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Alle Jahre wieder: Phillip Boas Leipziger Weihnachtskonzerte

Moritzbastei Alle Jahre wieder: Phillip Boas Leipziger Weihnachtskonzerte

Seit 15 Jahren schart Phillip Boa seine Fans zu Weihnachten in der Moritzbastei um sich. Nicht nur die Anhänger aus Leipzig: Das erste von drei Konzerten am Samstagabend war ebenso ausverkauft wie die beiden folgenden am Sonntag und Montag. Entsprechend routiniert spult der Indie-Altmeister sein Programm ab.

Alle Jahre wieder: Phillip Boa samt Voodooclub in der Moritzbastei.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Weihnachten, das ist traditionell ein besinnliches Zusammenkommen mit den Liebsten, ein sanftes Feiern kleinerer und größerer Feste, sowie, des öfteren, auch ein Zurückblicken auf das Vergangene. Wie jeder Brauch darf und muss auch dies heidnische Heiligtum irgendwann eine Neuinterpretation erfahren, warum also nicht mal ein Rockkonzert am Weihnachtsfeiertag besuchen?

Die Rede ist hier von den traditionellen Weihnachtskonzerten Phillip Boas und seiner Band, dem Voodooclub. Zahlreich erschienen ist das Publikum am ersten der insgesamt drei Abende, die eine mittlerweile fünfzehn jährige Tradition manifestieren. Zahlreich werden sie auch in den folgenden Abenden kommen, denn einmal mehr verkauft Boa alle drei seiner aufeinanderfolgenden Konzerte in der Leipziger Moritzbastei aus.

Erhaben wie Caesar

Mit orchestralem Gedonner vom Band bewegt sich seine Majestät, gewohnt im dunklen Einreiher mit passender Krawatte gekleidet, auf die Bühne. Reichlich erhaben wie Caesar selbst, ein bisschen steif und stets die Diva, in jeder Hinsicht aber unnahbar. Ohnehin ist das jedoch, was Boas Fans erwartet haben und nach wie vor an ihm mögen, der störrische Querkopf der deutschen Musiklandschaft hat und hatte stets sein Gefolge.

Um sich geschart hat er seinen Voodooclub, der in den letzten Jahren hier und da mehrfache Neubesetzungen erfahren hat. Der Euphorie im Publikum tut so etwas längst keinen Abbruch, denn ganz gleich, wer da in die Saiten oder Felle hauen darf, im Zentrum steht noch immer Phillip Boa selbst. So dirigiert der gebürtige Dortmunder ein gut gewähltes Potpourri seiner eigenen Discographie und lässt sich selbstsicher aus der Hand fressen.

Vom Bühnengraben bis in die letzte Reihe gefallen die ausgewählten Stücke sichtlich jedem, ganz besonders aber Boa selbst. Dieser weiß um seine Popularität vergangener Tage, zeigt sich während der ersten Hälfte des Konzertes weder umgänglich noch beeindruckt vom Jubel, und kämpft sichtbar missgestimmt mit Monitoring-Problemen und dem Mikrofonständer. Vor der Bühne interessiert Boas Performance eigentlich niemanden, ein überaus gut gefüllter Saal springt, tanzt, singt mit und reckt schon mal dankbar die gehörnte Hand in die Luft.

Irgendwo zwischen Dekonstruktion und Coverversion

Mitte der 90er Jahre hatten Boa und Band den typischen Independent-Sound der New-Wave- und Post-Punk-Bands der britischen Inseln nach Deutschland geholt und wurden schnell eine der wenigen Gruppen, die auch internationalen Vergleichen der Musikpresse standhielt. Im Livekontext gerät dieser Sound heute zu einer Bearbeitung, die sich irgendwo zwischen Dekonstruktion, Coverversion, natürlich auch Neuinterpretation einer stark subkulturellen Rockmusik vergangener Tage bewegt.

So scheint, wer an eines der drei Boa-Konzerte besucht, schnuppert nicht mal eben rein in jenen exzentrischen Klangkosmos, sondern ist meist Fan der ersten Stunde. Das spiegelt sich in einem homogenen Publikum mittleren Alters wider, das sich zum zweiten Weihnachtsfeiertag mal erlaubt hat, den altbackenen Familienritualen zu entfliehen, um hier noch mal die Hits ihres jüngeren Ichs zu feiern. Das Konzept geht auf und nach einer Show ohne Längen, ohne Höhen, ohne Tiefen, hat man den Abend und beinahe schon das ganze Jahr hinter sich gebracht.

Auch die übrigen beiden der drei diesjährigen Boa-Konzerte – Sonntag und Montagabend in der Moritzbastei – sind ausverkauft.

Von Stefan Kutschera

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