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Aggressionsabbau, Obszönität und Liebe: Deez Nuts im Leipziger Felsenkeller

Hardcore-Konzert Aggressionsabbau, Obszönität und Liebe: Deez Nuts im Leipziger Felsenkeller

Fast geschafft: Zum vorletzten Termin einer 64-teiligen Tour hat die australische Hardcore-Band Deez Nuts Samstagnacht im Felsenkeller gewütet. Wobei sich die Szene trotz aller Härte zwischen Metal und Hip Hop vor allem durch ihre Freundlichkeit auszeichnet – wie auch das Leipziger Konzert wieder illustrierte.

Familientreffen: Deez Nuts im Felsenkeller.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Das Kindergartenspiel unter den Pogo-Varianten nennt sich Circle Pit. Kann man sich bei Wall of Death oder Stage Diving mitunter ernsthaft wehtun, so läuft man beim Circle Pit, nun ja, im Kreis. Es ist nicht ohne Ironie, dass diese Spielart ausgerechnet im Hardcore beliebt ist, der sich Anfang der 1980er als brachiale Variante des Punk entwickelte. Läuft man gerade nicht im Kreis, schlägt man aber stilecht im Ausfallsprung um sich, was ein wenig wirkt wie Aerobic auf Speed.

Am Samstag lud der Felsenkeller in Kooperation mit Endless Booking die Australier Deez Nuts zu ihrer vorletzten Station einer seit September mit 64 Terminen vollgepackten Tour zur neuen Platte „Word Is Bond“. Deez Nuts gehören zu einer neuen Hardcore-Welle, oft MetalCore genannt, die auf den Alternative-Tanzflächen seit etwa Mitte der 2000er den Nu Metal abgelöst hat.

Im Gepäck hat die Band um Sänger JJ Peters ein internationales Line-up an Freunden: Louie Knuxx aus Neuseeland liefert zu Beginn rauen Hip Hop mit einer natürlichen Obszönität, von der Deutsche Gangsta-Rapper nur träumen können, vor allem, wenn sie wie jüngst, weinerlich auf Parodien ihres Genres reagieren. Im Anschluss spielen Expire aus den USA wütend geschrienen Hardcore. Die Belgier von Nasty erinnern in ihren großen Sporthemden optisch an die Szene-Veteranen Suicidal Tendencies, kommen musikalisch aber wesentlich brachialer um die Ecke und haben sogar einen deutschsprachigen Song dabei.

Sinn für Familie

Deez Nuts schließlich beginnen mit Hip-Hop-Allüre, um sich sogleich in ein Uptempo-Hardcore-Brett zu werfen. Kurz danach wird mit „(Tonight We’re Gonna Party) Like There’s No Tomorrow“ das vielen in den Beinen steckende Motto des Abends geliefert. Rap-Parts, Metal-Shouts und melodiöse Refrains bringen den Felsenkeller wortwörtlich zum Beben: Das Parket vibriert im Rhythmus. Neben kritischen Songs wie „I Hustle Every Day“ darf jeder seine angestaute Aggression zur Wut-Hymne „Your Mother Should Have Swallowed You“ auf der Tanzfläche abreagieren. Mit „Band of Brothers“ endet der Auftritt nach einer Stunde gefühlt zu früh.

Neben aller Härte ist das Wort des Abends erstaunlicherweise: Liebe. Hardcore lebt von beständiger Gemeinschafts-Selbstversicherung. Bands und Publikum zollen sich gegenseitig Respekt und Dankbarkeit, mit viel Sentimentalität und Familiensinn bezeugen alle fortwährend, wie sehr sie einander lieben. Wie zur Zusammenfassung steht auf Nasty-Shirts: „Got love for each other, cause this world got none“. Aber es geht um mehr als Gruppenzugehörigkeit: Fernab von Szene-Engstirnigkeit sieht man sich als offene Gemeinschaft von Individuen, die auch bereit scheint, sich auf neue und andersartige Einflüsse einzulassen. Nasty-Sänger Matthias findet deutliche Worte gegen alles rechts ab CSU. Am Ende kommt es darauf an, miteinander unbeschwert feiern zu können, ohne jemanden auszugrenzen. Ein wichtiges Statement, gerade in diesen Zeiten: Die Freiheit der Welt wird nicht mit Bomben, sondern im Tanzsaal verteidigt.

Von Karsten Kriesel

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