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Alte Pop-Schule: Paul Carracks Geburtstagsparty im Haus Auensee

Konzert Alte Pop-Schule: Paul Carracks Geburtstagsparty im Haus Auensee

Es war kein Konzert wie jedes andere: Schon weil Paul Carrack am Samstagabend mit den 800 Fans im Haus Auensee seinen 66. Geburtstag gefeiert hat.

Tolle Musiker: Andy Staves, Dean Duke, Paul Carrack, Jack Carrack und Jeremy Meek (von links) im Haus Auensee.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Es dauert fast eine Minute, bis sich der Chor auf einen gemeinsamen Beginn und ein einheitliches Tempo einigt. Aber dann ist es doch recht beeindruckend, wie die 800 Menschen dem Geburtstagskind ein spontanes Ständchen singen. Schon 20 Minuten zuvor hat ja einer am Samstagabend „Happy Birthday, Paul!“ ins Haus Auensee hineingerufen. Paul Carrack war da gerade erst aufgekreuzt und nuschelte sein Dankeschön vorerst unauffällig in die allgemeinen Begrüßungsfloskeln.

Jetzt, nachdem der groovige Auftakt mit „Too Good To Be True“, „Satisfy My Soul“, „Late At Night“ und „Sleep On It“ verklungen ist, bestätigt aber Carrack höchstselbst in seiner angeblich „längsten Ansage aller Zeiten“ von sage und schreibe 45 Sekunden, dass er just an diesem Abend 66 Jahre alt wird. Links hinten im Saal fangen daraufhin ein paar Zuschauer zu singen an, vorne rechts auch. Und irgendwo in der Mitte. Als man schon fürchtet, dass das Geburtstagslied verebbt, bevor es wirklich beginnt, findet das Publikum doch noch eine gemeinsame Stimme. „Happy birthday, dear Paul, happy birthday to you!“ Es rührt einen.

Das sei aber sehr, sehr freundlich, bedankt sich der Beglückwünschte. Wie es halt ist im theoretischen Rentenalter: So ganz recht ist ihm der Aufriss augenscheinlich nicht, gleichwohl wirkt er geschmeichelt. Jetzt also Carracks längste Ansage einer immerhin – wie zu erfahren ist – mehr als 50-jährigen Musikkarriere: Mit 15 habe er die Schule verlassen, um eine Band zu finden. „Es ist verdammt lang her. Aber manchmal kommt es mir vor wie gestern.“ Da muss wohl ein Engel die ganze Zeit nach ihm geschaut haben. Das sagt Carrack nicht, er singt es: „Watching Over Me“ heißt das Lied.

Ein Straßenmusik-Intermezzo

In der Tat ist der Engländer nicht als Redner bekannt, sondern als großartiger Musiker. Seine glockenklare und doch mitreißend soulige Stimme prägte zwei Jahrzehnte lang die Pop-Hits von Mike and the Mechanics, auch Kollegen wie Eric Clapton, Elton John, Roger Waters, die Eagles und Roxy Music setzten auf die Fertigkeiten des Multiinstrumentalisten. Im Haus Auensee pendelt Carrack kontinuierlich zwischen Gitarre, Klavier, Hammondorgel und Mundharmonika. Seine Augen sind meistens geschlossen. Es gibt keine bessere Bezeichnung: Er ist ein Vollblutmusiker, und zwar alter Schule.

Was bedeutet, dass er nicht nur selbst mit Leidenschaft an seinen vier Instrumenten soliert, sondern darüber hinaus seiner Band viele Gelegenheiten gibt, sich auszuzeichnen: dem wunderbaren Steve Beighton an Saxofon und Querflöte, Gitarrist Andy Staves, Bassist Jeremy Meek. Wobei einem das Spiel des Letztgenannten ohnehin permanent den Atem raubt, nicht zuletzt, als er in einem Straßenmusik-Intermezzo den elektrischen Kontrabass zupft. Nur zur Stellenbeschreibung von Keyboarder James Locke gehört offenbar eher die Nebenbeschäftigung als Roadie denn als Solist. Jedenfalls muss er immerzu Sorge dafür tragen, dass sein Chef zum jeweils richtigen Instrument greifen kann.

Dieser besondere Paul-Carrack-Groove

Weit länger hätte man gern dem Duett der beiden Schlagzeuger Dean Duke und Jack Carrack gelauscht, dem 29-jährigen Sohn des Hauptakteurs. Erst in der Zugabe – „Over My Shoulder“ von den Mechanics – erleuchten ihre Becken und Felle für acht Takte im Rampenlicht. Freilich war das Rhythmusdoppel auch in den anderthalb Stunden zuvor maßgeblich für diesen besonderen Paul-Carrack-Groove mitverantwortlich, der irgendwo zwischen angloamerikanischem Pop, britischem Blues und Motown-Soul liegt.

Für den Squeeze-Klassiker „Tempted“ und vor allem „Bet Your Life“ vom aktuellen Album „Soul Shadows“ gilt das übrigens noch weit wirkungsvoller als für die Gassenhauer: für „Love Will Keep Us Alive“, den er 1994 für die Eagles mitschrieb, für „Living Years“ von Mikes Mechanikern. Und schließlich für „How Long“, Carracks ersten selbstkomponierten Hit, den er 1974 mit seiner damaligen Band Ace aufnahm und zu dem das begeisterte Publikum endlich aufsteht – und sich beim Tanzen sofort auf einen gemeinsamen Beginn und ein einheitliches Tempo einigen kann.

Mike and the Mechanics treten am 22. September im Haus Auensee auf – allerdings ohne Paul Carrack.

Von Mathias Wöbking

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