Volltextsuche über das Angebot:

26 ° / 18 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Als Friedrich Schiller in die Stadt kam: Leipzig anno 1785 zeigte sich als kleines Manhattan

Als Friedrich Schiller in die Stadt kam: Leipzig anno 1785 zeigte sich als kleines Manhattan

Welchen Anblick bot Leipzig vor mehr als 200 Jahren? Dieser Frage geht von Mittwoch an eine Ausstellung unter dem Titel „Leipzig 1785. Eine Spurensuche“ auf den Grund.

Voriger Artikel
Orgel für alle - Silbermann-Tage wollen mit neuen Klängen überraschen
Nächster Artikel
54 Millionen Euro für die Mission Museum: Bundeswehr zeigt in Dresden neue Ausstellung

Sommertheater im Schillerhaus in Gohlis.

Quelle: Archiv

Leipzig. Ausgangspunkt der Schau ist die Ankunft von Friedrich Schiller in der Stadt, die seinerzeit Vergleiche mit europäischen Metropolen wie Paris oder London nicht zu fürchten brauchte.

Der große deutsche Dramatiker selbst war sich schon vor seiner Ankunft sicher, mit einem Aufenthalt in Leipzig alles richtig zu machen. „Leipzig erscheint meinen Träumen und Ahndungen, wie der rosigte Morgen jenseits den waldigen Hügeln. In meinem Leben erinnere ich mich keiner so innigen prophetischen Gewissheit, wie diese ist, daß ich in Leipzig glücklich seyn werde“, schrieb Schiller ein Vierteljahr vor seiner Ankunft.

Der Ruf vom Klein-Paris an der Pleiße eilte der Stadt im 18. Jahrhundert weit voraus. „Leipzig lief in der gleichen Kategorie wie London, Paris oder Prag“, erklärt Dietmar Schulze, der die Schau im Gohliser Schillerhaus zusammengestellt hat. In vielerlei Hinsicht bot Leipzig damals Besonderes. „Zu allererst ist die Architektur zu nennen. Die Häuser waren viel größer und höher als andernorts. Für Zeitgenossen war das ein kleines Manhattan.“

php7c4712a00b201108301152.jpg

Dietmar Schulze, Mitarbeiter des Stadtgeschichtlichen Museums am Schillerhaus.

Quelle: Archiv

Obwohl im Großraum Leipzig damals lediglich rund 30.000 Menschen lebten, sei das kulturelle Niveau unglaublich hoch gewesen. „Viele Künstler lebten in der Stadt, die Dichte an Museen und Schulen war ungewöhnlich hoch, reiche Kaufleute besaßen große Sammlungen aller Art und prächtige barocke Gärten – und wenn Messe war, vervielfachte sich die Zahl der Einwohner“, erzählt Schulze. Heutige Ortsteile wie Plagwitz, Gohlis oder Reudnitz waren hingegen noch kleine Dörfer.

All dies zeigt die Ausstellung fragmentarisch anhand vieler kleiner oder größerer Fundstücke. Eines der auffälligsten Exponate ist eine geschlossene, schwarze Sänfte. Die Tragegestelle lagen – wie es heute heißen würde – in den europäischen Großstädten voll im Trend in jenen Jahren. „Und die Leipziger mussten, bedingt auch durch die Messe, immer das Neueste haben“, weiß Historiker Schulze. Modisch machte den Pleißestädtern ohnehin keiner etwas vor. „Es gab damals wohl keine aufgetakeltere Stadt. Die Leipziger waren süchtig nach Mode, Dienstmägde verschuldeten sich, um so wie ihre Herrinnen auszusehen.“

php0738cb1940201108301151.jpg

Schillerbüste im Gohliser Schillerhaus.

Quelle: Archiv

Ohne die entsprechenden wirtschaftlichen Grundlagen war all dies selbstverständlich nicht möglich. In Leipzig blühte der Handel. Neben den Kaufleuten gab es hunderte Handwerker, aber auch schon erste Fabriken, die den Reichtum der Stadt mehrten. Sogar ein Almosenamt und ein Waisenhaus leistete sich die Kommune. „Leipzig war im Gegensatz zu anderen Städten auch besonders sauber, es wurde für Ordnung gesorgt, auch wenn es in den engen Gassen des Zentrums wegen der Latrinen fürchterlich stank“, so Schulze.

phpfc1ac2d75a201108301153.jpg

Plakette am Schillerhaus.

Quelle: Archiv

Erfahrbar ist all dies in der Ausstellung über alte Ansichtskarten, kolorierte Radierungen, historische Stadtpläne oder Zitate von berühmten und gewöhnlichen Zeitgenossen. Eine Bildfolge zeigt beispielsweise 48 Nationaltrachten vom Brezel- bis zum Zitronenverkäufer.

Das gesamte 18. Jahrhundert auf so engem Raum umfassend abzubilden ist weder möglich noch Ziel der Ausstellung. Allerdings: „Es sind viele kleine Splitter der Stadtgeschichte, die insgesamt ein Bild der damaligen Lebensweise zeichnen und viele Anekdoten erzählen“, ist Ausstellungsmacher Schulze überzeugt.

„Leipzig 1785. Eine Spurensuche“ – 31. August bis 31. Oktober, Schillerhaus, Menckestraße 42

Programm zur Ausstellung

Sonntags, 4.9., 18.9., 25.9., 2.10., 3.10., 9.10. und 30.10., jeweils 11 Uhr, Führung durch die Ausstellung

Mittwochs, 7.9. und 5.10., jeweils 15 Uhr (eintrittsfreier Mittwoch) Führung durch die Ausstellung

Donnerstag, 8.9., 19 Uhr, Gesittetes Leipzig. „Rede nicht zuviel und nicht langweilig!“ Ein heiterer Abend zu Adolph Freiherr von Knigge und den Wurzeln unserer Umgangskultur mit Frauke Krämer

Donnerstag, 15.9., 19 Uhr Gekleidetes Leipzig. „Mode ist der Tyrann der diese Stadt beherrscht...!“ Vortrag zur Kostümgeschichte mit Anne Kohlhaase

Donnerstag,  29.9., 19 Uhr Galantes Leipzig. „... weil die Leipziger Reise mit allen ihren Folgen mich dreihundert Dukaten gekostet hatte“ Giacomo Casanova in Kursachsen. Eine szenische Lesung mit Jürgen Stahnke als Casanova und Gästen.

Eintritt 6 €, ermäßigt 4 €

Donnerstag, 13.10., 19 Uhr Gelehrtes Leipzig. Leipzig - das „Athen Deutschlands ...“ Ein Zentrum der Gelehrsamkeit. Vortrag von Dr. Werner Marx

Donnerstag, 27.10., 19 Uhr Geschäftiges Leipzig. „Leipzig ist ohnstreitig eine der schönsten Städte Deutschlands, sie wird dahero immer ,Klein- Paris’ genannt...“ Ansichten einer Stadt um 1785. Vortrag von Dietmar Schulze

Montag, 31.10., 15 Uhr Finissage, letzte Führung durch die Sonderausstellung

Alexander Laboda

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News
  • Lachmesse Leipzig 2017

    Vom 15. bis 20. Oktober 2017 werden in Leipzig wieder massiv die Lachmuskeln gereizt. Über 180 Künstler kommen zur Lachmesse. mehr

  • LVZ-Sommerkino im Scheibenholz
    LVZ Sommerkino im Scheibenholz: Alle Infos zu Filmen, Ticketverkauf und dem Rahmenprogramm.

    Das LVZ-Sommerkino lud wieder zu unterhaltsamen Filmabenden ins Scheibenholz ein. Sehen Sie hier einen Rückblick in Fotos und Geschichten. mehr

  • Schauspiel Leipzig
    Mikrologo Schauspiel Leipzig

    Theater in Leipzig: Höhepunkte, Premieren, Spielplan und Angebote der Spielzeit 2016/2017 im Schauspiel Leipzig mehr

  • Farbspiele
    Die Sparkasse Leipzig sucht für Ihren Kalender 2018 farbenfrohe Fotos

    Beim Fotowettbewerb der Sparkasse Leipzig kann nun über die zwölf Kalendermotive abgestimmt werden. Das Voting endet am 31. August 2017. mehr

Blättern Sie hier durch die aktuelle Veranstaltungsbeilage "Applaus" und finden Sie Konzerte, Shows, Ausstellungen, Sport-Events und mehr in Leipzig und Umgebung. mehr

Erfahren Sie mehr auf www.leipziger-museen.de

Die deutsche Kleingärtnerbewegung hat eine über 200-jährige wechselvolle Geschichte, die im Deutschen Kleingärtnermuseum weltweit einzigartig dokumentiert ist. Zur Schau des Monats! mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr