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Als gäb's kein Morgen mehr: Joris versprüht Lebenslust im Täubchenthal

Als gäb's kein Morgen mehr: Joris versprüht Lebenslust im Täubchenthal

"Macht alle die Augen zu und legt eure Arme auf die Schultern eurer Nachbarn, wie bei der Nationalmannschaft." Orkanböe Joris fegt über seine Gitarrensaiten. Mehr als 900 Fußpaare stemmen sich vom Boden ab und hüpfen zum mitreißenden Beat.

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"So aufgeregt": Joris im Täubchenthal.

Quelle: Wolfgang Zeyen

In den Gesichtern der explosiven Zuhörerschaft: überschäumende Glückseligkeit und Gefühlsüberschwang.

Bereits wenige Minuten nach Konzertbeginn versetzten Joris und seine Band am Montagabend das ganze Täubchenthal in einen Rauschzustand. Zwei Stunden eingehüllt in einem lebensbejahenden Deutschpop-Kokon, in dem warmer Gitarrensound so rauchig kratzig schön begleitet wird, dass man am Ende zu einem trotzigen Kind wird, das unter Krokodilstränen "nooochmal" schreit.

Der Mittzwanziger aus der Nähe von Bielefeld gibt sich bescheiden und unaufdringlich: "Ich bin nur ein kleiner Mann vom Land." Im hellen Scheinwerferlicht stechen seine blonden Wimpern hervor und verleihen ihm etwas Jungenhaftes und Natürliches. "Ich bin so aufgeregt", prustet es aus dem Singer-Songwriter heraus. Er benetzt die Münder seiner Fans mit Luft-Kussmündern. Überwältigung auf beiden Seiten. Wachsmuthstraße, Plagwitz, Leipzig - alles scheint plötzlich weit weg. Das etwas zu laute Rauschen der Lüftung schafft Strandfeeling.

Joris, der Lagerfeuerheld. Joris, der sich beim Nacktbaden zuerst in die Fluten stürzt. Das Publikum gleitet wie Algen auf dem Meeresgrund hin und her. Auf Gefühlsduselei und leicht kitschigen Herzschmerz folgen kantige Indie-Folk-Passagen. Tobi am Bass, Wolle an der Gitarre, Bino am Schlagzeug und Konstantin am Mischpult. Kennengelernt haben sie sich auf der Popakademie in Mannheim. Eineinhalb Jahre geprobt und jetzt entfesselt. Mit schweißglänzenden Fingern haut Joris in die Tasten seines Klaviers. Der gelbe Lampenschirm der Tischlampe, die sich auf dem Klavierkasten befindet, wackelt. Ob auf dem Klavier oder auf der Gitarre, jeder Akkord sitzt. Was Kollegen wie Bosse, Philipp Poisel oder Caspar ihm voraushaben? Einen Wikipedia-Eintrag, sonst nichts.

Hundertausende haben sich Joris Single-Auskopplung "Herz über Kopf" aus seinem Debütalbum "Hoffnungslos Hoffnungsvoll" bereits auf Youtube angehört. Das Leipziger Publikum sogar auswendig gelernt. Joris Musik lebt von wohligen Mitsingchören, in denen das Hier und Jetzt zählt. Bevor er "Im Schneckenhaus" anstimmt, gibt er seinen Schützlingen noch eine Botschaft mit auf den Weg: "Egal, an welcher Kreuzung ihr steht, ihr werdet den Weg mit Leben füllen. Lebt, als gäb's kein Morgen mehr." Auch wenn es schwulstig klingt, Joris ist authentisch und spendet den 900 Feierhungrigen Lebensmut.

Nach unzähligem Kopfschütteln und "Danke Leipzig"-Ausrufen stimmt die Fünfer-Combo ihre dritte Zugabe an. Mit Miniaturkeyboard, Klarinette, Rassel und Akustikgitarre steigen sie von der Bühne und singen aus vollem Herzen:"Immer wenn es Zeit wird zu gehen, verpasse ich den Moment und bleibe stehen. Das Herz sagt bleib', der Kopf schreit gehen. Herz über Kopf." Ein Trost: Am 2. November beehrt Joris das Täubchenthal wieder.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.05.2015
Anita Westrup

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