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Alte Lieder rosten nicht: Skatepunk-Urgesteine Lagwagon im Leipziger Werk 2

Konzert Alte Lieder rosten nicht: Skatepunk-Urgesteine Lagwagon im Leipziger Werk 2

Er kann es einfach nicht lassen: Erst im Frühjahr unternahm Joey Cape mit seinem akustischen Solo-Projekt eine ausgedehnte Konzertreise, die ihn Ende März auch ins Werk 2 führte. Nur 124 Tage später steuert er am Dienstag im Rahmen der Europa-Tour mit seiner Band Lagwagon schon wieder die Kulturfabrik an.

Große und kleine Leute: die kalifornische Band Lagwagon, ganz rechts Sänger Joey Cape, 49, der erst im März in Leipzig auftrat.

Quelle: Joe Leonard

Leipzig. Für diese schnelle Rückkehr gibt es laut dem 49-jährigen Sänger einen simplen Grund: „Ich vermisse das Touren, sobald ich eine Weile zuhause hocke. In gewisser Hinsicht bin ich geschädigt: Ich kann einfach nicht mehr stillhalten, weil ich schon so verdammt lange permanent unterwegs bin.”

Und zwar seit mehr als einem Vierteljahrhundert: 1990 gingen Lagwagon aus dem Vorgängerprojekt Section 8 hervor – zu einer Zeit, in der sich in Kalifornien eine Szene herausbildete, die entscheidende Beiträge zum Punk-Revival der Neunziger leistete. Während Green Day und The Offspring dem Genre dank ihres Pop-Appeals eine präzedenzlose Chart- und Massenkompatibilität einhauchten, explodierte im Untergrund des „Golden State” eine Stilrichtung, die unter den Namen Melodycore oder Skatepunk bekannt wurde.

Um die beiden wichtigsten Vertreter NOFX und Lagwagon formierten sich zahlreiche Bands, die das halsbrecherische Tempo und die Angriffslust des Hardcore mit handwerklicher Virtuosität und einem Harmonieverständnis kombinierten, das mehr Gemeinsamkeiten mit der Rockmusik der Sechzigerjahre als mit den ungeschliffenen Anfängen des Punks in den Siebzigern aufwies. Die Sprengkraft der kalifornischen Szene wurde Joey Cape erst im Nachhinein bewusst: „Manchmal krame ich alte Konzertflyer hervor und lese dann: NOFX, Lagwagon, No Use For A Name, Pennywise – alle bei einer Show. Damals fand ich es einfach nur aufregend, aber erst rückblickend habe ich begriffen, wie viel Glück ich hatte, ein Teil des Ganzen gewesen zu sein.”

Schnelle Musik, zahmes Hopsen

Als Begründer eines neuen Subgenres sieht sich Cape jedoch nicht: Für ihn steht seine Band in der Tradition einer anderen Gruppe aus Kalifornien, mit der sich Lagwagon beim Auftakt ihrer aktuellen Europa-Tour in Wien die Bühne teilte: Bad Religion. „Ihr Album ‚Suffer’ hat meine Sicht auf das Songwriting komplett verändert. Die Akkordfolgen klangen eher nach den Beatles – waren aber auch genauso heftig wie bei den Punkbands, die ich damals liebte. Es ist nach wie vor eine Ehre, mit Bad Religion zu spielen – aber es macht auch einfach Spaß, weil sie richtig nette Kerle sind.”

Ähnlich positiv äußert sich der Sänger auch zu den Mitgliedern des israelischen Quartetts Useless ID, das am Dienstag neben Versus The World im Vorprogramm auftreten wird und dabei Lieder von seiner aktuellen LP „State Is Burning” präsentiert. Auch Joey Cape hat in diesem Jahr bereits einige neue Songs geschrieben – für einen Publikumstest ist es ihm zufolge aber noch zu früh: „Wir müssen noch gemeinsam am Rohmaterial arbeiten. Unser letztes Album ‚Hang’ war erstmals eine wirkliche Kollaboration, und so wollen wir es bei der nächsten Platte wieder machen.”

Die meisten Konzertbesucher sollte das jedoch nicht stören: Denn Lagwagon haben mit „May 16” oder „Violins” einige Genre-Klassiker im Repertoire, und alte Lieder rosten nicht. Der Zahn der Zeit nagt zwar unerbittlich am Personal – der Musik und Live-Präsenz seiner Band konnte er aber noch nichts anhaben, wie der wenige Monate vor seinem 50. Geburtstag stehende Joey Cape versichert: „Wir spielen genauso schnell wie eh und je. Ich kann dabei nur nicht mehr so wild wie früher rumhopsen, seitdem ich zwei kaputte Knie habe.”

Lagwagon, davor Useless ID und Versus The World, Dienstag, 20 Uhr, Halle D (Werk 2, Kochstraße 132), Vorverkauf 23 Euro

Von Conrad Pohlmann

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