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Alt und weise: Werner Wolf, Nestor der Leipziger Musikkritik, feiert 90. Geburtstag

Alt und weise: Werner Wolf, Nestor der Leipziger Musikkritik, feiert 90. Geburtstag

Er ist ein Mensch mit einem nahezu unbändigen Lebenswillen. Vor nicht allzu langer Zeit war es um Werner Wolf, den Nestor der Leipziger Musikkritik und der Musikwissenschaften, nicht gut bestellt.

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Werner Wolf feiert am Sonntag seinen 90. Geburtstag.

Quelle: André Kempner

Sein Herz machte nicht mehr so richtig mit, die Chirurgen mussten ran. Monate später - am Sonntag - kann Wolf relativ fit seinen 90. Geburtstag feiern. Er fühlt sich gut, ist sogar wieder in der Stadt mit dem Fahrrad unterwegs. Das schlohweiße Haar wirbelt im Wind.

Wolf stammt aus dem Vorerzgebirge und aus sogenannten einfachen Verhältnissen. Die Eltern sparten sich das Geld fürs Klavier für ihren Sohn vom Munde ab. "Ich war wohl das einzige Arbeiterkind in Grüna mit seinen 7000 Einwohnern, das Klavier spielen lernte", erinnert sich Wolf. 1946 kam er nach Leipzig, studierte an der Musikhochschule Klavier und Klarinette und danach an der Universität Musikgeschichte.

Deren letzte Jahrzehnte vor der Jahrtausendwende lebte und erlebte Wolf aus vollen Zügen. Er kennt die Konzert- und Operngeschichte im Detail, Namen und Ereignisse sind abrufbar wie in einem bestens sortierten Archiv: "1946: Der Gewandhauschef hieß Herbert Albert. Dessen Aufführung von Anton Bruckners 7. Sinfonie ist mir unvergessen. 1961: Gewandhauskapellmeister Franz Konwitschny lag im Krankenhaus, er wollte aber partout Tschaikowskys Pathetique dirigieren. Der Maestro ließ sich also extra für diese Aufführung aus dem Krankenhaus entlassen, den letzten Satz mit der Bezeichnung perdendosi - also verlöschend, verlierend - habe ich noch heute als seinen Abschied im Ohr. Bald darauf starb Konwitschny. 1968: Vaclav Neumann leitete das erste Konzert nach den Ereignissen des Prager Frühlings, er stellte das Programm um, spielte Leos Janaceks Taras Bulba, diese Hommage an einen Freiheitshelden. Kurz darauf kündigte der Tscheche Neumann aus Protest gegen den Einmarsch der Sowjet-Truppen in die CSSR seinen Vertrag mit dem Gewandhaus."

Der nun 90-jährige Wolf ist selbst Geschichte und kann Geschichten zu der von ihm so geliebten Musik quasi ohne Satzpause erzählen. Wenn man ihn fragt, worauf er im Leben besonders stolz ist, dann sind es neben seiner Jahrzehnte langen Tätigkeit als Rezensent für die Leipziger Volkszeitung zwei Dinge: die Lehrtätigkeit an der Universität - erst als Dozent und später als Professor für Musikgeschichte - und sein Engagement für Richard Wagner. In Berlin hatte er 1958 beim Komponisten Ernst Hermann Meyer über Wagner promoviert und durfte dafür das Archiv auf dem Grünen Hügel von Bayreuth nutzen. Wolf initiierte bei dem West-Ausflug in schwierigen politischen Zeiten die Gesamtausgabe der Briefe Wagners. Die ersten fünf Bände gab er selbst heraus, mittlerweile ist die Ausgabe bei Band 22 angekommen. 30 sollen es irgendwann mal werden.

Dass diese Ausgabe ihren Abschluss finden möge, ist ein Wunsch Wolfs für die Zukunft. Seine Heimatstadt Leipzig sieht er musikalisch bestens aufgestellt, allerdings findet er es nicht gut, dass noch immer - je nach Gusto - einzelne Komponisten in den Himmel gehoben werden: "Es sollte Bach und Mendelssohn und Schumann und Wagner und Lortzing und Reger und, und, und heißen."

Ziemlich fit der Körper und sehr frisch der Geist. Wie schafft das dieser Oldie nur? - "Ich lasse mich nicht von allem Möglichen aus der Ruhe bringen und suche mir selbst die Leute aus, über die ich mich ärgern will."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.03.2015

Thomas Mayer

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