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Al Bano & Romina Power sind wieder auf Tour - Stop in Leipzig

Das Comeback des Jahres Al Bano & Romina Power sind wieder auf Tour - Stop in Leipzig

Sie waren das Traumpaar des Italo-Pop: Al Bano & Romina Power. Nun kommen sie zurück auf die Bühne, auch nach Deutschland: Am 10. November gibt es ein Konzert in Leipzig, außerdem machen sie in Oberhausen, Nürnberg, Hannover und Hamburg halt.

Damals: Romina Power und Albano Carrisi beim letzten gemeinsamen Auftritt 1996 in Leipzig.
 

Quelle: LVZ

Leipzig. „Wenn Sie auch nur eine Frage zur verschwundenen Tochter stellen“, raunt der Pressebetreuer, derweil Romina Power und Albano Carrisi noch über den Frühstückstee diskutieren, „breche ich das Interview sofort ab“. Frau Power ist 64 Jahre alt, Herr Carrisi hat 74 Lenze gesehen, da müssten die beiden eigentlich selbst in der Lage sein, zu klären, worüber sie reden wollen und worüber nicht. Aber hier, im Besprechungsraum „Johann Sebastian Bach“ im feinen Berliner Westin, soll es eben nicht um den Schlagschatten auf beider Leben gehen: das spurlose Verschwinden der damals 23-jährigen Tochter Ylenia in New Orleans am Silvesterabend 1995. Denn der tragische Verlust und der jeweils andere Umgang damit führten dazu, dass die Ehe zerbrach. 1999 ließen sie sich scheiden. Und auch ihr Schlager-Duo hörte auf zu existieren.

Nun sind sie wieder da. Ein russischer Oligarch brachte die beiden 2013 für ein Konzert in Moskau zusammen, es folgten Auftritte in der Arena von Verona, in Taormina, auf der Waldbühne in Berlin – und nun touren sie: Al Bano & Romina Power, das einstige Traumpaar des Italo-Pop. Am 10. November führt ihre erste Tour seit über zwei Jahrzehnten sie in die Arena Leipzig. Und darum soll es, natürlich, gehen beim Plauderstündchen in Berlin.

Im Dezember 1996 in Leipzig

Ob sie sich noch an den 20. Dezember 1996 erinnern? Ratlose Gesichter bei der auffallend bunt gewandeten Diva und unter der Krempe ihres Ex-Mannes, der den Borsalino nicht ablegt – wohl weil das wieder sehr schwarze Haar mittlerweile deutlich weiter hinten erst zu wallen beginnt. Hinten atmet der Aufpasser schwer: 1996 – eine Frage aus dem Herzen der schweren Zeit. Aber sie ist ganz unverfänglich: Am 20. Dezember 1996 hatten die beiden ihren für lange Zeit letzten gemeinsamen Auftritt – in Leipzig im Rahmen der Jose-Carreras-Gala.

Die Mienen hellen sich auf, Rominas Yorkshire Daisy wedelt vergnügt, der Aufpasser seufzt erleichtert. „Doch“, sagen Romina und Albano wie aus einem Mund, daran erinnern sie sich. „Es war“, fügt sie hinzu, „ein schönes Gefühl, auf der Bühne das Geschehene ausblenden zu können“. Und warum haben die beiden dann 17 Jahre gewartet bis zu ihrem nächsten gemeinsamen Auftritt? Albano: „Wissen Sie, die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion befanden sich ein halbes Jahrhundert lang im Kalten Krieg, unser Kalter Krieg war immerhin deutlich kürzer.“ Romina schüttelt unter mittlerweile blonden Haaren den Kopf: „Ich musste mich erst einmal neu definieren, bin gereist, habe gemalt, geschrieben, Romane, Gedichte – von denen ich eines auch bei unseren Konzerten vorlese. Ich brauchte Abstand, mit einem Kalten Krieg hatte das nichts zu tun.“ „Ironia, cara, ironia“, sänftelt Albano: „Ironie, meine Liebe, das war Ironie.“ Nun lächeln beide sich offen an – bisweilen blitzt es also doch noch auf, das blinde Einverständnis eines alten Ehepaares, das so viel erlebt hat.

Der Kalte Krieg gibt der Tour aber doch den Rahmen vor: „Wir spielen“, sagt Romina, die in den Staaten geborene Tochter des Hollywood-Superstars Tyrone Power, die seit Langem wieder in Kalifornien lebt, „mit den Klischees unserer Welten: In unserer Show diskutieren die USA musikalisch mit Italien.“ Wer da für welches Land eintritt, ist klar: Albano ist seiner apulischen Heimat treu geblieben, hat im italienischen Fernsehen als Moderator und Musiker nie aufgehört, im Rampenlicht zu stehen. Also sind für ihn die Tenor-Klischees reserviert, von „O sole mio“ bis „Mamma“. Romina ist folglich in den solistischen Teilen der Show für die amerikanischen Momente zuständig. „Ich singe zum Beispiel ,All You Need Is Love’“. Nun gut, ein britischer Song, aber der Botschaft ist kaum zu widersprechen. Albano tut es dennoch: „Ich kontere mit ,Caruso’ – wir Italiener können ohne Musik nicht leben, geschweige denn lieben.“

Sie können es noch

Gemeinsam singen die beiden einige neue Lieder, nachzuhören auf der aktuellen CD, die transatlantisch produziert wurde: Albano sang daheim im Studio, schickte die Bänder nach Los Angeles, wo Romina ihren Beitrag leistete.

Sie können es noch: Albanos Tenor klingt metallisch, geschmeidig, hell wie vor 30 Jahren, Rominas Mezzo hat in der Tiefe an Volumen gewonnen, an Kraft, Ausdruck. Und doch kann kein Zweifel daran bestehen, warum die Menschen zu ihren Konzerten strömen: Sie wollen die alten Hits hören.

Dabei hat die Welt sich verändert, seit die beiden auf dem Gipfel ihres Ruhmes standen. Damals hatten wir Kohl und Honecker, heute haben wir nur Angela Merkel. Die USA hatten Jimmy Carter, die Italiener Giulio Andreotti, zum Beispiel. Berlusconi gab es schon, „aber wir konnten ihn noch nicht sehen“, sagt Albano, und im Angesicht der heutigen politischen Lage in seinem Land und in Europa verdreht er die Augen. Seine Ex-Gattin hat es nicht besser getroffen: „Wir haben die Wahl zwischen Hillary Clinton und Donald Trump, das ist für mich eine Wahl zwischen zwei schweren Krankheiten. Ich halte es für einen großen Fehler, dass die Demokraten Bernie Sanders nicht nominiert haben. So wie es jetzt ist, freue ich mich über jeden Tag, an dem ich diese beiden Gesichter nicht sehen muss. Auch darum bin ich so gerne in Italien, überhaupt in Europa. Barack Obama wird uns fehlen, er ist klug, elegant, eloquent – und hat Visionen.“

Trump, Clinton, Sanders, Obama – die Namen alarmieren unseren Aufseher, der nicht wirklich Italienisch versteht, aber nun ahnt, dass es um Politik geht. „Redet doch mal über die Tour“, schlägt er aus dem Off vor. „Haben wir schon, haben wir schon“, antwortet Albano wahrheitsgemäß. „Dann“, neuer Vorschlag, „müsst ihr noch über deinen Wein sprechen, Albano, und über dein Öl, Romina!“

Verkostungen für Fans

Keine schlechten Themen. Albanos Winzerei hat nichts mit dem Hobby eines gelangweilten Ex-Stars zu tun. Als Weinmacher ist er eine Nummer in Apulien, seine Keller haben unter dem Label Cantavino maßgeblich zur internationalen Wertschätzung süditalienischer Weine beigetragen. Und nach jedem Konzert bittet der stolze Önologe Fans zur Verkostung an eine lange Tafel auf der Bühne. „Im letzten Jahr“, sagt er, „haben wir über eine Million Flaschen verkauft, in diesem Jahr könnten es anderthalb Millionen werden“. Damit ist die Ausbeute seiner Güter noch nicht vorbei: Cantavino bietet Grappa, Likör, Aceto Balsamico, Pasta-Saucen, natürlich Olivenöl an.

Letzteres ist Rominas Domäne: Sie hat rund um Brindisi ausgedehnte Plantagen, keltert Extravergine – und hat sich darauf verlegt, es unter der Marke „RYL – natural Power“ zu Kosmetika zu verarbeiten. „Ich habe nach Mitteln gesucht, die meiner Haut helfen“, sagt sie und streicht sich dabei über die Wangen. „Und da mich nichts überzeugte, habe ich mir meine Pflegeserie selbst gemacht.“ Offenbar mit Erfolg.

Der künstlerische Erfolg der beiden liegt dennoch Jahrzehnte zurück. Denn auch vor der Tochter und der Trennung hatte ihr Stern bereits zu sinken begonnen. Al Bano & Romina Power sind Gewächse der 80er. Ihr Superhit „Felicità“ hielt sich 1982 40 Wochen lang in den (bundes-)deutschen Top Ten, „Sempre, sempre“ 1986 noch 18. Danach schaffte es hierzulande keine Single der beiden mehr unter die ersten zehn. Das nährt den Verdacht, dass zu den Comeback-Konzerten auch das Publikum allenfalls zurückkommt. „Aber das ist“, sagt Romina, „nicht so: Unsere Fans haben uns über all die Jahre nicht vergessen. Dafür bin ich unendlich dankbar. Aber jetzt kommen sie nicht alleine. Sie bringen ihre Kinder mit und ihre Enkel. Unsere Konzerte, das sind Familienfeste.“ Natürlich spielt bei diesen musikalischen Familienkonzerten die Nostalgie die erste Geige. Italien gegen Amerika, Solo-Nummern sowie neue Songs hin wie her: Im Zentrum stehen die alten Hits.

Immer wieder „Felicità“

Wie fühlt sich das an, nach all dem, was die beiden miteinander erlebt haben und jeder für sich, wieder gemeinsam von „Felicità“ zu singen, vom Glück, „sich an der Hand zu halten, einen langen Weg zu gehen“, vom Glück, das ist wie „ein Federkissen, das Wasser des Flusses, der vorüberfließt“, vom Glück, „das Licht zu dimmen um Frieden zu schließen?“

Hinter uns ist wieder ein besorgter Seufzer zu hören. Aber Albano antwortet sofort: „Das Leben ist beides: Glück und Tragödie. Es gibt keinen Tag, an dem das Schicksal uns nicht beide Seiten zeigt. Und die Musik lebt von beidem. Sie ist unsere Kraft-Fabrik.“ Da wiegt Romina wohlgefällig das schöne Haupt und wieder lächeln beide. Wer weiß – vielleicht finden sie auf der Bühne wieder ein kleines bisschen „Felicitá“.

Am 10. November treten Al Bano & Romina Power mit Band in der Arena Leipzig auf. Karten(ca. 60 – 90 Euro) sind unter anderem erhältlich im LVZ Media Store in den Höfen am Brühl, in allen LVZ-Geschäftsstellen über die gebührenfreie Tickethotline 0800 2181050 und auf www.lvz-ticket.de.

Chronologie

Albano Carrisi wird am 20. Mai 1943 als Sohn eines Bauern in Cellino San Marco, Brindisi, geboren.

Romina Power wird am 2. Oktober 1951 in Los Angeles als älteste Tochter des Hollyood Schauspielers Tyrone Power und seiner zweiten Frau Linda Christian geboren.

Al Bano ist seit 1967 als Sänger erfolgreich.

Ende der 1960er lernt er am Film-Set die Schauspielerin Romina Power kennen.

Albano Carrisi und Romina Power heiraten am 26. Juli 1970 und beginnen, Duettaufnahmen zu veröffentlichen.

Beim Grandprix d’Eurovision 1976 vertreten die beiden Italien.

1982 erreichen die beiden mit „Felicità“ beim Festival in San Remo den zweiten Platz.

1984 gewinnen sie in San Remo mit „Ci sarà“.

1985 treten sie mit „Magic, oh magic“ erneut beim Grand Prix auf.

Weitere Erfolge 1987: „Nostalgia canaglia“, Dritter in San Remo, und „Libertà“.

1989 Mit „Cara terra mia“ wieder Dritte in San Remo.

1994 verschwindet Ylenia, die älteste Tochter von Carrisi und Power, in New Orleans. Die Eltern geben eine Vermisstenanzeige auf; diverse Medien aus Italien und den USA berichten wochenlang darüber. Das Paar veröffentlich das Album „Emozionale“ mit vielen Anspielungen auf das rätselhafte Verschwinden der Tochter. Besonders die Single „Dammi un segno“ (Gib mir ein Zeichen) gibt Einblicke in das Gefühlschaos der Eltern.

Während Romina Power noch heute glaubt, dass die Tochter noch lebt, ist Carrisi der Meinung, Ylenia habe Suizid verübt. Bis heute ist ihr Verbleib ungeklärt. Erst Im Dezember 2014 wird sie auf Betreiben des Vaters von einem italienischen Gericht für tot erklärt.

Trotz dieser Versuche, das Geschehene zu verarbeiten, zerbricht die Ehe und damit auch die musikalische Gemeinschaft: 1999 lassen die beiden sich scheiden. Al Bano startet danach eine erfolgreiche Solokarriere.

Seit 2013 treten Al Bano & Romina Power wieder gemeinsam auf.

2016: erste gemeinsame Tour seit mehr als 20 Jahren.

Von Peter Korfmacher

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