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„Angst, geh Spielen“-Premiere in Leipziger Schaubühne Lindenfels

Psychologische Theater „Angst, geh Spielen“-Premiere in Leipziger Schaubühne Lindenfels

Die Künstlergruppe „Erweiterte Zugeständnisse Leipzig/Wien“ feiert an der Schaubühne Lindenfels die Premiere von “Angst, geh spielen“. Ihre neue Produktion widmet sich den verschiedensten Formen des unliebsamen Gefühls.

Laila Nielsen, Christopher Schleiff, Johannes Gabriel und Verena Noll (v.l.) bei der Premiere von „Angst, geh Spielen“.
 

Quelle: Christian Modla

Leipzig.  „Das hätte ganz schön schief gehen können“, wiederholt Christopher Schleiff, der kurz nach der Pause in die Rolle eines pedantischen Korrekturlesers schlüpft. Um ein Haar wäre er ausgebrochen mit der sorgenvollen Reinigungskraft, die er gerade erst getroffen hat. Raus aus ihrem tristen Alltag in ein romantisches Abenteuer. Doch die Bedenken siegen und lassen beide allein zurück. „Das hätte ganz schön schief gehen können.“

Die Szene läutete am Donnerstagabend die zweite, eindrücklichere Hälfte der „Angst, geh spielen“-Premiere in der Schaubühne Lindenfels ein. Mit ihrer neuen Produktion kehrt die Künstlergruppe „Erweiterte Zugeständnisse Leipzig/Wien“ ein Jahr nach „Erklär, mir Inge“ zurück an das Theater auf der Karl-Heine-Straße. Das Stück ist inspiriert von Fritz Riemanns Psychologieklassiker „Grundformen der Angst“, widmet sich in 23 Kapiteln, die zum Teil auf realen Fallbeispielen, Emails und Tagebucheinträgen basieren, einem der unliebsamsten Gefühle des menschlichen Daseins.

Eine Mammutaufgabe

Regisseurin Friederike Köpf hat sich beim Versuch, dessen unterschiedliche Facetten darzustellen, einer Mammutaufgabe hingegeben. Das Bühnenbild kommt mit zwei roll- und begehbaren Holzwänden aus, dazu hier mal eine kleine Badewanne, da mal ein Klavier. Einen klar erkennbaren Handlungsstrang gibt zunächst kaum. Wenige wiederkehrende Muster stellen das grobe Gerüst. Die zügige Abfolge der zum Teil nur wenige Minuten andauernden Szenen und der ständige Rollenwechsel machen es für Publikum und Darsteller zu Beginn gleichermaßen schwer, sich fallenzulassen. Die Frage, ob hier weniger mehr gewesen wäre, bleibt bis zur Pause präsent.

„Kuchenessen“, das ein Wiedersehen zweier Schwestern zeigt, sticht aus dem ersten Block positiv heraus. Die jüngere, Clara (Laila Nielsen), kommt zu Besuch. Sie wirkt entkräftet, redet wenig – „es war etwas viel in letzter Zeit“. Als sie doch von ihrer Trennung erzählen will, wird sie von der älteren (Verena Noll) unterbrochen. Statt sich auf die schwierige Situation zu konzentrieren, dreht sich bei der Schwester alles um einen Apfelkuchen, der „nur noch schnell“ gebacken werden müsse. Die Szene lässt erahnen, wohin der Abend führen soll. Sie zeigt die Vielfältigkeit alltäglicher, sozialer Ängste und spaltet darin das Publikum. Die einen lachen darüber, dass sich die Hausfrau angesichts der falschen Sprühsahne um den Erfolg des Besuches sorgt. Der Rest schweigt beim Anblick der Missverständlichkeit, in der die Protagonistinnen sich befinden.

Stärkere zweite Hälfte

Die längeren Dialoge – das wird im zweiten Block besonders deutlich – geben den Darstellern den nötigen Raum, um in die Charaktere hineinzuwachsen. Das zeigt auch „Herr Lennart knickt ein“. Nielsen, die zuvor meist emotionsgeladene, aufgeregte Rollen übernimmt, verwandelt sich geräuschlos zur besonnenen Psychologin. Den erfolgreichen Workaholic Herrn Lennart, der wegen sexueller Belästigung einer Angestellten von der Geschäftsleitung zur Therapie verdonnert wurde, spielt Johannes Gabriel. Er nimmt seine Zuschauer problemlos mit auf die Reise vom chauvinistischen Siegertypen zum gebrochenen Zweifler, der Job und Ehe bedroht sieht. Die Variabilität der Schauspieler ist eine der großen Stärken der Aufführung. Dem Publikum wird es nun leichter gemacht, die verschieden Angsttypen aus dem Spiel abzuleiten, sie zu differenzieren, zu greifen und – seien sie noch so banal – nachzufühlen. Was anfangs an der Oberfläche kratzt, wird am Ende doch zum erwarteten Aha-Erlebnis.

Im Monolog „Johanna lernt laufen“ erlebt die Aufführung ihren bedrückenden Höhepunkt. Johanna (Verena Noll) beginnt mit vierzig Jahren ihr gesamtes Leben zu hinterfragen. „Ich mache immer weiter, aber irgendwann ergibt mein Tun keinen Sinn mehr“, sagt sie. Die Angst, sich eines Tages selbst nicht mehr zu erkennen, das eigene Handeln nicht mehr zu verstehen, scheint das Publikum wieder zu einen.

„Angst, geh Spielen“, Schaubühne Lindenfels (Karl-Heine-Straße 50), weitere Vorstellungen am 28. und 29. April und vom 4. bis 6. Mai, jeweils 20 Uhr, Eintritt 16/13 Euro.

Von Anton Zirk

Karl-Heine-Straße 50 51.331985 12.334499
Karl-Heine-Straße 50
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