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Anja Kampmann gewinnt 18. MDR-Literatur-Wettbewerb

Anja Kampmann gewinnt 18. MDR-Literatur-Wettbewerb

Auf das Publikum ist Verlass. Nicht unbedingt, was den Andrang betrifft - der große Saal im Haus des Buches war schon voller. Doch wäre es absurd gewesen, Peter Wawerzinek ohne einen Preis nach Hause gehen zu lassen.

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Die Gewinner des MDR-Literaturwettbewerb (v.l.): Anja Kampmann, Ferdinand Schmalz, Verena Güntner und Publikumsliebling Peter Wawerzinek.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Und so haben die sieben Abend-Juroren um Sprecher Clemens Meyer und Kulturbürgermeister Michael Faber wohl geahnt, wie die Zuschauer entscheiden.

Deren Reaktion auf Wawerzineks Romansauszug "Tante Luci" war wie ein kollektives Aufatmen. Nicht allein, weil der 58-Jährige Bachmannpreis-Gewinner (2010) tatsächlich lesen kann, besser: performen. Sondern auch, weil er als fünfter in der ausgelosten Reihenfolge der Finalisten endlich sprachlich souverän eine lebendige Geschichte erzählt, in der Energie fließt und Figuren plastisch werden. Diese Tante Luci nämlich, die aussieht wie eine Büroklammer und bei der der Ich-Erzähler aufwächst, weil die Schauspieler-Eltern anderweitig beschäftigt sind. Luci, die "locker auf die besoffene Garbo machen kann". Wawerzineks Roman soll bei Galiani erscheinen, Arbeitstitel: "Schluckspecht".

Dass die literarische Langstrecke ganz anderen Gesetzen folgt als die Kurzgeschichte, wird auch bei dieser dreieinhalbstündigen Veranstaltung - MDR Figaro überträgt wie immer live - erklärt. Diesmal übernimmt das Schriftsteller und Jury-Mitglied Kurt Drawert, um dessen Handbuch "Schreiben. Vom Leben der Texte" es in den Lesepausen geht. Bei der Kurzgeschichte trete das Was hinter das Wie zurück, sagt er, "der Ton entscheidet über das, was erzählt wird". Schreiben bedeute, Ahnungen von einem Gegenstand zur Gewissheit werden zu lassen. "Wenn ich etwa schon weiß, habe ich eigentlich keinen Grund mehr, es aufzuschreiben."

Damit gibt er eine Linie vor, der in diesem Finale nur wenige folgen. Sehr absehbar, sehr konstruiert erscheint vieles, mehr verhüllt als entblößt von einer Sprache, die oft nur schön sein will. Eine der Ausnahmen ist Ferdinand Schmalz, der auf Platz zwei (2500 Euro) kommt mit seinem Text "Schlammland Gewalt", der Rhythmus vor Inhalt stellt, bevor am Ende zwei Leichen liegen bleiben. Der 28-Jährige aus der Steiermark hat gerade beim Retzhofer Dramapreis den Nachwuchspreis für szenisches Schreiben gewonnen, verbunden mit der Uraufführung seines Stücks "am beispiel der butter" in Leipzig.

Verena Güntner (34) aus Berlin ist eigentlich Schauspielerin, hat aber auch schon beim open mike das Finale erreicht. In ihrer Kurzgeschichte "Früher" erzählt sie in der Sprache der Jugend, was es bedeutet, jung zu sein, jung mit einem körperlichen Defizit. "Sehr erfrischend" findet das die Jury und belohnt es mit dem dritten Platz (1500 Euro).

Ihre "sehr poetische Sprache" hat Anja Kampmann zum ersten Preis verholfen. In ihrem Text "Jsem' Ich werde ihr erzählen" passiere viel im Verborgenen, unter der Oberfläche, lobt die Jury. Es sind die Gedanken und Reflexionen von Vaclav, der sich von einer Bohrinsel nach der böhmischen Heimat sehnt, wo allerdings niemand mehr auf ihn wartet, weil er es ist, der sich verändert. Ja, es sind schöne, fließende Sätze, da ist nichts falsch, nichts irritiert. Sie könne die 5000 Euro Preisgeld gut gebrauchen, um in Ruhe an ihrer Dissertation arbeiten zu können, sagt die 29-jährige Autorin, die in Hamburg Politik und Sport studiert hat und anschließend am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig.

2006 war Anja Kampmann schon einmal unter den 15 Besten des MDR-Lite­ratur­preises; ob sie wieder teilnehmen wird, will Ulf Heise wissen, der gemeinsam mit Michael Hametner die Veranstaltung moderiert. "Ich glaube, ich bin so ganz froh", sagt sie.

Das sind nicht alle an diesem Abend, den Cristin Claas und Band - ein bisschen Jazz muss sein - musikalisch-poetisch begleiten, der aber niemanden in Euphorie versetzt. Bis zur Preisverleihung kurz vor 23 Uhr haben sich die Reihen schon deutlich gelichtet. Ob dies wirklich die 7 besten aus über 2000 Einsendungen waren, kann, wer will, zumindest teilweise überprüfen - im Buch zum Wettbewerb sind 20 weitere versammelt.

Michael Hametner (Hrsg.): Risikoanalyse. Die besten Geschichten aus dem MDR-Literaturwettbewerb 2013 poetenladen Verlag; 192 Seiten, 11,80 Euro

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.05.2013

Janina Fleischer

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