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Allzu menschelnd: Pur in der Arena mit den Prinzen als Überraschungsgästen

6000 Fans Allzu menschelnd: Pur in der Arena mit den Prinzen als Überraschungsgästen

Melodie-Pop und ehrliche Arbeit: Rund 6000 Fans haben Pur am Sonntagabend in der Arena Leipzig gefeiert. Als Überraschungsgäste holten sie die Leipziger Prinzen auf die Bühne.

Pur-Party in der Arena Leipzig.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Irgendwann brachte es in einem Interview Pur-Häuptling Hartmut Engler mal auf den Punkt, was eine Rezeptzutat für den Erfolg seiner Band sein könnte: „Neu erfinden ist gar nicht unser Ding“, ließ er da verlauten: „Wir machen die Musik, die wir können.“ Und das seit inzwischen über drei Jahrzehnten. Am Sonntag gastierten Pur im Rahmen ihrer „Achtung“-Tour in der Arena Leipzig.

Und machten dort eben ihr Ding. Also zur Begeisterung der rund 6000 Fans in der zu soliden drei Vierteln gefüllten Halle, diese Musik spielen, die Pur seit eh und je spielen und zu der allzu viel „Können“ nicht wirklich nötig ist. Denn da muss man weder drum herumreden, noch in jene Häme einstimmen, mit der die Band ja nach wie vor von einigen bedacht wird: Aber sowohl was die Kompositionen als auch deren Darbietung betrifft, liefern Pur tatsächlich eben kaum mehr als solides Handwerk.

Handwerk hat goldenen Boden

Nun weiß man allerdings auch, dass Handwerk in Deutschland goldenen Boden hat. Weshalb hier sozusagen Erfolg und auch goldene Schallplatten für goldige Musik-Handwerker naheliegen. Was bei Pur den zweiten Erfolgsfaktor ausmacht. Den dritten und vielleicht wichtigsten aber, hat die Band im Song „Guter Stern“ selbst formuliert: „Es menschelt bei Menschen, wir stehen dazu“, heißt es dort herrlich unumwunden. Und so mag man auch beim Arena-Konzert nur staunen, welche Dimensionen das Menscheltum so annehmen kann.

Etwa bei „Wenn sie diesen Tango hört“. Ein getragenes Erinnerungs-Opus auf Trümmerfrauen und Wiederaufbau und die Zeit, die vergeht. Woraufhin eine Bildprojektion Engler mit seiner Mutter zeigt, einer recht sympathisch und rüstig wirkenden 90-jährigen Dame, die dann in „Anni“ besungen wird. Allerdings wie innehaltend vor lauter Emotion, denn, so erklärt Engler: „… manche Dinge gehen einfach zu sehr unter die Haut, auch für einen Profi-Sänger.“

Was dann wenig später folgt, mutet dagegen fast schon an wie richtig dreckiger Rock ’n’ Roll. Die Leipziger Prinzen entern da nämlich als Überraschungsgäste für einen Kurzbesuch die Bühne und verraten, dass sie mit Pur schon viel gemeinsam erlebt haben und zwar „auch viel, worüber wir nicht sprechen sollten in der Öffentlichkeit“. Echt jetzt? denkt man da. Doch bevor man beginnt, sich vertiefend vorzustellen, was genau das meinen könnte auf einer Bandbreite von Sex and Drugs bis Schwarzfahren oder kichernd anzügliche Witze erzählen, wird einem beim gemeinsam geträllerten „Du musst ein Schwein sein“ schnell klar, dass es allzu schlimm nicht gewesen sein dürfte.

Denn mag man auch Pur noch so oft mit der seltsamen Wortschöpfung „Melodik-Deutschrock“ kategorisieren, ist es doch vor allem die große, die stadionkompatible, durch und durch harmlose und wachswarme Weltumarmungsgeste des Schlagers, die die musikalische Substanz der Band ausmacht. Was sich vor allem auch dann zeigt, wenn man im Konzert zum Akustik-Medley John Lennons „Imagine“ anspielt. Da bricht für Momente ein zumindest musikalischer Qualitätskontrast auf, der sich nur überhören lässt, wenn man echter Pur-Fan ist.

Unbeirrbar und glaubwürdig

Aber natürlich geht das in Ordnung. Und selbst wenn man kein Fan ist, kann man der Band im Grunde zumindest einen gewissen Respekt zollen. Denn dass Pur in einer Zeit, in der auch noch die dämlichste Spielart von Zynismus allseits wieder schick und so gesellschaftsfähig ist, wie lange schon nicht mehr, unbeirrt und ungebrochen auf ihr „menschelndes Ding“, gerade auch in punkto Flüchtlingsthematik beharren und darin auch noch glaubwürdig wirken, spricht für sie.

Aber wie sagt Engler an einer Stelle des Konzerts: „Es kann manchmal so einfach sein. Wir kommen nach Leipzig und machen Musik, die uns gefällt und die die Fans hören wollen. Und danach geht man nach Hause oder ins Hotel, und allen geht es gut.“ Ja, so einfach mag das wirklich manchmal sein. Höher muss man das nicht hängen. Herabwürdigen aber auch nicht. Aversionen lassen sich sinnvoller ausleben als an musikalischen „Abenteuerland“-Fahrten oder Zeilen wie „Wo sind all die Indianer hin vom Stamm der Gerechtigkeit?“, die Engler mit großer Emphase und großem Federbusch singt. Häuptling aller empfindsamen Gerechten. Menschelnd – und dazu stehend.

Von Steffen Georgi

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