 1945 nach der Enteignung verloren hatte.

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Blick auf den Kaisertrutz in Görlitz. Dem Adel in Schlesien und in der Oberlausitz widmet sich 2014 ein grenzüberschreitendes Ausstellungsprojekt.

Quelle: dpa

Görlitz. „Ich bin nicht freiwillig weggegangen, doch die Verbindung ist nie abgebrochen“, betont der 77-jährige. Orangerie und Herrenhaus in Arnsdorf bei Görlitz ließ er seit 1996 schrittweise sanieren.

Eine Ausstellung in Görlitz wird sich 2014 dem Adel in Schlesien und der Oberlausitz widmen. Auch Schnorr von Carolsfelds Familiengeschichte soll darin ihren Platz bekommen.

„Für mich ist Arnsdorf immer noch Heimat“, gesteht der agile Pendler zwischen Ost und West. Um einen Teil des einst enteigneten Landes kümmert er sich längst wieder - wie seine Vorfahren, die mehr als 300 Jahre dort lebten. „Die Ausstellung ist ein erster Schritt zu würdigen, dass sich der Adel für das Allgemeinwohl eingesetzt hat“, urteilt Schnorr von Carolsfeld.

Tatsächlich ist genau das ein Ansatz, den die Gestalter der geplanten Schau im Görlitzer Kaisertrutz verfolgen. „Wir wollen Geschichtsbilder gerade rücken, ohne den Adel zu glorifizieren“, sagt Kai Wenzel. Der Kunsthistoriker arbeitet in der Neißestadt am Kulturhistorischen Museum, das die Ausstellung mit dem Schlesischen Museum zu Görlitz vorbereitet. Unter dem Titel „Beharren im Wandel“ soll sie ab 24. Mai Einblicke geben, wie der Adel bei aller Tradition mit Veränderungen umging, etwa nach der bürgerlichen Revolution 1848/49 oder der Gründung des Deutschen Reiches 1871.

Dramatisch und einschneidend nennt Wenzel die Folgen des Zweiten Weltkrieges. Getreu der Parole „Junkerland in Bauernhand“ wurden 1945 viele Großgrundbesitzer mit der Bodenreform in Ostdeutschland enteignet. „In Schlesien ist die Adelslandschaft durch Flucht und Vertreibung total zusammengebrochen“, berichtet Wenzel. Als die Gebiete östlich der Neiße zu Polen kamen, seien viele Familien nach Westdeutschland gegangen. „Sie konnten nicht viel mitnehmen, oft nur ein paar Koffer. Ihnen blieb meist nicht mehr als der Name.“

Längst hat sich die Sicht auf die Junker gewandelt. „In Polen ist der Adel in viel stärkerem Maße gesellschaftlich rehabilitiert“, sagt Markus Bauer, der Direktor des Schlesischen Museums. Er habe dort großen Respekt gegenüber Stand und Namen beobachtet. „Vertreter von Adelsfamilien, auch deutschen, sind Identifikationsfiguren für die Geschichte eines Ortes oder einer Region.“ Sie stellten eine Brücke in die Vergangenheit dar, weil sie über Jahrhunderte hinweg die Landschaft geformt hätten. So gebe es in ganz Schlesien noch etwa 2000 Schlösser.

Besonders markant sei das Hirschberger Tal, aristokratisch geprägt

mit seinen aneinander gereihten herrschaftlichen Anlagen, sagt Bauer über eine der schlösserreichsten Gegenden in Europa. Die Adligen selbst haben eine starke emotionale Bindung an diese Orte, gerade wenn sie eine langen Ahnengeschichte haben. „Viele haben den Weg zurück gefunden.“

Elisabeth und Ulrich von Küster etwa erweckten Lomnica (Lomnitz) vor den Toren der polnischen Stadt Jelenia Gora (Hirschberg) aus dem Dornröschenschlaf. Das Anwesen gehörte bis 1945 der Familie des Mannes, der als Richter in Görlitz arbeitet. Die zwei Schlösser sind längst saniert. Im kleineren von beiden hat das Ehepaar ein Hotel mit Restaurant eingerichtet, und das wiederhergestellte Areal mit Park und Gutshof ist inzwischen zu einem beliebten Ausflugsziel geworden - für deutsche und polnische Gäste.

Der Historiker Bauer findet: „Dem Adel kommt eine völkerverbindende Rolle zu.“ Man könne ihn sogar als Vorläufer des kulturellen europäischen Zusammenschlusses ansehen, da er über Staatsgrenzen hinweg ein weitläufiges Netzwerk geknüpft habe.

Auch andere Museen der Region zeichnen die Entwicklung nach. Das Universitätsmuseum in Wroclaw (Breslau) und das Kupfermuseum in Legnica (Liegnitz) ergänzen das Thema mit eigenen Ausstellungen. „So etwas hat es noch nicht gegeben“, sagt Bauer.

Anett Böttger, dpa

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