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Alpen-Chamäleon auf musikalischer Gipfeltour: Sophie Hunger auf der Leipziger Parkbühne

Alpen-Chamäleon auf musikalischer Gipfeltour: Sophie Hunger auf der Leipziger Parkbühne

An ihre Auftritte in der Leipziger Moritzbastei erinnert sie sich noch genau. "Die haben frühmorgens unsere kaputten Whiskyflaschen durch Kaffeefilter gegossen, damit das gute Zeug nicht verloren geht", erzählt Sophie Hunger.

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Sophie Hunger am Freitag bei ihrem Auftritt in der Messestadt.

Quelle: André Kempner

Jetzt, an diesem Freitagabend, steht sie auf der viel größeren Parkbühne im Clara-Zetkin-Park ("So viele Frauen mit Kindern hier!"), und das Freiluft-Auditorium ist ordentlich gefüllt. Kein Zweifel: Aus dem einstigen Geheimtipp ist der neue Schweizer Pop-Exportschlager geworden.

Den Aufwärm-Job zuvor übernimmt niemand Geringeres als Bruce Springsteen. Könnte zumindest meinen, wer die erdigen Gitarrensongs Mick Flannerys mit geschlossenen Augen hört. Dessen angenehme Mischung aus Gesang und Genuschel klingt perfekt wie der junge Boss der Nebraska-Zeit. Kaum zu glauben, dass Flannery aus Irland kommt und nicht aus New Jersey.

Nun aber, da Sophie Hungers jazzgrundierte Stimme frisch und frei durch alle Höhen und Tiefen wandelt und das Publikum staunend vor ihr steht, wirkt Flannery endgültig wie aus einer anderen Zeit. Einer Zeit, als das Rollen-Nachspielen noch geholfen hat. Hungers Musik dagegen, sie klingt so wie eines ihrer jüngsten Stücke heißt: "Das Neue". Ebenso unkonventionell kommen ihre Mitmusiker Alexis Anérilles, Sara Oswald, Alberto Malo, Simon Gerber und Mattis Cederberg daher, die allein schon das Eintrittsgeld wert gewesen wären. Organisch wechseln sie zwischen Bass, Trompete, Piano, Flügelhorn, Posaune(n), Minimoog, Hammond, Cello, Drums und Glockenspiel. Dazu schwebt Hunger mit ihren Stöckelschuhen über die Bühne, sitzt verträumt am Klavier, schlägt die Saiten der E-Gitarre, singt, flüstert, schreit. Diese Frau ist ebenso wenig zu fassen, wie der Titel ihres aktuellen Albums "The Danger Of Light" ernst zu nehmen ist. Angst vor dem gefährlichen Licht der Bühne oder der Öffentlichkeit? Im Gegenteil: Es ist ihr natürlicher Lebensraum!

Das haben zum Glück bereits vor Jahren einige weise U-Musik-Kenner und -Könner begriffen. Nachdem Hunger 2006 ihre Debüt-CD "Sketches On Sea" im Eigenvertrieb veröffentlicht hatte, holte sie das Schweizer Pop-Urgestein Stephan Eicher (von dem sich hierzulande leider nur der NDW-Ausrutscher "Eisbär" in den Speichern der Partyzelt-DJs festgefressen hat) ins Vorprogramm, der Blue-Note-Trompeter Erik Truffaz nahm sie mit auf Konzertreise. Die Mittzwanzigerin sog alles auf wie ein Schwamm. Presst man ihn aus, wird daraus ein grenzüberschreitenden Ereignis. Wie in Leipzig.

Ob minimaler Kammerpop, ausuferndes Avantgardekunstwerk oder dreiminütiger Radiosong - mit ihren Multi-Instrumentalisten und ihrer viersprachigen Lebenslyrik sorgt Hunger Song für Song für bislang Unerhörtes. Blues, Jazz, Folk, Chanson - alles nutzt die 30-Jährige als Mittel des persönlichen Ausdrucks, womit sie mächtig Eindruck schindet.

Das perfekte Abspulen eingeschliffener Verhaltensweisen - ihr Landsmann, Zirkusdirektor DJ Bobo, hat es fürs Genre Eurodisco bis zur Penetranz perfektioniert - ist Hungers Sache nicht. Sie spielt mit Erwartungshaltungen, sucht und findet Intensität jenseits ausgetretener Pfade. Und wenn man glaubt, jetzt kann eigentlich nichts mehr kommen, steht sie plötzlich ganz allein im Zugaben-Block mit der Akustikgitarre, und erschlägt einen ganz sanft mit ihrer Portishead-Stimme und einem zarten Singer-Songwriter-Stück.

"Do yo see me?", schrieb sie sich mal für eines ihrer Promobilder auf die Stirn. Nein, wir können Emilie Jeanne-Sophie Welti - so ihr bürgerlicher Name - nicht erkennen. Und wir wollen es auch nicht, das in Stein gemeißelte Bild von ihr, den Kopf, der wie ein Logo für einen Sound oder eine Projektionsfläche für Sehnsüchte funktioniert. Mick Jagger gibt es ja schon. Madonna auch. Da folgen wir lieber dem kosmopolitischen Alpen-Chamäleon Sophie Hunger auf seinen musikalischen Gipfeltouren. Kaum zu glauben, dass es in Leipzig so hohe Berge gibt. Andrea Schneider

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 19.08.2013

Andrea Schneider

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