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„Andere Konflikte, anderes Theater“: Festival Off Europa bringt finnische Kultur nach Leipzig

„Sehnsucht Suomi“ „Andere Konflikte, anderes Theater“: Festival Off Europa bringt finnische Kultur nach Leipzig

Ab Freitag ist es wieder soweit: Für eine Woche lädt das Off-Europa-Festival zu Musik, Film, Tanz und Theater. Mit „Sehnsucht Suomi“ ist der diesjährige Durchlauf überschrieben, Kunst aus Finnland ist es, die in Leipzig und Dresden zu sehen sein wird.

Frei nach Michael Jackson? Choreographin Sari Palmgren eröffnet morgen das diesjährige Off-Europa-Theaterprogramm mit „The Earth Song“ im Lofft.

Quelle: Uupi Tirronen

Leipzig. Mit der Schwerpunktsetzung auf Finnland richtet Festivalleiter und Kurator Knut Geißler einmal mehr, seiner ja schon traditionell zu nennenden inhaltlichen Programmatik entsprechend, den Blick auf ein Land, das auf der Aktualitätenagenda der Wahrnehmungsprioritäten, im Kontext dessen also, was den gegenwärtigen europäischen „Diskurs“ bestimmt, eher eine Randexistenz führt.

Dass der „Diskurs“ nun wiederum vor allem etwas ist, das „die Hauptsache in den Exkurs verbannt“, hatte einst schon der Schriftsteller Wolfgang Hilbig gern moniert. Was jetzt auch deshalb erwähnt sei, weil es schlicht immer wieder mal erwähnt werden muss. Und weil davon abgesehen gerade dieses Festival seine speziellen europäischen Exkursionen unter dieser Prämisse unternimmt. Oder wie Geißler es augenzwinkernd auf den Punkt bringt: „Ich verlasse den Diskurs ganz bewusst, auch um im Exkurs vielleicht einige seiner Themen anders und modifiziert wiederfinden zu können.“

Für Off Europa (und im Festivalnamen schwingt ja auch das schon mit) ist eben nicht das „Neueste, Angesagteste“ von Interesse. Geißler: „Ich mag es schlicht nicht, dem Zeitgeist hinterher zu hecheln, grad anliegende Themen zu bedienen. Das wird zu schnell illustrativ, auch wenn die einzelnen Arbeiten selbst das nicht sind. Die Wahrnehmung macht sie dazu. Unter dieser Prämisse war ich etwa selbst schon mit dem Türkei-Festival zu spät. Und das, obwohl ich damals, 2012, wiederum viel früher war als andere.“

Ein Land wie ein urbanisierter Wald

Es geht Geißler dabei – das muss man hinzufügen – nicht um eine Art seismographischen Entdeckerehrgeiz für so etwas wie die Vorbeben anstehender gesellschaftlicher Erschütterungen. Das wäre absurd und ein wenig anmaßend wohl auch. Um Entdeckungen aber geht es freilich schon: „Ich staune einfach gern. Und versuche dabei schon, so etwas wie Pionierarbeit zu leisten. Das Festival mag ja klein sein, aber es traten immer wieder Künstler auf, die erstmals außerhalb ihres Landes wahrgenommen wurden – und heute in ganz Europa arbeiten.“

Bei der jeweiligen Auswahl der jeweiligen Länder mache Geißler zudem bewusst willkürliche Sprünge: „Das ist am Ende eine Bauchentscheidung. Norden – das war der Grundgedanke. Gerade nach den Südosteuropa-Exkursionen letzter Jahre. Die Lust auf den Kontrast ist ein Impuls, klar. Andere Bedingungen, andere Konflikte, anderes Theater.“

Auf Finnland fiel dann schnell die endgültige Entscheidung. Mit „Sauna, Eishockey, Erkki, Winter, Wodka, Tango, Death Metal“ lässt dann auch das Lofft, wo nach der Eröffnungsparty am Freitag im UT Connewitz am Samstag das offizielle Programm beginnt, die Assoziationsketten rasseln: „Mir persönlich“, erklärt wiederum Geißler, „kam das Land vor wie ein urbanisierter Wald. Da ist natürlich das Zentrum Helsinki und dann erst mal wieder Wald, dann Siedlungen, mal größer, mal kleiner, dann wieder Wald, eine Stadt, Wald ...“

Finnisches Öko-Tanz-Punk-Musical

Möglich, dass auch deshalb schon das Eröffnungsstück „The Earth Song“ leitmotivisch Kapitalismuskritik und Naturschutz zum „ökologischen Tanz-Punk-Musical“ kurzschließt. Während in „Writing Dancing“ ein Philosoph reflektierend einer Tänzerin zuschaut oder in „Fantom“ (Geißler: „sehr wild, sehr speziell“) Film, improvisierte Musik und Physical Theatre den Crash-Test riskieren.

Etwas, das im Grunde auch dieses Off Europa wieder versucht. Vielleicht nicht gleich – oder nicht nur – als „Crash“. Aber durchaus als Konfrontation, in der man etwas von sich, von hiesigen Wahrnehmungsperspektiven in verfremdeter, in befremdender, auch bewusst irritierender Weise wiederfindet. Als Spiegelung über die Distanz, als Fokussierung auf den Exkurs.

Geißler: „Das, was ich von meinen Exkursionen mitbringe, ist das, was ich als wesentlich und zeigenswert wahrnehme. Was und wie das hier von den Rezipienten angenommen oder was davon abgelehnt wird und warum – das wird sich zeigen, sich beweisen müssen.“

Programm: www.bfot.de

Von Steffen Georgi

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