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Anbau der Nationalbibliothek mit Breakdance und Festreden eröffnet

Anbau der Nationalbibliothek mit Breakdance und Festreden eröffnet

Die Breakdance-Weltmeister Flying Steps tanzten zu klassischer Musik und modernen Beats - anlässlich der Eröffnung des vierten Erweiterungsbaus der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig am Montagmittag.

Leipzig. Das schien ein Widerspruch, doch die Berliner Künstler lösten diesen mit ihrer akrobatischen Choreographie auf.

Auch zwei Gastredner zeigten ihren jeweiligen Blick auf einen vermeintlichen Gegensatz - den zwischen staatlichem und privatwirtschaftlichem Engagement in der Kultur. „Für den Wissenserhalt und die Erweiterung des Zugangs dazu spielt die Digitalisierung eine ganz wesentliche Rolle. Der Finanzbedarf in den nächsten Jahren für die Digitalisierung von Kulturgut ist enorm", sagte Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU). Bund, Länder und Kommunen könnten diese Kosten nicht allein bewältigen. „Ich stehe deshalb einer Kooperation öffentlicher Einrichtung mit der Privatwirtschaft aufgeschlossen gegenüber."

Neumann schränkte allerdings ein, es dürfe dabei aber nicht zu einem Informationsmonopol privater Unternehmen kommen, die Digitalisate müssten den öffentlichen Einrichtungen weiter frei zur Verfügung stehen. Außerdem müsse das Urheberrecht gewahrt bleiben.

Der Kulturstaatsminister repräsentierte am Montag den Bund als Bauherrn des Erweiterungsbaus. Rund 60 Millionen Euro wurden in den Ausbau des Leipziger Teil der Nationalbibliothek investiert. Auf 14.000 Quadratmetern beherbergt der Neubau nun neben dem  Deutschen Buch- und Schriftmuseum auch das bis vor kurzem in Berlin ansässige Deutsche Musikarchiv.

Die Erweiterung wurde nötig, da die beiden Standorte der Deutschen Nationalbibliothek - Leipzig und Frankfurt am Main - jedes Jahr 300.000 neue deutschsprachige Bücher, Zeitungen, Zeitschriften, Noten und Audio- und Videodateien archivieren müssen. Derzeit werden 14,5 Millionen Dateien und Druckerzeugnisse in der Messestadt verwahrt.

Dass dieses Wissen gepflegt, gewahrt und zugänglich gemacht wird, nannte der Kulturstaatssekretär eine wichtige nationale Aufgabe, die nun weiter in Leipzig gelöst werden könne. Er erinnerte noch einmal daran, dass diese Kulturgüter ständig bedroht seien, wie der Brand in der Anna-Amalia-Bibliothek und der Zusammenbruch des Kölner Stadtarchivs gezeigt hätten.

Peter Conradi, der frühere Präsident der Bundesarchitektenkammer und SPD-Politiker, brach in seiner Rede eine Lanze für den Einsatz des Staates. Nachdem der Staat eingesprungen sei, um mit Milliardenbeträgen die Folgen „einer verantwortungslosen Finanzwirtschaft aufzufangen", sei das Geschrei „Privat ist besser als Staat" wohl „hoffentlich auch beim öffentlichen Bauen vorbei, das wir nicht den Interessen der Finanz-, Immobilien- und Bauwirtschaft opfern dürfen."

Dieser Neubau zeige, was der öffentliche Bauherr leisten kann, stellte Conradi fest. Daher dürfe es keinen weiteren Abbau von staatlicher Verantwortung geben. Er plädierte für ein „vernünftiges Miteinander von Politik und Wirtschaft, von Staat und Markt." Ein Miteinander wie Breakdance und Klassik also.  

Michael Dick

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