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Alles auf Anfang: Paul Kalkbrenners nostalgische Techno-Beats im Werk 2

Partynacht Alles auf Anfang: Paul Kalkbrenners nostalgische Techno-Beats im Werk 2

Einer der gefragtesten Techno-Musiker der Welt, DJ für den Soundtrack der späten Nullerjahre – so oder so ähnlich lauten die Lobeshymnen, die Paul Kalkbrenner wie eine wabernde Wolke umgeben. Am Donnerstag hat er im ausverkauften Werk 2 aufgelegt.

So sieht ein Techno-Historiker bei der Arbeit aus: Paul Kalkbrenner im Leipziger Werk 2.
 

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig.  Einer der gefragtesten Techno-Musiker der Welt, DJ für den Soundtrack der späten Nullerjahre – so oder so ähnlich lauten die Lobeshymnen, die Paul Kalkbrenner wie eine wabernde Wolke umgeben. Kein Wunder, er ist wohl einer der wenigen deutschen DJs, die internationale Berühmtheit erlangt haben. Von Festivals in China über das seit Jahren gehypte „Tomorrowland“, Paul ist der Magnet, der alle Fans des totgeglaubten Technos anzieht. Schon Wochen zuvor war das Konzert im Werk 2 ausverkauft. Am Donnerstagabend wurde es zur Pilgerstätte, um die Beats der 90er wieder aufleben zu lassen, von Leuten, die im letzten Jahrhundert beim Raven dabei waren, bis hin zu denen, die gern dabei gewesen wären.

Statt eigenen Tracks präsentierte Paul Kalkbrenner eine musikalische Reise durch seine Raver-Jugend.

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Es beginnt, der Berliner versinkt in weißem Schein der Beleuchtung, die Pfeile der Lichtinstallation deuten auf ihn – er weiß sich selbst zu inszenieren. Um seine eigene Musik geht es heute aber nicht, Kalkbrenner ist wieder zum alten Handwerk zurückgekehrt, fungiert als „richtiger“ DJ. Ergo: keine eigenen Tracks, dafür eine Zeitreise durch Paules Raver-Jugend. Denn er präsentiert Auszüge aus seinen drei „Back To The Future“-Mix­tapes, stellt die Lieder seiner jungen Jahre vor, die die Anfänge seiner Passion zu dieser Musikrichtung widerspiegeln.

Vor ungefähr anderthalb Jahren hat er die Suche nach den vergessenen Undergroundtracks der frühen 90er begonnen und dafür das Internet nach den Wurzeln der Berliner Electro-Szene durchsucht. Diese begann ihren Aufstieg zu eben dieser Zeit, bekam Rückenwind durch den Mauerfall und die damit einhergehenden diversen Einflüsse – eine Entwicklung, die Kalkbrenner mit der Trilogie ausdrücken möchte.

Eine angenehme Monotonie liegt in den alten Beats

Die Nebelschwaden zeigen nur Schemen auf der Bühne, das grelle Licht lässt ihn ganz und gar mit dem Raum verschmelzen. Die Konzentration liegt nun vollkommen auf der Musik. Einflüsse der Disco-Ära sind deutlich zu hören, dennoch beherrscht der minimalistische Rhythmus der Drums die Halle. Fast ohne Samples kommen die metallischen, futuristischen Klänge der damaligen Technomusik aus. Die Titel sind aus ganz Europa und den USA, in den alten Beats schlummert eine angenehme Monotonie, die Synthesizer tun ihr übriges.

Kalkbrenner selbst ist hinter dem DJ-Pult gar nicht ruhig zu kriegen und feiert seine Sammlungen der Techno-Geschichte gebührend. Zur Konzeption aus Licht und Musik gesellen sich Projektionen an die kalten Betonwände des Clubs, verlassene Gebäude, alte Fabrikhallen, die zum Feeling der elektronischen Undergroundszene beitragen.

Als eigenständiger Musiker konnt er zuletzt allerdings nicht brillieren, zumindest nicht mit dem jüngsten Werk „7“. Keine Überraschungen, eher seicht dahin dümpelnd und ohne Tiefgang – so war sich das deutsche Feuilleton einig. Was ist denn aus dem Künstler geworden, der seine Zuhörer schon mit seinen Ostberliner Titeln wie „Schnurbi“ und „Jestrüpp“ gewann? Er hat sein Vorhaben umgesetzt, poppiger zu werden, für alle erreichbarer zu sein. Das heißt aber auch, mit der Masse zu schwimmen. Passend dazu sein Credo der vergangenen Jahre: „Techno für alle von 8 bis 88“. Dadurch bugsierte er sich selbst in die unliebsame Mainstream-Schublade.

Doch aus dieser ist er mit der Zusammenstellung von „Back To The Future“ herausgeklettert, bringt Freude in die Gesichter aller Technofans der ersten Stunde und erntet auf seiner Tour ausverkaufte Hallen. Noch bis Juli zieht er mit seinen neuen Platten durch Europa und erobert mit fast schon nostalgischen Sounds das Publikum, indem er es zum wummernden Elektro-Sound durch die Nacht tänzeln lässt.

Von Sarah Englisch

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