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Als wären nur die Liebenden übrig: Yasmine Hamdan betörend im Werk 2

Konzert Als wären nur die Liebenden übrig: Yasmine Hamdan betörend im Werk 2

Elektronische Beats und Samples, treibende Drums, bluesige Wüstengitarre – und Yasmine Hamdans melancholisch-hypnotischer Gesang. Die Königin des Oriental-Indie hat am Sonntagabend in Halle D des Werk 2 Hof gehalten.

Ein Bühnen-Gesamtereignis: Yasmine Hamdan mit Band in Halle D des Werk 2.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Sommernacht, eine verrauchte Bar im marokkanischen Tanger: Auf der Bühne, als musikalisch-optische Kulisse von Jim Jarmuschs Vampir-Lakonie „Only Lovers Left Alive“ war Yasmine Hamdan 2013 noch eher ein Chiffre für mystisch-schöne Exotik. Am Sonntagabend in Halle D des Werk 2 stand die Wahl-Pariser Libanesin hingegen für und inmitten selbstverständlicher urban-lockerer Multikulturalität, ein AfD-Albtraum im schönsten Sinne.

Galt sie schon mit ihrer Band Soap Skills als Pionierin und Underground-Ikone der weitgreifend als Indie umschriebenen Musik im Nahen Osten, dürfte sie spätestens, seit sie solo ihre Soundstrukturen noch erweitert und dabei nun ausschließlich arabisch singt, die Königin weltläufigen Indie-Rocks mit orientalischem Einschlag sein. Dass Hamdan obendrein in mehreren arabischen Dialekten singt, ist wohl selbst am Sonntag in Leipzig einem Teil des ebenso internationalen Publikums aufgefallen, der Rest lässt sich einfach vom Rausch der Gesamtatmosphäre mittragen. Denn um diese geht es ihr auch vorrangig. Natürlich erzählen ihre Liedern auch Geschichten, natürlich sind diese, gerade in heutigen Zeiten, mitunter auch politisch, aber im Mittelpunkt steht die universelle Sprache der Musik.

Dass statt eines Logo-Backdrops lediglich halbdurchsichtige weiße Vorhänge die Bühnenrückwand zieren, könnte man als orientalischen Einschlag deuten, ansonsten wartet eine spartanische Bühne mit reichlich westlichem Elektroequipment auf, selbst das analoge Schlagzeug ist durch eine vorgesampelte Pattern-Batterie gepimpt, die Gitarre durch diverse Effekt- und Loop-Tretschalter. Die gute halbe Stunde Verspätung vertreibt man sich mit ein paar Selfies, vorzugsweise mit verträumt geschlossenen Augen neben dem Konzertplakat, auf dem Hamdan verträumt die Augen schließt. Überhaupt liegt einiges an amourös-kuscheliger Romantik in der Luft, ganz so, als wären seit Jarmuschs Film tatsächlich nur noch die Liebenden übrig.

Sich in Sphären jenseits von Grenzen und Dogmen tanzen

Man könnte diese so vordergründig unbeschwerte wie unverkennbar hipster-städtische Verträumtheit, mit der hier Multikulturalität gefeiert wird, beinahe für naiv halten, fühlte sie sich spätestens mit dem ersten Ton des Konzerts nicht so selbstverständlich an. Elektronische Beats und Samples, treibende Drums, bluesige Wüstengitarre, die mitunter per Geigenbogen gestrichen wird und Hamdans melancholisch-hypnotischer Gesang bauen sich zu orientalischen Indie-Soundlandschaften auf, in denen man sofort zu wandeln bereit ist.

Das Sonnenblinzeln des Covers ihres aktuellen Albums „Al Jamilat“ weicht live einer eher mystischen Tiefe mit leichtem Punk-Einschlag, die Beats sind intensiver und kraftvoller. Dazu geht Hamdan auch körperlich ganz in ihrer Musik auf und traumtanzt sich irgendwo zwischen Bauchtanz und den melancholischen Morgenstunden einer sich leerenden Großstadtdisko. Offensiven Kontakt zum Publikum gibt es dabei kaum, aber gerade von diesem geschlossenen, durch ein beinah hypnotisch gutes Lichtsetting perfektionierten Bühnen-Gesamtereignis lässt man sich gern in den Bann ziehen und tanzt sich seinerseits in Sphären jenseits von Grenzen und Dogmen.

Selbst das dieses Jahr länger Anlauf nehmende, laue Leipziger Frühlingswetter kommt einem nach dem Konzert wärmer vor.

Von Karsten Kriesel

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